Einmal parken, alles erledigen. So könnte er lauten, der Werbespruch für das "grüne Zentrum", das die bayerische Staatsregierung nach Informationen der Bayerischen Rundschau in Kulmbach plant. Wie die Pressestelle des Landwirtschaftsministeriums auf Anfrage mitteilte, wird das Thema am Dienstag, wenn das bayerische Kabinett seine Ministerratssitzung in Kulmbach hält, auf der Tagesordnung stehen.

Über 100 Arbeitsplätze könnte der neue Standort in der Innenstadt besitzen, wird Martin Schöffel (CSU), Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Kulmbach-Wunsiedel, im Online-Magazin der CSU-Fraktion des Bayerischen Landtags zitiert.

Im Gespräch mit der Bayerischen Rundschau skizziert er die Vorteile der "grünen Zentren", die das Landwirtschaftsministerium über den ganzen Freistaat verteilt gründet. "Die Standorte der Landwirtschaftsämter bleiben dadurch in der Fläche erhalten. Und das in neuen Räumen, mit guter Erreichbarkeit und vernetzt mit anderen Institutionen der Branche."


"In Kulmbach oder nirgends"

Die Bierstadt, so der Abgeordnete, sei für ein solches Zentrum prädestiniert. "Es macht nur in Kulmbach Sinn", meint Schöffel zu den Plänen, die schon seit einiger Zeit als Gedankenkonstrukt vorhanden sind, nun aber auf eine nächste Ebene gehievt werden sollen. Schöffel: "Innerhalb der nächsten fünf Jahre könnte das Zentrum kommen."

Eine Aussage, die die lokale Politik freut. "Im Grundsatz finde ich diese Überlegung gut, da sie Stadt und Region nutzt", sagt Landrat Klaus Peter Söllner (FW).

Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) erklärt: "Wir haben uns dafür in einigen Schreiben an die Regierung eingesetzt. Das wäre für die Innenstadt ein positiver Impuls." Wo könnte das Zentrum entstehen? Als ein Standort ist das Spinnerei-Areal neben dem "Fritz" im Gespräch, das in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs und des Busbahnhofs infrastrukturell gut erschlossen ist. "Wir haben das Areal angeboten, da wir dort, auch mit tatkräftiger Unterstützung der Staatsregierung, einige Gebäude umbauen konnten", so Schramm.


Einige Umzüge denkbar

Wer könnte in das "grüne Zentrum" einziehen? Vor allem kommen zwei Behörden infrage: das Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten (Alef) und das Kompetenzzentrum Ernährung (Kern). Die regionale Außenstelle des Landwirtschaftsministeriums hat aktuell ihren Sitz in der Kulmbacher Trendelstraße. Das Kompetenzzentrum ist in der Hofer Straße untergebracht. Martin Schöffel könnte sich bei beiden einen Umzug vorstellen. "In der Trendelvilla müsste in den nächsten Jahren viel hergerichtet werden. Und die Mitarbeiterzahl des Kern soll steigen, da wird es eng."

Doch nicht nur staatliche Behörden, sondern auch andere Akteure der Branche sollen in das neue Zentrum. "Vernetzung ist das Ziel", wünscht sich Schöffel, der sich etwa Büros des Bauernverbands, des Maschinenrings oder der Waldbesitzervereinigung vorstellen könnte.

Unklar ist indes, ob das neue Zentrum zu einer Verlagerung der beiden Alef-Außenstellen Kronach und Stadtsteinach nach Kulmbach führen würde. "Wenn das der Grund wäre, unsere Stelle zu schließen, würde ich das nicht gutheißen", sagt Stadtsteinachs Bürgermeister Roland Wolfrum (SPD). In Stadtsteinach ist die Außenstelle "Forsten" untergebracht. "Wir haben hier seit 150 Jahren perfekte Forststrukturen. Es muss möglich sein, diese Sonderstellung weiterhin zu erhalten."

Zur Seite springt ihm Martin Schöffel. "Ich habe gute Hoffnung, dass Stadtsteinach erhalten bleibt. Die Immobilie gehört dem Staat. Und Forst- und Ernährungsexperten haben nicht so viele Schnittmengen."
Das sieht auch Jürgen Baumgärtner, CSU-Landtagsabgeordneter für Kronach-Lichtenfels, so: "Förster gehören nicht in das Zentrum." Bezüglich der Außenstelle in Kronach besitzt der MdL eine feste Zusage der Regierung bis 2019, hofft aber, dass der Standort länger erhalten bleibt. "Als Kronacher Abgeordneter stelle ich mir schon die Frage, warum eine Verlagerung sein muss. Sie wäre kein starkes Signal für den Frankenwald."