Klinikum Kulmbach erhält Zulassung für neue Therapieform nach Schlaganfall
Autor: Redaktion
Kulmbach, Donnerstag, 04. Juli 2024
Das Klinikum Kulmbach zählt nun zu einem von 32 anerkannten Standorten in Bayern, an dem eine neues Therapieverfahren für die Behandlung von Schlaganfall-Patienten angewandt wird.
Der Freistaat Bayern nimmt Kulmbach in die Riege von nur 32 anerkannten Thrombektomie-Standorten auf, wie der Zweckverband Klinikum Kulmbach in einer Pressemitteilung berichtet. Diese noch recht neue Form der Therapie macht vielen vor allem von schweren Schlaganfällen Betroffenen Aussicht auf ein weiteres selbstbestimmtes Leben. Personelle Aufrüstung und siebenstellige Investitionen waren dafür nötig.
Professor Dr. Gernot Schulte-Altedorneburg, Leitender Arzt im Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie ist ein ausgewiesener Fachmann für diese Art der Behandlung. Unterstützt wird er von Juli an durch Professor Dr. Ulf Neuberger, der von der Heidelberger Uniklinik nach Kulmbach wechselt und als erfahrener Neuroradiologe ebenfalls über große Erfahrungen in diesem Bereich verfügt.
Dritter im Bunde und als Leitender Arzt der Neurologie sowie der Stroke-Unit ist Dr. Christian Konhäuser. Er freut sich, dass es nun mit Professor Schulte-Altedorneburg und seinem neuen Kollegen Professor Dr. Neuberger weiterhin und mit staatlicher Anerkennung die Möglichkeit gibt, Thrombektomien durchzuführen. Dabei wird ein Blutgerinnsel (Thrombus), das im Gehirn ein Blutgefäß verstopft hat, mit Hilfe eines Katheters entfernt. Die in Deutschland erst seit wenigen Jahren zugelassene Therapie könne, wenn die Voraussetzungen beim Patienten stimmen, zu einer erheblichen Verbesserung des Behandlungserfolgs führen.
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Bereits seit einiger Zeit sei diese Behandlung in Kulmbach etabliert. „Nun wurde uns vom Freistaat bescheinigt, dass wir das auch mit der erforderlichen Qualität durchführen“, freut sich Konhäuser und zeigt sich erfreut darüber, dass es nun neben der Lyse (Auflösung des Thrombus durch ein Medikament) als Standardtherapie auch noch die Thrombektomie gibt. Durch die Leiste werde ein Katheter bis ins Gehirn geschoben, der Thrombus könne dann herausgezogen werden.
Die Behandlung in Kulmbach sei, wenn diese Behandlung für den Patienten geeignet ist, ein sehr großer Zeitgewinn, macht Konhäuser deutlich und erinnert an den Leitsatz, der bei Schlaganfällen grundsätzlich gilt: „Time ist Brain“, übersetzt Zeit ist Hirn. Durch Verlegungen der Patienten werde nun keine wertvolle Zeit mehr verbraucht. „Das ist ein erheblicher Vorteil für die Versorgung von Schlaganfallpatienten am Standort Kulmbach.“ Rund 500 Männer und Frauen sind, wie Konhäuser berichtet, im vergangenen Jahr wegen eines Schlaganfalls im Klinikum behandelt worden. Etwa zehn Prozent von ihnen können laut Konhäuser von der Thrombektomie profitieren.
Für Menschen, die einen ganz schweren Schlaganfall erlitten haben, sei die Thrombektomie immer mehr das Mittel der Wahl, macht auch Professor Dr. Schulte-Altedorneburg deutlich. Vor allem wenn es sich um eine Blockade eines großen Blutgefäßes handle, sei die Behandlung durch eine medikamentöse Auflösung des Blutgerinnsels nur schwer oder nicht zu behandeln. „Mit dem Katheter können wir das gesamte Gerinnsel aus der verschlossenen Gehirn-Arterie herausziehen oder heraussaugen.“
Das könne über Leben und Tod entscheiden und auch im Überlebensfall die Folgen deutlich minimieren. Dass die Behandlung jetzt in Kulmbach möglich ist, spare den Betroffenen eine Stunde Zeit, die sonst zum Beispiel durch die Verlegung nach Erlangen benötigt würde. „Schon das Ein- und Ausladen des Patienten verschlechtert seine Prognose. Deswegen ist es gut, eine wohnortnahe Versorgung zu haben.“