Acht Künstler haben Figuren gefertigt - mit ganz unterschiedlichen Intentionen. Sarah Martin, Veranstaltungskauffrau, und Kristina Köhler, die bei einem Institut für Kulturforschung in Berlin tätig ist, haben zwei ausgediente Sexpuppen mit Pappmaché überzogen und die Installation "Zucker in Arsch" daraus gebastelt.

Das Thema birgt gesellschaftskritisches Potenzial in sich. "Wir leben in einer absoluten Überflussgesellschaft, und die Kinder werden immer mehr und mehr verwöhnt. Es werden immer mehr, die permanent Zucker in den Arsch geblasen kriegen", erklärt Sarah Martin die progressive Idee.

Auch die Elbersreuther Künstlerin Edina Thern möchte zum Nachdenken anregen: Sie hat eine Schaufensterpuppe mit Filmdöschen bekleidet und ihr Werk "Eitelkeit" genannt. Kein Zufall, denn schließlich wird durch Fotos doch die Eitelkeit gefördert.
"Eitelkeit macht unnahbar, auch gegenüber den Belangen anderer Menschen", erklärt Edina Thern den Hintersinn. Ihr Werk hängt an der Stadtmauer und zieht die Blicke auf sich.

Als Krönung hat Edina Thern noch eine Performance zum Thema Eitelkeit vorbereitet. Frauen aus dem Publikum hüllten sich in Plisee-Fächer und liefen vor der Stadtmauer auf und ab.

Der älteste Künstler war Karlheinz Konopka mit 74 Jahren. Er hat das Kunstwerk "Haarnudel" angefertigt. "Eine Nudel ist ja eine etwas seltsame Frau, und eine Haarnudel ist eben eine, die nur Wert auf ihre Haare legt", erklärte Konopka und gab offen zu, dass es gar nicht so einfach war, die Figur zu fertigen.

Durch die Verhüllung wurde die Frisur beschädigt. "Ich verklag euch auf 30 000 Euro Schadensersatz", unkte Konopka und richtete mit Kleber die Frisur aus Schafwolle wieder hin. Mit dem Hinweis: Jegliche Nachahmung ist verboten.

Sponge Bob auch dabei

Die Jüngsten, die beim Puppenwettbewerb mitmachten, waren Max (6) und Niels (11) Pajonk. Die beiden haben ihre Lieblings-Comic-Figur "Sponge Bob" aus Bayerischen-Rundschau-Zeitungen mit Pappmaché nachgeformt. "Aber das hat so lange gedauert bis alles getrocknet ist", erklärt Niels und verrät, dass deshalb die Nase noch fehlt. "Aber die machen wir noch hin. In den nächsten Tagen", sagt Niels Pajonk und freut sich über den Schwammkopf, den vor allem das jüngere Publikum liebt.

Die Puppen sind so unterschiedlich wie die Mentalitäten der Künstler. Hermanita Espig lässt mit ihrer Puppe die Schmetterlinge in den Frankenfarben rot-weiß tanzen. Sogar im Kopf blinkt ein Schmetterling - in Solartechnik. Und ihr Kunstwerk hat keinerlei Gesellschaftskritik, sondern ist einfach nur schön.

Alwin und Karin Geyer haben mit Gästen des Ferienhofes "Dobi" gearbeitet und einen Radfahrer geschaffen, der mit Schübel-Bier gedopt ist, erklären die Ferienhof-Inhaber. Und Dobi sitzt natürlich auf Alwin Geyers ausgedientem Rad.

Die Schüler des Caspar-Vischer-Gymnasiums haben eine ihrer Figuren zur Verfügung gestellt, die bereits in der Kulmbacher Innenstadt für Furore gesorgt haben. "Beim Aufstellen hat sich schon jemand aufgeregt", erzählte Wolfgang Martin. Denn die Figur liegt hilflos auf dem Gesicht.

Und auch Lehrbienenwart Heinrich Witzgall hat mitgemacht. Er hat sich von seiner Leidenschaft, der Imkerei, inspirieren lassen. Der Nikolaus und ein Schlitten, ein Rentier und Christbaumkugeln im Fischernetz sind in sein Werk integriert. Witzgall hat sogar einen Bienenstock samt Bienenvolk vor die Stadtmauer gestellt. Berührung verboten. "Zehn Stunden haben ich mindestens daran gearbeitet", sagt er und erklärte bei der Vernissage, wie Imker einst gearbeitet haben und wie sie heute arbeiten.

Die Kunstwerke können noch bis 14. September an der Stadtmauer in Stadtsteinach besichtigt werden. In dieser Zeit kürt die Jury auch die Siegerpuppen.