Der Sommer 2019 war sehr trocken. Überall herrschte hohe Waldbrandgefahr. Im Juli mussten die Feuerwehren im Grenzbereich der Landkreise Kulmbach und Bayreuth ständig ausrücken - und konnten Schlimmeres verhindern. Was die Rettungskräfte damals nicht wussten: Es wurde Feuer gelegt, ein Brandstifter war unterwegs.

Als es am 27. Juli im Oberlaitscher Wald bei Harsdorf brannte, nahm die Polizei einen Verdächtigen fest. Bei der Fahndung im näheren Umkreis wurden mehrere Streifenwagen eingesetzt. Einige Kilometer vom Brandort entfernt fiel Beamten der Polizeiinspektion Kulmbach verdächtiges Fahrzeug auf.

In Widersprüche verstrickt

Kurz darauf traf man auch den Besitzer an. Auf die Fragen der Polizisten verstrickte sich der 24-Jährige aus dem Landkreis Bayreuth immer mehr in Widersprüche und wurde auf die Dienststelle gebracht. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen.

Im Zuge der weiteren Ermittlungen wurde der Beschuldigte für vier weitere Taten verantwortlich gemacht: für den Waldbrand am 9. Juli zwischen Cottenbach und Theta (Landkreis Bayreuth), bei dem 300 Feuerwehrleute im Einsatz waren; für das Feuer am 23. Juli auf einem Acker mit Biogerste bei Bindlach; für den Waldbrand am 25. Juli bei Heinersreuth (Landkreis Bayreuth) und für das Feuer in einem Waldstück zwischen Neuenreuth und Thurnau.

Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen Brandstiftung in fünf Fällen. Zum Prozess vor dem Amtsgericht Bayreuth wurde der bislang nicht vorbestrafte Mann aus der U-Haft vorgeführt. In der Verhandlung stritt er eine Beteiligung an den Bränden in Theta und Heinersreuth ab. Für die anderen drei übernehme er die Verantwortung, wie sein Verteidiger Karsten Schieseck, Bayreuth, mitteilte.

Angeklagter hatte Liebeskummer

Der Rechtsanwalt sagte, dass Feuer eine große Anziehungskraft auf seinen Mandanten ausübe. Er habe sich Feuerwehreinsätze oder Johannisfeuer immer gerne angesehen. Dass der 24-Jährige im Juli selbst gezündelt habe, erklärte Schieseck mit Liebeskummer.

Auch der Sachbearbeiter der Kripo bestätigte gestern: "Feuer hat den Angeklagten immer fasziniert. Er wollte zur Feuerwehr, wurde aber nicht genommen." Der Mann habe bei der Polizei ausgesagt, "dass er gezündelt hat".

Keine Augenzeugen

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung und des Autos sei aber kein Brandbeschleuniger oder sonst etwas Auffälliges gefunden worden, so der Ermittler, sondern nur ein Feuerzeug. Es gebe keinen Zeugen, der den 24-Jährigen am Tatort gesehen hat. Auch mit der Auswertung des Mobiltelefons sei man nicht weitergekommen, da der Angeklagte ein altes Klapphandy benutzte. "Eine dünne Beweislage", meinte Richter Daniel Götz.

Deshalb regte der Vorsitzende an, das Verfahren auf die Taten in Bindlach, Neuenreuth und Oberlaitsch zu beschränken. Genauso sah es Staatsanwalt Eik Launert und plädierte auf eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten wegen Brandstiftung in drei Fällen. Er rechnete dem Angeklagten sein Geständnis an. Dass es aber damals "nicht ausartete", sei allein dem Zufall und dem Einsatz der Feuerwehrleute zu verdanken. "Und warum das alles", fragte der Staatsanwalt. "Weil er frustriert war, als ihn seine Freundin verlassen hat."

"Er möchte, dass ihm geholfen wird"

Nach Ansicht des Verteidigers liegen besondere Umstände vor für die Verhängung einer Freiheitsstrafe unter zwei Jahren und eine Strafaussetzung zur Bewährung. Denn ohne das Geständnis hätte man dem Mann wohl nur eine Tat nachweisen können. Außerdem seien die Weichen gestellt, um ihn in Krisensituationen künftig aufzufangen. Ihm werde ein Berufsbetreuer zur Seite gestellt, und er werde an einer Psychotherapie teilnehmen. Schieseck: "Er möchte, dass ihm geholfen wird, damit er nicht mehr zündelt."

Das Schöffengericht folgte der Argumentation der Verteidigung und verhängte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Sie wird aufgrund einer günstigen Sozialprognose auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss der Mann gemeinnützige Arbeit verrichten: 200 Stunden.

"Nicht nachvollziehbar

Götz zufolge ist das Motiv, "dass man es gerne brennen sieht, nicht nachvollziehbar". Bei den zwei Waldbränden handle es sich um minder schwere Fälle, da kein nennenswerter Schaden entstanden ist. Anders bei der Tat in Bindlach, wo 1,5 Hektar Getreide im Wert von 4000 Euro vernichtet wurden.

Der Haftbefehl wurde aufgehoben. "Sie sind hiermit auf freiem Fuß", sagte der Richter zum Angeklagten. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Denn der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab, ob auf Rechtsmittel verzichtet wird.