Wenn im Juni die ersten Zitronenfalter flattern, freuen sich die Menschen auf den Sommer. Bei Forstleuten dürfte die Freude verhalten sein: Es ist die Zeit, in der auch die Borkenkäfer ausschwärmen. Dann ist im Wald Gefahr im Verzug.

Die kleinen Käfer nämlich haben das Zeug, in unseren Wäldern große Schäden anzurichten (siehe Infobox). Seit Jahren klagen Waldbesitzer über heftigen Käferbefall. Begünstigt wird der durch warme, trockene Sommer. Dann wachsen in einem einzigen Sommer mehrere Borkenkäfer-Generationen heran - die wiederum für Millionen von Nachkommen sorgen, die über die von der Trockenheit ohnehin geschädigten Fichten herfallen.

Die bayerischen Wälder haben drei ausgeprägte Käferjahre hinter sich. Zwar war der Sommer 2021 erfreulich durchwachsen. "Aber die Bäume erholen sich nicht so schnell", sagt Christoph Winkler, Leiter der Servicestelle des Forstbetriebs Nordhalben. Auch 2021 ist deshalb ein Käferjahr.

Besonders hart getroffen hat es die Wälder in Nordbayern. Von einem regelrechten Hotspot sprechen die Experten. Was in einem solchen Fall zu tun ist, ist allgemeiner Konsens bei den Forstleuten: Die befallenen Bäume müssen raus aus dem Wald.

Allein: Aus eigener Kraft war das im Forstbetrieb Nordhalben, in dessen Zuständigkeit unter anderem der Staatswald in den Landkreisen Kulmbach und Kronach gehört, nicht mehr zu schaffen. Ebenso wie im Forstbetrieb Rothenkirchen hat man sich deshalb Unterstützung aus anderen bayerischen Regionen geholt. Mehr als doppelt so viele Menschen wie sonst sind seit Wochen in den heimischen Wäldern damit beschäftigt, Fichten, die vom Borkenkäfer befallen sind, zu markieren, zu fällen und das Holz zügig aus dem Wald zu transportieren, um eine weitere Ausbreitung des Schädlings zu verhindern.

Dazu sind die Mitarbeiter in verschiedenen Gruppen unterwegs. Zunächst werden befallene Bäume gesucht und markiert. Die lange üblichen Spraydosen mit Farbe kommen dabei nur noch in Ausnahmefällen zum Einsatz. Die Markierung erfolgt vielmehr über eine App, die allen Nutzern nicht nur den Standort der "Käferbäume" anzeigt, sondern auch das Gelände in der Umgebung und den Weg dorthin. Wenn ein befallener Baum dann gefällt ist, ist das ebenfalls in der App ersichtlich - und letztlich zeigt der Bildschirm auf dem Smartphone auch an, wenn das Holz aus dem Wald gebracht und das Käferproblem gelöst ist.

40 000 Festmeter

Durchschnittlich drei Wochen sind die Helfer in der Region unterwegs. Untergebracht sind sie in Gasthöfen und Hotels. "Das kostet uns eine dicke sechsstellige Summe", sagt Fritz Maier, Leiter des Forstbetriebs Nordhalben - der dennoch froh ist über die Hilfe aus den insgesamt 41 Forstbetrieben im Freistaat.

Die Bilanz des Ausnahmesommers ist beachtlich: 16 500 Hektar in vier Landkreisen wurden seit Juni bearbeitet. Insgesamt 40 000 Festmeter Fichtenholz wurden eingeschlagen. "Das klingt nach viel", sagt Servicestellenleiter Winkler. "Aber wir liegen im Forstbetrieb Nordhalben damit noch deutlich unter dem durchschnittlichen Holzeinschlag von 120 000 Festmeter im Jahr." Der Grund: Weil alle Kräfte gebündelt wurden zur Borkenkäfer-Bekämpfung, blieben viele andere Bäume, die üblicherweise als Nutzholz verkauft werden, stehen. Was auch seine Vorteile hat, wie Betriebsleiter Maier erläutert: "Weil wir neben den Käferbäumen weniger andere Bäume gefällt haben, sparen wir uns Lagerkosten und können, wenn der Markt nicht mehr mit so viel Holz überschwemmt wird, manches vielleicht besser verkaufen."

Trotz allem nachhaltig

Und weil unterm Strich weniger Holz geschlagen wurde als in anderen Jahren, kommt trotz der Käferplage das Prinzip der Nachhaltigkeit nicht in Gefahr - auch wenn kahle Flächen in der Region auf den ersten Blick ein anderes Bild vermitteln.

Diese Flächen sollen nicht auf Dauer kahl bleiben. Teilweise stehen hier schon junge Bäume - Ahorn, Buche, Wildkirsche und andere - gewissermaßen in der Warteposition und werden sich nun, da sie mehr Licht bekommen, schnell weiterentwickeln. In einem solchen Fall sprechen Forstleute von natürlicher Waldverjüngung.

Dort, wo das nicht möglich ist, soll aufgeforstet werden, um zu verhindern, dass Wind und Regen die Humusschicht abtragen. Dabei setzt man im Forstbetrieb Nordhalben auf das klassische Sortiment der Waldbäume. Experimente mit neuen Baumarten, von denen man sich eine bessere Widerstandsfähigkeit gegen Hitze und Trockenheit erhofft, finden andernorts statt.

Im übrigen kämpft man nicht nur im Staatswald gegen den Borkenkäfer. Auch private Waldbesitzer sind verpflichtet, Käferholz zu entfernen. Sie werden dazu vom Landratsamt aufgefordert, das im Fall des Falles auch ein Zwangsgeld verhängen oder eine sogenannte Ersatzvornahme anordnen kann. "Nicht alle privaten Waldbesitzer erkennen die ganze Tragweite der aktuellen Situation", berichtet Michael Schmidt, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Dann gebe es intensiven Beratungsbedarf - auch über Fördermöglichkeiten.

Damit wirklich kein befallener Baum unentdeckt bleibt, greift das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zu demnächst zu einer ganz außergewöhnlichen Methode: "Wir werden die Wälder befliegen", so Schmidt. "Dann sehen wir, wo wir aktiv werden müssen." Ebenso wie seine Kollegen vom Forstbetrieb Nordhalben beurteilt auch Schmidt die Situation in der Region dramatisch. "Aber", so schränkt er ein, "wir haben wenigstens noch Wald. In Thüringen, Sachsen oder dem Sauerland sind viele Wälder schon ganz verschwunden."