Wie ist es strafrechtlich zu bewerten, wenn ein 29-jähriger Mann seine 31-jährige Freundin über Jahre hinweg schlägt. Mit dieser Frage hatte sich gestern Richterin Sieglinde Tettmann am Kulmbacher Amtsgericht auseinander zu setzen. Das Urteil lautete schließlich: Neun Monate Freiheitsstrafe mit Bewährung.

Der erste Verhandlungstermin war 2012 bereits einmal geplatzt. Die Geschädigte hatte das Gerichtsgebäude fluchtartig verlassen und konnte nicht vernommen werden. Inzwischen ist das Pärchen wieder zusammen und geschickterweise sogar verlobt. Der Angeklagte machte auf anraten seines Verteidigers Andreas Piel keine Angaben zur Sache. Und auch die Neuverlobte machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Trotz des kurzen Auftritts gelang es der Geschädigten nicht zu verbergen, dass sie deutlich unter Alkoholeinfluss stand.
So war eine umfangreiche Beweisaufnahme mit insgesamt neun Zeugen erforderlich.

Staatsanwalt Michael Hoffmann brauchte schon etwas länger, um die neun Anklagepunkte zu verlesen. Dabei handelte es sich um acht Körperverletzungen und eine Beleidigung per "Facebook". Über einen Zeitraum von zwei Jahren hat demnach der Angeklagte seine damalige Freundin und jetzige Verlobte in der gemeinsamen Wohnung geschlagen. Die Zeugenaussagen vermittelten übereinstimmend den Eindruck, dass dort täglich Alkohol getrunken wurde, dann kam es zum Streit und schließlich flogen die Fäuste. Falls, wie in einem Fall, die Freundin nicht zu schwer verletzt war, wurde anschließend weiter "gesoffen".

Der krasseste Fall der Körperverletzung ereignete sich am 2. Juli 2009. Der arbeitslose Mann schlug seiner Partnerin mit der Faust so ins Gesicht, dass sie wegen eines Nasenbeinbruchs und diverser anderer Gesichtsverletzungen fünf Tage im Klinikum behandelt werden musste.

Staatsanwalt Michael Hoffmann forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, außerdem 200 Arbeitsstunden. Über die neun Monate auf Bewährung konnte sich der Angeklagte nicht beschweren. Außerdem darf er 200 Arbeitsstunden ableisten und bekommt einen Bewährungshelfer zur Seite gestellt.