Das große Stühlerücken begann am Donnerstagmorgen. Vor dem Gasthof Friedrich in Trebgast wurde erst das rot-weiße Flatterband zur Absperrung gespannt, dann wanderten nach und nach Klappstühle und Tische auf die Freifläche. Ein ungewohntes Bild nach all der Zeit von Begrenzung, von Ausgangssperre und Lockdown. Aber: Die Inzidenzzahlen machten es möglich.

Der Trebgaster hat, wie er betont, zwei Anreize gesehen, die neu gewonnene Freiheit zu nutzen. "Zum einen haben wir aktuell viele Gäste in unserem Haus, denen wir auch mal wieder eine Verköstigung im Freien bieten wollten. Zum anderen ist es natürlich für uns Gastronomen an der Zeit zu zeigen, dass es uns überhaupt noch gibt."

Seine Bilanz? Durchwachsen, wie er einräumt. Was auch dem durchwachsenen Wetter geschuldet sei. "Der erste Tag, der Donnerstag, war gleich mal ein Schlag ins Kontor, das muss man offen zugeben. Freitag war ähnlich mau. Ab Samstag hat es sich so langsam eingependelt. Und der Pfingstmontag war unter den ungewöhnlichen Vorzeichen schon richtig gut." Tochter Steffi vergleicht es mit einer Achterbahnfahrt: "Es war alles dabei: von toter Hose bis kleiner Kerwa."

Weitere Schritte müssen folgen

Was Inhabern wie den Friedrichs abgeht: die Freigabe zum Öffnen der Innenräume, zumal bei regnerischer Witterung. "Da muss ich sagen: Wenn wir die Gaststätte innen nicht bald mit nutzen dürfen angesichts der Entwicklungen beim Infektionsgeschehen, dann verstehe ich die Welt nicht mehr." Seine Pensionsgäste, die bei ihm übernachten, dürften wie selbstverständlich innen sitzen und speisen. "Die anderen dürfen das nicht - das verstehe, wer will."

Immer im Hinterkopf: die Regularien vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), die wiederum weitergeleitet werden vom bayerischen Gesundheitsministerium. "Wir haben natürlich bei der Platzvergabe die Gäste entsprechend befragt, ob jemand zum gleichen Familien- oder Hausstand gehört. Und natürlich haben wir uns nach den entsprechenden Tests oder Impfnachweisen erkundigt. Einige hatten die Nachweise auf dem Handy. Aber im Endeffekt müsstest du eine Person extra nur dafür abstellen. Das können wir von unserem Personal als Zusatzleistung ja gar nicht verlangen, das auch noch zu schultern."

Herbert Friedrich habe unter diesen Voraussetzungen vollstes Verständnis dafür, wenn sich gerade ältere Inhaber von Gaststätten diesem Druck nicht unterwerfen wollten. "Wer da sagt, er lasse lieber die Finger davon, bevor er etwas falsch macht und dann dafür letztlich geradestehen muss, den verstehe ich komplett."

Unsicherheitsfaktor Wetter

Und so haben nicht alle Betreiber von Gasthäusern die volle Nutzungsdauer ausgereizt. Zu ihnen gehören Katrin und Arnd Fischer, Pächter der Stadtschänke in Kulmbach. In den vergangenen Monaten bot das Gastronomenpaar lediglich sonntags Essen zum Abholen an - am Sonntag öffnete er erstmals nach langer Zeit wieder seinen Außenbereich. "Davor war mir das Wetter zu unsicher", sagt er. Das teilt er potenziellen Gästen via Telefonansage mit, die da lautet: "Da wir zurzeit nur unseren Außenbereich öffnen dürfen, geschieht dies wetterabhängig. Bei schlechter Witterung beziehungsweise Wettervorhersage bleibt unsere Terrasse aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. Bitte haben Sie dafür Verständnis."

Am Pfingstsonntag wagte er die Öffnung, der Montag lief ganz gut an. Gestern hat Fischer wieder zu. "Es hat keinen Sinn, bei Wind und Regen zu öffnen. Reinlassen darf ich die Leute nicht, selbst wenn es aus Eimern schüttet. Soll ich sie mittendrin heimschicken und das Essen einpacken? Dazu kommt, dass ich im Service meine Leute brauche, in der Küche ohnehin. Das ist eine reine Kosten-Nutzen-Abwägung." Und das alles unter der Maßgabe, dass er aufgrund der Abstands- und Hygieneregeln ohnehin nur die Hälfte seiner üblichen 120 Plätze anbieten dürfe. "Das bedeutet ja nicht, dass ich automatisch mit der Hälfte des Personals auskäme."

