Freilaufende Schafe ärgern Landwirte im Kreis Kulmbach - jetzt droht ihnen der Abschuss

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Etwa 20 freilaufende Schafe und Ziegen ärgern seit Wochen Land- und Forstwirte bei Großenhül. Foto: Adriane Lochner
Etwa 20 freilaufende Schafe und Ziegen ärgern seit Wochen Land- und Forstwirte bei Großenhül. Foto: Adriane Lochner
Die Herde ärgert die Landwirte. Foto: Adriane Lochner
Die Herde ärgert die Landwirte. Foto: Adriane Lochner
 
Gras ist ein Leckerbissen. Foto: Adriane Lochner
Gras ist ein Leckerbissen. Foto: Adriane Lochner
 
Die Herde ärgert die Landwirte. Foto: Adriane Lochner
Die Herde ärgert die Landwirte. Foto: Adriane Lochner
 
Auch in den Wäldern richten die Tiere Schaden ab. Foto: Adriane Lochner
Auch in den Wäldern richten die Tiere Schaden ab.  Foto: Adriane Lochner
 

Rund 20 Schafe und Ziegen verursachen im Raum Großenhül erhebliche Schäden. Bis zum Wochenende soll entschieden werden, ob sie abgeschossen werden.

Das Bild zeigt eine ländliche Idylle: Inmitten von Wald und Wiesen grasen Schafe, frei, ohne Zaun. Von Schäfer oder Hütehund keine Spur. Scheinbar herrenlos zieht die Herde umher.

Die Tiere sehen wohlgenährt aus und gesund. Doch nicht jeder kann sich über ihren Anblick freuen. Landwirt Erwin Dörnhöfer aus Sanspareil muss zusehen, wie die Schafe das Kleegras fressen, das eigentlich für seine Kühe bestimmt ist. "Falls unser Futter nicht reicht, müssten wir welches zukaufen", sagt er.

Wochenlang nichts passiert

Während das Berufsleben vieler Menschen derzeit stark eingeschränkt ist, geht der Alltag der Landwirte größtenteils weiter wie bisher. Neben den im Frühjahr anfallenden Feldarbeiten muss vor allem das Vieh versorgt werden.

Bereits mehrmals, so Dörnhöfer, habe er den Eigentümer angesprochen und ihn gebeten, seine Tiere abzuholen. Jedes Mal habe dieser ihm versichert, er werde sich darum kümmern. Passiert sei aber wochenlang nichts, so Dörnhöfer.

Auch auf Nachfrage der Redaktion versprach der Eigentümer, dass er seine Schafe innerhalb von drei Tagen in einen Pferch treiben und abtransportieren wolle, ebenfalls ohne Resultat. Auf erneute Nachfrage erklärte er, das Vorhaben sei gescheitert, da ein Spaziergänger die Schafe verschreckt habe.

Gemischte Gefühle

Die kleine Herde mit den rund 20 Schafen und Ziegen ist vielen Einheimischen bereits bekannt. Es heißt, die Tiere wandern schon seit zwei Jahren immer wieder umher, fressen Wiesen und Felder ab oder schälen die Rinde von Obstbäumen.

Vor Kurzem haben einige Mutterschafe Nachwuchs bekommen. Mit gemischten Gefühlen sehen die Anwohner den niedlichen Lämmern beim Spielen zu. Die Herde wächst und damit auch die Schäden. Auch Waldgebiete sind betroffen. Auf einer Fläche von Tobias Horter aus Großenhül hat die Herde alle jungen Bäumchen abgefressen. Gerade in Zeiten des Klimawandels kommt der Wiederaufforstung besondere Bedeutung zu.

Der Verlust der Verjüngung sei ärgerlich, so der Waldbesitzer. Um weitere Schäden zu verhindern, müssten die Schafe "so schnell wie möglich weg", betont Horter. Er fügt hinzu: "Wir würden auch beim Einfangen helfen." Der Großenhüler ist sich sicher, dass sich noch andere Helfer aus der Ortschaft finden würden, doch der Eigentümer wolle keine Unterstützung.

Rechtliche Einschätzung

Rechtsanwalt Christoph Müller von der Kanzlei Schmidt, Hammon und Stübinger in Kulmbach, bestätigt, dass die Situation in den Bereich des Zivilrechts fällt. "Der Landwirt könnte vom Tierhalter Schadensersatz fordern, falls Letzterer seiner Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen ist", so Müller. Die rechtliche Grundlage sei im Bürgerlichen Gesetzbuch zu finden, genauer in den Paragrafen 833 und 834 zur Haftung von Tierhaltern.

Landwirte und Waldbesitzer könnten auch Unterlassungsansprüche geltend machen und beispielsweise eine einstweilige Verfügung erwirken, dass die Schafe von ihren Flächen ferngehalten werden müssen. Der Rechtsanwalt fügt hinzu: "Ob das so schnell geht wie sonst, ist fraglich, denn auch die Justiz ist weitgehend heruntergefahren worden."

Diese Woche wurde eine einfachere Lösung gefunden. Der Eigentümer hat freiwillig die Verwertungsrechte an den Schafen an Matthias Dörnhöfer, Jagdbegeher im Sanspareiler Revier, abgegeben. Der Erlös aus dem Verkauf der Tiere oder ihres Fleisches soll für Schadensersatzzahlungen verwendet werden. "Ein Einwohner aus Großenhül hat angeboten, die Tiere bis zum Wochenende einzufangen und bei sich unterzubringen", so der Jäger.

Wer will mit einfangen?

Er stehe auch mit einer Schäferin in Kontakt, die ebenfalls helfen würde. "Falls es nicht gelingt die Schafe bis Samstag einzufangen, bleibt als letztes Mittel der Abschuss", so Matthias Dörnhöfer. Vorsichtshalber habe er bereits an die Jagdbehörde einen Abschussantrag gestellt. Ihm wäre es allerdings lieber, das Problem ließe sich auf weniger drastische Weise lösen.

Dem Jäger zufolge hatte eine Schäferin zwar angeboten, mit ihren Hunden beim Einfangen zu helfen, doch mitnehmen wollte sie die Schafe nicht. Damit sei das Problem, wie die Tiere künftig untergebracht würden, nicht gelöst.

Matthias Dörnhöfer sagt: "Am liebsten wäre es mir, wenn jemand kommt, die Schafe einfängt und sie gleich mitnimmt." Falls jemand Interesse hat, kann er sich beim Staatlichen Veterinäramt am Landratsamt Kulmbach unter der Telefonnummer 09221707707 melden.