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Heinersreuth hat keine Angst vor Blackout - Ort versorgt sich dank Holzgas selbst


Autor: Isabel Schaffner

Heinersreuth, Donnerstag, 08. Dezember 2022

Die Einwohnerschaft von Heinersreuth im Landkreis Kulmbach steht in Zeiten explodierender Energiekosten vergleichsweise gut da. Mit Holz aus dem Frankenwald entsteht Strom und Wärme - und das laut Initiator nachhaltig und günstig.
Dank eines Lkw-Motors entsteht durch Holzgas in Heinersreuth Strom und Wärme.


  • Heinersreuth: Gemeinde im Kreis Kulmbach erzeugt Strom und Wärme selbst 
  • Holz aus dem Frankenwald füttert Holzvergaser
  • "Dankbar, dass ich der Umwelt diene": keine Feinstaubbelastung laut Erbauer
  • Preise dank alternativer Energieversorgung geringer als üblich

Ludwig Freiherr von Lerchenfeld ist Waldbesitzer im Frankenwald und Erbauer einer alternativen Energieversorgung in der Gemeinde Heinersreuth im Landkreis Kulmbach. Seit etwa zehn Jahren werde die Strom- und Wärmeerzeugung durch Holzhackschnitzel angewandt - diese Methode sei besonders jetzt sehr willkommen. "Ich bin sehr dankbar, dass wir das, vor allem in einer Zeit wie heute, haben", sagt der Forstwirt im Interview mit News5.

Strom und Wärme dank Holz aus dem Wald - Heinersreuth profitiert von "deutlich geringeren" Preisen

Russisches Gas ist kein Thema für die Gemeinde Heinersreuth. Wie der in Bamberg geborene CSU-Politiker von Lerchenfeld erklärt, werde zunächst überwiegend Nadelholz im Wald gehäckselt. Hierbei handele es sich um unteres, faules Holz, das dem Wald sowieso entnommen werden müsse und "immer wieder" nachwachse

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Das Holz werde heruntergetrocknet und in einer Art Generator vergast. Das Gas gelange dann in einen Lkw-Motor, der angetrieben durch das Holzgas Strom und Wärme für Haus und Wasser erzeuge. "Wir sind immer autark bei der Nahwärmeversorgung", sagt von Lerchenfeld. In 20 Minuten generiere der Generator 22 Kilowatt. "Das ist doch toll", sagt er begeistert. Der Strom werde vorwiegend ins Netz eingespeist, aber könne bei Bedarf auch dem Ort vorenthalten werden. 

Fast der ganze Ort sei so versorgt, wenn auch nicht vollkommen energieautark, wie von Lerchenfeld einräumt. Wie es auf einem Schild heißt, entstehe dank des Holzvergasers und der Hackschnitzelheizung eine jährliche Heizölersparnis von 139.000 Litern, "Wir fahren damit am besten und günstigsten", lautet das Fazit des Initiators. Die Preise seien "deutlich geringer" als beim Heizen mit Öl, Kohle oder Gas.

Fränkischer Waldbesitzer denkt über eigene Wasserstoff-Erzeugung nach

Bei der Holzvergasung entstehe überdies lediglich Wasserdampf und damit keinerlei Feinstaubbelastung. "Ich bin dankbar, dass ich damit der Umwelt diene", fügt der Gegner fossiler Brennstoffe im Interview mit News5 hinzu. Von Lerchenfeld spricht sich dafür aus, größer zu denken: "Würde es der gesamte Landkreis umsetzen, könnte man eventuell Gas bundesweit von hier beziehen. Ich denke auch darüber nach, daraus Wasserstoff zu erzeugen."