In Ludwigschorgast hat sich ein Storchenpaar niedergelassen - zur Freude der Einwohner.
Die Storchenpopulation in der Region wächst ständig. Das hat sich schon im vergangenen Jahr gezeigt. Allein neun Horste waren im Landkreis Kulmbach von Brutpaaren besetzt, darunter mit Kulmbach-Blaich, Mainleus und Untersteinach drei komplett neue Standorte. Jetzt kommt noch ein weiterer in Ludwigschorgast hinzu.
Ein Weißstorchenpaar hat vor einigen Tagen auf dem stillgelegten Schornstein der ehemaligen Bäckerei Bezold mit dem Bau eines Nestes begonnen. Und das ganz ohne Nisthilfe. Ja, wer konnte denn diese Überraschung ahnen?
Nick Bezold ist happy. "Ein Storchennest auf unserem Schlot? Das kann doch nicht wahr sein", strahlt er. Tagtäglich beobachtet der Zwölfjährige mit großem Interesse die schwarz-weißen Langbeiner. Am liebsten verfolgt er das Treiben der imposanten Vögel vom Dachfenster aus ohne sie zu stören. Mittlerweile kennt der Junge die Verhaltensweisen der Tiere genau.
Der Nestbau ist Gemeinschaftswerk
So bauen die Störche ihr Nest gemeinsam. Zur Materialsuche geht der Abflug in Richtung Sportplatz oder Erlenmühle. Zur Landung fliegen die Adebare mit ihren langen Schwingen den Horst stets von unten an. Auch das Fortpflanzungsritual, das begleitet ist von lautem Schnabelgeklapper, ist ihm nicht entgangen. Geklappert wird übrigens zu den verschiedensten Anlässen. "Einer von beiden trägt einen Ring am rechten Bein", sagt Nick. Dadurch ließ sich auch seine Identität klären. Es handelt sich um den Storchenmann, der zwei Jahre alt ist und in der Vogelwarte Radolfzell am Bodensee beringt wurde.
Namen für seine Lieblinge hat sich der Zwölfjährige auch schon ausgedacht: Das Männchen heißt John und seine Partnerin Lisa. Jetzt wartet er nur noch auf den tierischen Nachwuchs.
Nicks Eltern freuen sich ebenso, dass das Storchenpaar ihren Schornstein als Domizil für sich entdeckt hat. Natürlich fällt einiges an Dreck an. Aber Vater Thomas sieht das gelassen."Das ist halt so. Wir nehmen das in Kauf", meint er. Ohnehin ist das Storchenpaar derzeit im Dorf die Attraktion.
Wenn beispielsweise Nachbar Jürgen Beyer vor die Haustür tritt, dann ist sein Blick zum Horst die automatische Reaktion. "Storchennester hat es schon früher im Ort gegeben. Aber das ist schon über 50 Jahre her", erinnert sich der 69-Jährige.
Der Storch als Glücksbringer
Für Margitta Meiwald gilt der Storch als Glücksbringer. "Ich bin hellauf begeistert, dass er sich auch in unserem Dorf angesiedelt hat. Für mich ist ein Wunsch in Erfüllung gegangen." Die Ludwigschorgasterin ist ein echter Storchenfan. Deshalb wollte sie mit eigenen Ideen bereits im vergangenen Jahr in dieser Richtung etwas in der Gemeinde bewegen. Leider hat es nicht geklappt. Zum Glück hat sich das Thema nunmehr von alleine erledigt.
Storchenliebe
Die Naturliebhaberin erzählt von ihren Eindrücken im mittelfränkischen Uehlfeld, das Storchen-Mekka Bayerns. "Werden ihnen die Störche nicht zuviel?", fragte sie Gemeindevertreter. "Nein, wir lieben unsere Störche. Wenn sie nicht da wären, würde uns was fehlen", so ihre Antwort. Erich Schiffelholz von der Kulmbacher Kreisgruppe des Landesbundes für Vogelschutz freut sich, dass Störche auch in Ludwigschorgast ein Zuhause gefunden haben. Ob noch eine Nestplattform als Nisthilfe notwendig ist, wird sich zeigen. "Wir müssen die Entwicklung erst einmal abwarten", so der Experte.