In der Heimat ist's am schönsten
Autor: Redaktion
Kulmbach, Dienstag, 18. Juli 2017
Mancherorts erblüht schon im zarten Kindesalter die vehemente Ablehnung gegen alles, was im eigenen Leben nicht unbedingt auf Liebe stößt.
Etwa zu beobachten, wenn täglich derbe Fast-Prügeleien durch Sätze wie " CVG ist gleich chemisch verseuchtes Gebiet" und "Alter, Du MGF-Streber, geh lieber Trompete spielen", provoziert werden, die sich Angehörige der bis aufs Blut verfeindeten beiden gymnasialen Einrichtungen beim Aufeinandertreffen in der Kulmbacher Fußgängerzone, der Mitte zwischen den klar abgegrenzten Territorien, an den Kopf knallen.
Damit ist es hier aber mit erbitterten Kleinkriegen noch lange nicht getan: In einer selbst ernannten heimlichen Hauptstadt des Bieres, in der die unbedarfte Frage eines unwissenden Touristen nach einer anderen Sorte als einer "Mönchshof- Bräu"- Flasche gleich Hochverrat bedeutet, bemüht man sich nicht gerade augenscheinlich um eine Annäherung entgegengestellter Ansichten oder gar der Toleranz vielfältiger Möglichkeiten.
In manchen Extremfällen genügt allein schon die Tatsache, in einer rivalisierenden Stadt nur zu wohnen, um als gesamter Mensch ausnahmslos von allen Einwohnern abgestempelt zu werden (O-Ton Bayreuther beim Einparkversuch eines Hofers: "Geh zurück in dei bschissenes Zonenkaff, da konnst so einbarken, aber ned hier!").
So viele Auseinandersetzungen, Konflikte und Kleinkriege in jedem Alltag rund um den Globus auch vorkommen mögen - beim Aufeinandertreffen unverwüstlicher Weltansichten auf ebenso starrköpfige Gegenrede, ganz gleich zu welchem Thema, kann sich Franken wohl rühmen, unter den Spitzenreitern zu sein. Franziska Sittig