Unmittelbar vor dem Bahnhof entsteht ein ehrgeiziges Projekt mit dem geheimnisvollen Namen "LeGePo - Ständig Bodenständig". Doch viele Neuenmarkter wissen längst, was sich dahinter verbirgt: Vertriebsmanager Michael Lerner (43) und DB-Objektmanager Alexander Geyer (29) wollen das alte Postamt aus dem Dornröschenschlaf wecken. Die beiden kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit als Fußballer des FC Neuenmarkt, haben die unter Denkmalschutz stehende Immobilie vor wenigen Monaten gekauft und wollen ihr neues Leben einhauchen.

Im Gespräch mit der BR erklärten die beiden "bodenständigen Hegnabrunner", was sie mit dem stolzen Sandsteinbau aus dem Jahr 1855 vorhaben. Auf die Idee, die alte Post zu erwerben, kamen Lerner und Geyer nach einer lustigen Bierrunde vor neun Monaten. "Wir wollten gemeinsam etwas kaufen, um daraus etwas zu machen. Das hat sich dann mit der Post perfekt ergeben", so Geyer. Gemeinsam habe man die Immobilie begutachtet - und dann ging alles "recht fix". Auch über den Kaufpreis sei man sich schnell einig geworden. "Aber dann begann das ganze Drama."

Gegenseitig gepusht

Die Kauf-Abwicklung mit der Gesellschaft, die sämtliche ehemaligen Postgebäude in der Bundesrepublik verwaltet, zog sich Geyer zufolge über mehrere Monate hin. "Aber wir haben nicht aufgegeben und uns da gegenseitig ein wenig gepusht." Nach langem Hin und Her sei es dann am 9. Februar doch noch zur Unterzeichnung eines notariellen Kaufvertrags gekommen, die offizielle Schlüsselübergabe sei erst vor wenigen Tagen erfolgt. Alexander Geyer rückblickend: "Es ist alles nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt hatten, aber jetzt ist alles in trockenen Tüchern."

Wie die künftige Nutzung ausschauen soll, war den beiden Hausbesitzern schon lange vorher klar. Michael Lerner: "Es war alles durchdacht. Wir konnten die Arbeiten gut angehen, weil bis auf das Dachgeschoss alle Mieter bereits feststanden."

Während in die knapp 120 Quadratmeter große Wohnung im erste Stock am 1. Juli eine junge Familie mit zwei Kindern aus einer benachbarten Gemeinde einziehen wird, möchte im früheren Postamt im Erdgeschoss das Ladencafé "Glücksschiene" demnächst seine Pforten öffnen. Hier will Silvia Hereth, eine ausgebildete Erzieherin, ihren Lebenstraum verwirklichen. "Micha und Alex haben mich in einer Phase erwischt, in der ich mich beruflich verändert wollte. Im Endeffekt ist es ein lang gehegter Traum, ein eigenes Café zu führen", sagt sie. Und Michael Lerner ergänzt: "Wir wollen was Bodenständiges und Langfristiges."

Öffnen will Hereth ihr Ladencafé mit Kaffeespezialitäten im Sommer jeweils von Donnerstag bis Sonntag. "Am Donnerstag und Freitag gibt es süße und herzhafte Kleinigkeiten sowie natürlich Heiß- und Kaltgetränke, am Wochenende zusätzlich selbst gebackene Kuchen und Torten." Die frühere erfolgreiche Fußballerin legt viel Wert auf Nachhaltigkeit. Sie will weitgehend auf Plastik verzichten und nur hochwertige Lebensmittel und handgemachte Dekoartikel anbieten.

Für Reisende und Museumsgäste

Aufgrund der Corona-Situation ist der genaue Zeitpunkt für den Start in die Selbstständigkeit noch ungewiss. "Mit der ,Glücksschiene' will ich den Bereich um den Bahnhof beleben, das Angebot für Bahnreisende und Museumsgäste erweitern und auch einen sozialen Treffpunkt für alle Altersgruppen schaffen."

Mit dem Unternehmen Kraus & Kolb wurde auch ein Mieter für die früheren Garagen und Büroräume im Anbau gefunden. Und auch hier zieht mit dem Geschäftsführer Michael Kraus ein Fußballbegeisterter ein. Das Unternehmen für Betonsägen, Betonbohren und Abbrucharbeiten war bislang auf dem Gelände der früheren Firma Baumüller und später Greiffenberger in Hegnabrunn eingemietet. Offen ist derzeit nur die Vermietung des Dachgeschosses. Hier soll eine großräumige Wohnung mit Blick auf das Gelände des Deutschen Dampflokomotiv-Museums entstehen.

Bürgermeister Alexander Wunderlich (CSU) war von Anfang sehr eng in die Pläne eingebunden: "Ich habe mich riesig gefreut, als mir die beiden Neuenmarkter Bürger zu verstehen gaben, dass sie an einem Kauf und auch an einer neuen Nutzung des Postgebäudes Interesse haben. Sie legten mir dabei ein fast fertiges Konzept auf den Tisch, das mich überzeugt hat." Das Projekt sei kein Schnellschuss, sondern wohl überlegt, auch was das Ladencafé angeht. Damit werde erneut ein Leerstand in der Gemeinde beseitigt, und das ohne große Investoren.