Viele Kliniken in Deutschland funken angesichts von Corona finanziell SOS, annähernd 50 Prozent der Häuser erwarteten für das Geschäftsjahr einen spürbaren Verlust. Diese Zahlen verbreitet das Deutsche Krankenhausinstitut in seinem "Krankenhaus-Barometer".

Aufgrund der Entwicklung warnte zudem die Deutsche Krankenhausgesellschaft davor, man werde für 2021 keine Garantie geben können, dass die Gehälter für Pflegende wie gewohnt bezahlt werden könnten, sollte der Bund die Hilfen nicht erhöhen. Als Begründung genannt wird die Verschiebung von Operationen, wodurch Kliniken weniger Erlöse erzielten.

"Ausgleichszahlungen erhalten"

Für das Klinikum Kulmbach, ein Haus in kommunaler Trägerschaft, sieht Geschäftsführerin Brigitte Angermann diese Bedenken nicht, wie sie auf BR-Anfrage schreibt. "Es besteht keine Gefahr, dass in nächster Zeit die Gehälter am Klinikum Kulmbach nicht mehr bezahlt werden können. Auch wir mussten natürlich im Frühjahr geplante Operationen verschieben. Dafür haben wir Ausgleichszahlungen erhalten."

In der Zeit von Mitte Mai bis Weihnachten habe man am Klinikum "fast normal" arbeiten können. "Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Ein wichtiger Grund ist jedoch, dass die Inzidenzen im Landkreis Kulmbach weitgehend niedrig gehalten werden konnten." Angermann erwähnt konsequente Hygiene- und Abstandsregeln.

Was die Bezahlung in der Pflege angeht, hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine Gehälter-Garantie für Klinikbeschäftigten abgegeben.

KOMMENTAR

Was kostet ein (Über-)Leben?

Reden wir offen: Was ist uns ein Leben wert? So als Gesellschaft gefragt? Juristen und Versicherungen wissen das, sie haben eigene Sätze dafür. Ein Unfallopfer

X wird mit der Summe Y "entschädigt". Ganz einfach. Wenn man tot ist, sogar noch leichter.

Aber die (Über-)Lebenden, die sind oft richtig teuer. Haben Sie gewusst, dass ein durchschnittlicher Mensch in den letzten sechs Monaten seines Daseins der Allgemeinheit so auf der Tasche "liegt" wie in den vergangenen Jahrzehnten zuvor insgesamt? Dann nämlich, wenn er - nach Schlaganfall, Herzinfarkt, Krebs oder Zuckerschock - nochmals der vollen Breitseite der Intensivmedizin bedarf. Wir sollten hier vielleicht alle eine Erklärung unterschreiben, dass wir auf die letzten Tage/Wochen an Beatmungsschlauch und Herz-Lungen-Maschine verzichten - dafür sinkt vorher unser Krankenkassenbeitrag um 50 Prozent. Fairer Deal, oder?

Das ändert freilich nichts daran, dass uns Menschen in diesen schweren Stunden zur Seite stehen (müssen). Und ich rede hier nicht von Politikern, Anwälten oder Investmentbankern, die mancher so gerne zur Kaste der Leistungsträger zählt. Es sind die Pflegekräfte. Statt dass wir diese Menschen auf Händen tragen, treten wir sie mit Füßen. Das Gesundheitssystem ist selber krank, denn es muss ums Verrecken Geld verdienen (Stichwort Fallpauschalen). Im kapitalistischen Sinne sprechen wir bei den zu Pflegenden von unproduktivem Humankapital. Was sie davor für die Allgemeinheit geleistet haben? Irrelevant. Jetzt sind sie jedenfalls ein Kostenposten, ebenso wie die Menschen, die ihnen den Katheder wechseln und die Schnabeltasse reichen.

Das reden uns seit Äonen Gesundheitsökonomen ein. Leute wie Karl Lauterbach, der "vor Corona" noch die Hälfte aller Kliniken als überflüssig deklarierte und dem nun der Aufbau von Intensivbetten nicht schnell genug vonstatten gehen kann. Ist das etwa eine demenz politicus? Hoffentlich ist die gut versichert. Wenn alles dem goldenen Kalb der Renditehörigkeit geopfert wird, dann sollten wir zur Abwechslung mal schleunigst dagegen einen Impfstoff entwickeln.