Inzidenz unter 50 - welche Regeln gelten ab heute

der Inzidenzwert liegt im Landkreis Kulmbach inzwischen stabil unter dem Wert von 50. Damit sind heute weitergehende Lockerungen in Kraft getreten.

Kontaktbeschränkungen

Es darf sich wieder ein Hausstand mit einem weiteren privat treffen, dabei dürfen aber maximal fünf Personen zusammengekommen. Kinder unter 14 Jahren, Genesene und vollständig Geimpfte werden nicht mit dazu gezählt.

Gastronomie und Hotelbetrieb

Außengastronomie und die Beherbergung in Hotels sind erlaubt. Momentan dürfen sich auch in Biergärten maximal zwei Hausstände mit insgesamt höchstens fünf Personen an einem Tisch (bis 22 Uhr) treffen. Nicht gerechnet werden auch hier Kinder unter 14 Jahren und ferner die Durchgeimpften und die an Corona Genesenen. Tests sind ab heute dafür nicht mehr nötig, eine Kontaktnachverfolgung muss aber sichergestellt sein. Damit klappt also beispielsweise das Treffen von Oma, Papa und Mama, die unter einem Dach leben und somit ein Hausstand sind, sowie der Tochter mit Mann (zweiter Hausstand). Ohne Sohn, der muss als Person Nummer 6 mit seiner Freundin, die ebenfalls noch bei den Eltern lebt (dritter Hausstand), daheim bleiben. Was ist jetzt aber, wenn Mama und Papa schon Corona gehabt haben und wieder genesen sind? Die werden dann nicht gerechnet. Denn, so das Gesundheitsministerium: "Die Kontaktbeschränkungen finden auf geimpfte und genesene Personen keine Anwendung. Wenn bei privaten Zusammenkünften und ähnlichen sozialen Kontakten sowohl geimpfte oder genesene als auch sonstige Personen teilnehmen, bleiben geimpfte und genesene Personen bei der Ermittlung der Teilnehmerzahl unberücksichtigt."

Wie ist es nun, wenn sich Opa, inzwischen mit neuer Lebensgefährtin (noch mit eigener Wohnung) und ein befreundetes Paar treffen wollen? Und wenn es sich bei denen gar genauso verhält? Dabei gilt: "Ehegatten, Lebenspartner und Partner einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft gelten jeweils als ein Hausstand, auch wenn sie keinen gemeinsamen Wohnsitz haben." Also werden zwei ältere Pärchen akzeptiert.

Einzelhandel

Der Einzelhandel kann komplett öffnen - allerdings darf nur ein Kunde pro zehn Quadratmetern Verkaufsfläche eingelassen werden. Das gilt bis zu einer Fläche von 800 Quadratmetern - bei größeren Geschäften gilt ein Kunde pro 20 Quadratmetern als zulässig.

Körpernahe Dienstleistungen

Körpernahe Dienstleistungen sind erlaubt - aber es muss ein Termin gebucht werden und die Kontaktdaten des Kunden werden abgefragt. Die Beschränkung pro Quadratmeter gilt auch hier.

Kinder/Schule

Auch Kindertagesstätten dürfen geöffnet haben. Nach den Ferien ist an den Schulen wieder Präsenzunterricht.

Sport

Im Außenbereich ist wieder Kontaktsport erlaubt - in Innenräumen kontaktfreier Sport. Theater, Kinos und Museen dürfen öffnen. Bei Fitnessstudios und in Freibädern entfällt ab heute die Pflicht zur Vorlage eines negativen Testergebnisses.

Änderungen ergeben sich, wenn der Inzidenzwert dauerhaft - mindestens fünf Tage in Folge - unter 35 sinkt. Dann dürfen sich wieder drei Hausstände mit maximal zehn Personen treffen - das ist im Landkreis frühestens ab dem 29. Mai denkbar.am/bk