Als Marianne Nowack am Abend nach der Arbeit mit dem normalen OVF-Bus Richtung Kronach nach Stadtsteinach wollte, teilte ihr am ZOB in Kulmbach der Fahrer mit, dass der Bus nicht über Stadtsteinach fahren kann und dass sie stattdessen noch eine Stunde warten soll, um die Buslinie Richtung Helmbrechts zu nehmen.

"Ich hatte eine richtige Wut. Ich kam dann zwar irgendwie nach Hause. Aber ich finde es schlimm, dass man vorher nicht informiert wird", schimpft Marianne Nowack. Denn auch anderen Fahrgästen ging es so wie ihr. "Es stand eine ältere Frau an der Bushaltestelle in Stadtsteinach, am Marktplatz, die hab ich dann mitgenommen, denn die Busse fahren ja nicht", erklärt Nowack und kann nur den Kopf schütteln.


Inzwischen hängt an der Bushaltestelle am Marktplatz Stadtsteinach ein auffälliges rotes Schild, das darauf hinweist, dass die Haltestelle in den nächsten Tagen nicht angefahren werden kann und dass die nächste Zusteigmöglichkeit an der Ziegelhütte bestünde.

"Wir haben tatsächlich die Buslinien Richtung Kronach von Stadtsteinach streichen müssen. Denn wir kommen ja nicht durch Zaubach", erklärt Walter Trassl vom OVR-Verkaufsbüro. Die Stadtsteinacher haben momentan nur die Chance, über Kulmbach nach Kronach zu fahren. "Wir haben aber inzwischen alle Linien mit einem zweiten Bus abgedeckt. Wir fahren also von Kulmbach nach Kronach ganz normal und zusätzlich von Kulmbach nach Stadtsteinach mit einem kleinen Bus", so Trassl.

"Wir wussten nicht, dass die Baustellen auch in der Stadt sind und dass wir den Marktplatz nicht anfahren können. Das hat uns selbst überrascht", bittet Trassl die Fahrgäste um Entschuldigung und um Verständnis. Nur eine einzige Linie von Kulmbach Richtung Stadtsteinach ist nicht verstärkt - die Verbindung um 6.03 Uhr.

11. September im Gespräch

Schon jetzt ist absehbar, dass die Baustellen wohl nicht am 6. September fertig werden, intern sei bereits der 11. September im Gespräch, hat sich Trassl inzwischen kundig gemacht. So lange müssen Stadtsteinacher mit Behinderungen rechnen.

Auch der Radlbus ist betroffen. Wegen der Straßensperrung B 303 Oberzaubach-Unterzaubach können an den nächsten Wochenenden jeweils am Samstag und Sonntag (31.8/1.9; 7./8.9) die "Radlbusfahrten" des Frankenwaldmobils von Kulmbach nach Bad Steben die Haltestellen von "Unterzaubach" über Wartenfels bis "Kunreuth" nicht bedient werden, teilt Michael Beck vom Landratsamt mit. Die Umleitung des Frankenwaldmobils erfolgt über die Staatsstraße St 2195 Schwand-Presseck und umgekehrt. Alle Zustiege über Stadtsteinach-Krankenhaus und Norma verkehren planmäßig.

"Dass jetzt alle Baustellen zusammen kommen, war wohlüberlegt. Denn durch die Bundesstraßensanierung haben wir eine Vollsperrung. Der überörtliche Verkehr ist damit ausgesperrt. Deshalb haben wir die Chance, auch alle kleinen Baumaßnahmen durchzuführen", erklärt Bürgermeister Roland Wolfrum das Baustellen-Chaos.

Kabelmail verlege schnelleres DSL, vor allem für die Fachklinik, aber auch die Anlieger profitierten davon. Die Firma ABS Meile hebt etwa 20 Kanaldeckel, die sich gesenkt haben, an. Hinterher wird auch die Firma Günther Bau noch einmal Kanaldeckel angleichen. Wolfrum: "Wir rechnen aber damit, dass die innerörtlichen Maßnahmen bis zum 6. September fertig sind, also schon vor dem Abschluss der Bundesstraßenmaßnahme."

Kampf um Gehweg

Einigen Stadtsteinachern indes brennt ein ganz anderes Problem auf der Seele: So kämpfen Rüdiger Birner (63) und Franz Hebentanz (92) für einen Gehweg entlang der B 303 von der Brücke bei der Autowerkstatt Schramm bis zur Norma. "Man könnte doch einfach den Gehweg auf den Banketten bauen", schlägt Franz Hebentanz vor. Allerdings sprechen die technischen Gegebenheiten gegen einen Gehsteig. Denn für die Fußgänger müsste eine eigene Brücke gebaut werden.

Bereits mehrfach haben die Fußgänger auf der neuen Flutmuldenbrücke die Leitplanken überklettern, bei der Stadt vorgesprochen.

"Die Chance, dass ein Gehweg Richtung Norma realisiert werden kann, ist aber gleich Null", stellt Bürgermeister Roland Wolfrum klar. Denn für die Bankette ist das Straßenbauamt Bayreuth zuständig, da es sich um eine Bundesstraße handelt. Zudem ist der vermeintliche Gehweg über der neuen Brücke, der durch Leitplanken abgeteilt ist, für Fußgänger verboten. "Das ist ein Technikweg, der nicht betreten werden soll. Und wenn das einige doch tun, ist das widerrechtlich und geschieht auf eigene Gefahr."