Himmelkroner Schwimmbadbau wäre heute undenkbar
Autor: Werner Reißaus
Himmelkron, Freitag, 26. August 2016
Vor 50 Jahren baute der TSV Himmelkron ein Schwimmbad. Erster "Bademeister" war der erst 15-jährige Herbert Mädl.
Ein Doppeljubiläum feiert die Himmelkroner Wasserwacht an diesem Wochenende. Sie selbst wurde vor 50 Jahren gegründet, und auch das Freibad im Ort gibt es seit einem halben Jahrhundert.
Zu den Gründern der Himmelkroner Wasserwacht zählt auch der Kulmbacher Oberarzt Herbert Mädl, der mit seinem Heimatort nach wie vor sehr eng verbunden ist. Der TSV habe damals das zunächst vereinseigene Schwimmbad gebaut. "Das war schon außergewöhnlich und wäre heutzutage undenkbar." 1975 habe dann die Gemeinde das Freibad übernommen, nachdem der Sportverein den finanziellen Aufwand nicht mehr schultern konnte.
Mit Schaufel und Pickel
Mädl erinnert sich noch gut an den Beginn der Bauarbeiten: "Wir haben als Jugendliche mit Schaufel, Pickel und Schubkarre den Erdaushub erledigt. Die Mitglieder haben ehrenamtlich Hand- und Spanndienste geleistet. 1#googleAds#100x100 Es waren bestimmt 100 TSV-Mitglieder, die abwechselnd auf der Baustelle waren. Das Freibad stand dann auch innerhalb von einem Jahr ."
Im Verein selbst habe es damals keine großen Debatten gegeben, im Dorf aber sehr wohl. "Da hieß schon: ,Jetzt spinnen sie total'" , so Mädl. Gerade die Jugendlichen hätten sich ein Schwimmbad gewünscht. Der damalige Vorsitzende und Bürgermeister Andi Krainhöfner habe das Projekt dann eingefädelt. Natürlich habe der Verein Fördergelder vom Bayerischen Landessportverband bekommen, für den TSV sei der Bau aber dennoch eine Herkulesaufgabe gewesen.
Karlheinz Völkel, der seit 31 Jahren die Wasserwacht-Ortgruppe Himmelkron leitet, war damals ein kleiner "Bimpf", wie er selbst sagt. Aber er weiß noch, dass auch sein Vater Albin als Vereinsmitglied regelmäßig auf der Baustelle zu finden war.
Turnerjugend wurde zwangsverpflichtet
Mit dem Bau des Schwimmbads allein war es aber nicht getan, denn für den Badebetrieb war auch eine Aufsicht notwendig. " Man hat kurz und entschlossen entschieden, dass die Turnerjugend des TSV die Wasserwacht übernehmen muss", schmunzelt Herbert Mädl. "Wir sind zu dieser Arbeit mehr oder weniger verdonnert worden. Aber wir waren auch begeistert von der Aufgabe, auch weil wir mit 15, 16 Jahren plötzlich eine gewisse Autorität hatten."
Große Unterstützung habe man in den Anfangsjahren von der Wasserwacht-Ortsgruppe Kulmbach erhalten. "Sie war quasi unser Geburtshelfer." Vor allem Gerhard Spindler habe den Himmelkroner zu Seite gestanden. " Solange wir noch in der Ausbildung waren, kam er sogar am Samstag und Sonntag. In der zweiten Saison erhielten wir das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen. Damit konnten wir dann selber tätig werden", so Mädl.
30 Gründungsmitglieder
Bei der Gründung vor 50 Jahren schlossen sich immerhin 30 Personen, darunter auch viele Jugendliche, der Wasserwacht an. Vorsitzender Karlheinz Völkel erinnert sich: "Die Gründungsmitglieder waren natürlich nicht nur Aktive, die Badedienst verrichteten. Das waren anfangs nur zehn Leute."
Wenn man so will, war. Herbert Mädl nach seinem Abitur 1970 am MGF in Kulmbach der erste offizielle Bademeister im Himmelkroner Freibad. "Ich habe zwölf Stunden am Tag Aufsicht am Beckenrand gemacht und Eintritt kassieren. Der Bademeister hat damals alles gemacht: gekehrt, geputzt, die Technik bedient."
Zum Medizinstudium verließ der junge Herbert Mädl dann die Wasserwacht, der er aber bis zum heutigen Tag verbunden geblieben ist. "Er war immer der Arzt der Ortsgruppe und auch im Vorstand tätig. Wir haben als eine der ersten Ortsgruppen einen Defibrillator nach Himmelkron geholt, da half Herbert als Fachmann bei der Einweisung", berichtet Vorsitzender Karlheinz Völkel.
Als der Beamte der Kriminalpolizei 1985 im Alter von 27 Jahren die Ortsgruppe übernahm, lag sie ziemlich am Boden. Er sorgte dafür, dass wieder mehr jüngere Mitglieder den Weg zur Wasserwacht fanden. "Es ist schon besonders anerkennenswert, wenn einer über so einen langen Zeitraum die Ortgruppe auf der Höhe hält", lobt Herbert Mädl den Leiter.
Heute auch im Winter aktiv
Völkel verrät ein Rezept für seine erfolgreiche Arbeit: "Wenn früher das Schwimmbad die Tore geschlossen hat, dann hat auch die Wasserwacht pausiert.
Jetzt bieten wir auch ein Winterprogramm mit dem Besuch von Hallen- und Erlebnisbädern oder Ausbildungen an."Eine Besonderheit hat die Wasserwacht Himmelkron mit derzeit 20 Aktiven noch: Sie ist auch als Rot-Kreuz-Bereitschaft bei Großveranstaltungen im gesamten Gemeindebereich tätig und sogar darüber hinaus. Denn auch bei den Vorstellungen auf der Naturbühne Trebgast ist man dankbar für die Unterstützung aus dem Nachbarort.