Eichenprozessionsspinner sind im gesamten Landkreis eine Plage. Nahezu alle Kommunen müssen viel Geld für die Bekämpfung der haarigen Raupen ausgeben.
Die kleine Straße Richtung "Gelbe Weiden" in der Herlas ist eigentlich ein Kleinod: Man fährt wie durch eine Allee aus Laub - am Ende kommt man auf eine herrliche Wiese: idyllisch. Einziges Problem: die Eichen sind mit Eichenprozesisonsspinnern befallen. "Halten Sie sich nicht unter den Baumkronen auf. Halten Sie auch Hunde von den Bäumen fern. Fassen Sie keine Raupen und Nester an", steht auf auffälligen Hinweisschildern.
Dasselbe Bild bietet sich Erholungssuchenden in Melkendorf. Auch dort ist immer noch Eichenprozessionsspinneralarm. "Wir haben die Raupen auf den Bäumen, die direkt an das Behindertenwohnheim angrenzen, abgesammelt. Auch die Bäume beim Umweltamt haben wir von den Raupen gesäubert", erklärt Stadtförsterin Carmen Hombach auf Nachfrage. Trotzdem warnen die Hinweisschilder vor den haarigen Raupen. Denn die Brennhaare, auch die, die irgendwo an den Bäumen oder im Gras geblieben sind, bleiben fünf Jahre allergieauslösend. "Wir sind natürlich aufmerksam und behalten die Situation im Blick. Aber bisher ist noch nichts passiert und unsere Bewohner hatten auch noch keinerlei Beschwerden", sagt Christopher Kairies vom Behindertenwohnheim.
"Wir müssen jetzt noch Nester in der Bergstraße entfernen", schildert die Stadtförsterin das Problem. Schon 10 000 Euro hat die Stadt
Kulmbach - nur in diesem Jahr - für die Beseitigung der hochgradig allergieauslösenden Raupen ausgegeben, obwohl die Bauhofmitarbeiter ihr Möglichstes getan haben, obwohl viele Nester selbst entsorgt worden sind. Im nächsten Jahr setzt die Stadt auf das Biozid Neem Protect, das ist ein Pflanzenextrakt aus dem Neembaum. Dieses Extrakt soll mit einer Verwirbelungsspritze (40 000 Euro teuer) vernebelt werden. "Allerdings haben wir nur ein sehr geringes Zeitfenster, deshalb stelle ich schon jetzt einen Plan auf, wo wann gespritzt werden soll. Wir werden das mit drei Trupps machen - innerhalb von zwei bis drei Wochen müssen wir durch sein", erklärt die Stadtförsterin. Hombach hofft, dass es der Stadt Kulmbach gelingt, die gesamte Population einzudämmen.
Zur Zeit sind die Prozessionen Tausender haariger Raupen vorüber, längst sind die Raupen zu unscheinbaren Schmetterlingen geworden. Doch jetzt ist die Zeit, in der die Grundlage für die nächste Raupenpopulation gelegt wird. "Jeder weibliche Schmetterling legt 150 bis 200 Eier", erklärt Hombach. Sie weiß, dass das Problem nächstes Jahr sicher noch größer werden wird.
550-Höhenmeter-Marke
Nicht nur die Stadt, sondern nahezu alle Kommunen im Landkreis kämpfen mit den haarigen Raupen. "Nach unserem Kenntnisstand sind alle Gemeinden betroffen, die unterhalb der 550-Meter-Höhenmarke liegen. Eichen im Bestand werden wenig befallen, mehr die einzeln stehende Bäume an sonnigen Plätzen", erklärt Kreisfachberater Friedhelm Haun.
"Wir haben in diesem Jahr 15 000 bis 20 000 Euro für die Bekämpfung ausgegeben, aber das wird von Jahr zu Jahr mehr. In Belgien gibt es schon Gemeinde, die brauchen jährlich 60 000 Euro für die Bekämpfung", erklärt Rainer Schimpf, Verwaltungsleiter in Neudrossenfeld. Diese Aufgabe überfordere die Kommunen, "das muss gemeinsam angepackt werden", so Schimpf. Auch im Gemeinderat in Neudrossenfeld waren die Kosten bereits ein Thema. Doch rechtlich sind die Kommunen oder die privaten Grundstückseigentümer verantwortlich. Der Landkreis greift nur in die Tasche, wenn landkreiseigene Grundstücke betroffen sind. "Bei uns beliefen sich die Investitionen auf einige Tausend Euro, aber natürlich wäre eine gemeinsame Bekämpfung sinnvoll", sagt der Thurnauer Bürgermeister Martin Bernreuther. "Wir können die Raupen nur an öffentlichen Wegen, Plätzen und Wegen bekämpfen. Wir hatten einen Baum dabei, an dem waren 36 Nester", klagt Bernreuther.
Ein noch aggressiverer Spinner
Doch die Eichenprozessionsspinner sind erst der Anfang. Schon jetzt gibt es vereinzelt in Deutschland den noch aggressiveren Kiefernprozessionsspinner. "In Brandenburg soll der Kiefernprozessionsspinner schon vorkommen - und die Brennhaare sollen noch viel aggressiver als beim Eichenprozessionsspinner sein", weiß Stadtförsterin Carmen Hombach. Außerdem gibt es noch den Pinienprozessionsspinner, der auch Fichten und Föhren befallen kann: Er ist derzeit aber erst bis Italien verbreitet, in Bayern sind aktuell keine Vorkommen gemeldet: noch. Denn die warme Witterung und der nicht mehr aufzuhaltende Klimawandel begünstigen die Ausbreitung der Spinnerpopulationen.
Das sagt das Landratsamt zur geforderten "Task Force"m Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner fordern die Kommunen eine übergeordnete Koordinierung. Wie ist es um die geforderte "Task Force" jetzt bestellt?
Aus dem Kulmbacher Landratsamt gibt es dazu folgende Stellungnahme: "Gemäß eines gemeinsamen Schreibens der Bayerischen Staatsministerien des Innern, für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz sowie für Landwirtschaft und Forsten aus dem Jahr 2008 sollen die Kommunen Beratungs- und Koordinierungsstellen einrichten. Die Bezirksregierungen sollen die Planung und Koordinierung der Aufklärung und Beratung (einschließlich von Bekämpfungsmaßnahmen) übernehmen und bezirksübergreifend abstimmen." Das bedeute, dass Fachbehörden im Landratsamt Kulmbach, insbesondere der Kreisfachberater für Gartenbau und Landschaftspflege, die Untere Naturschutzbehörde sowie das Staatliche Gesundheitsamt die Kommunen unterstützen und beraten.
Sammelstelle eingerichtet
Der Landkreis Kulmbach hat eine Sammelstelle eingerichtet, um eine unkomplizierte, schadlose und kostengünstige Entsorgungsmöglichkeit zu gewähren, sagt Abfallberater Detlef Zenk. Unbürokratisch und kostenlos nimmt die Firma Trapper in der Lichtenfelser Straße 67 den Gift-Müll entgegen. Die Nester müssen allerdings sorgfältig und doppelt verpackt in reißfesten Säcken angeliefert werden.
"Die herkömmliche Entsorgung in der Mülltonne ist nicht zu empfehlen. In der Müllpresse platzen die Säcke auf und die gesundheitsgefährdenden Härchen verteilen sich überall", warnt Zenk. "Aufgrund der Aktualität und seiner Bedeutung wird dieses Thema im Herbst sicherlich bei einer Bürgermeister-Dienstbesprechung aufbereitet und besprochen und in den zuständigen Kreisgremien beraten werden", heißt es aus dem Landratsamt.