Aufgeflogen waren die fünf, nachdem ihr Dealer, ein 19-jähriger Kulmbacher, im August 2011 auf dem Nachhauseweg von einer Beschaffungsfahrt in die Tschechische Republik mit fast 300 Gramm Marihuana erwischt wurde. Er kam in Untersuchungshaft und legte ein Geständnis ab. Daraus resultierten Wohnungsdurchsuchungen bei den fünf Angeklagten aus dem Landkreis Kulmbach, für die der Drogenkäufer den Stoff besorgt hatte.

Geld zusammengelegt

Vier der Angeklagten trafen sich im Juli 2011 auf einer Freizeitanlage im Landkreis. Sie legten ihr Bargeld zusammen und wollten sich davon Marihuana kaufen. Dabei kamen 260 Euro zusammen. Einer von ihnen, ein damals 17-jähriger Azubi, war die treibende Kraft bei der ganzen Aktion. Er kannte den Dealer, der ihm schon vorher Stoff besorgt hatte. Das Quartett fuhr nach Kulmbach und legte an der Grundstücksgrenze des Dealers das Bargeld in einem Versteck ab. Der Kontakt, nachdem die Ware besorgt war, sollte telefonisch hergestellt werden.

Doch dazu kam es nicht, denn der Deal flog durch die Kontrolle kurz hinter der Grenze am 4. August auf. Der fünfte Angeklagte hatte für sich ebenfalls Drogen benötigt. Er kannte den Dealer bereits von kleineren Geschäften und hatte ihn als unzuverlässig bezeichnet. Trotzdem investierte er 300 Euro, um sich den Stoff besorgen zu lassen. Auch ihm wurde durch die Polizeikontrolle das illegale Geschäft zunichte gemacht.

Alle fünf Angeklagten legten bei der Verhandlung gestern ein Geständnis ab. Der Dealer sagte als Zeuge aus. Er war nach der aufgeflogenen Drogenbeschaffungsfahrt zwei Monate in Untersuchungshaft und ist zwischenzeitlich zu 18 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

Eltern fielen aus allen Wolken

Bleibenden Eindruck haben die Wohnungsdurchsuchungen bei den Angeklagten hinterlassen. Bei einigen fielen die Eltern "aus allen Wolken". Ein Angeklagter wohnte damals mit zwei anderen "Giftlern" zusammen. Das Quartett gab an, seit damals nichts mehr mit Drogen am Hut zu haben. Alle gehen einem Beruf nach oder sind in Ausbildung. Der fünfte Mann auf der Anklagebank konsumiert nach eigenen Angaben noch immer mäßig Marihuana.

Der Vertreter der Jugendgerichtshilfe, Stefan Fürst, schilderte ausführlich und eindrucksvoll den Werdegang der Beschuldigten. Zwei von ihnen waren sogar Leistungssportler. Der hohe Erfolgsdruck soll auch zu dem Ventil "Drogen" geführt haben. Von total zerrüttetem Familienleben bis gut bürgerlichem Elternhaus war alles vertreten. Dementsprechend waren die erzieherischen Konsequenzen breit gefächert, nämlich von Taschengeldkürzung und Ausgangssperre bis hin zu "Null Reaktion". Ein Blick ins Bundeszentralregister zeigte, dass alle Angeklagten nicht vorbestraft sind.

Amtsgerichtsdirektor Christoph Berner selbst regte an, die Verfahren gegen den damals 19-jährigen Fahrer und den Heranwachsenden, der nur fünf Euro zur Bestellung beigesteuert hatte, gegen Ableistung von 15 gemeinnützigen Arbeitsstunden. bzw. 150 Euro Geldauflage einzustellen. Beide konnten in Begleitung ihrer Anwälte, Stefan Walder aus Kronach und Rene Thalwitzer aus Bayreuth, den Gerichtssaal verlassen.

Staatsanwalt Ludwig Peer forderte in seinem Plädoyer für den Heranwachsenden, der 35 Euro in Drogen investieren wollte, eine gemeinnützige Geldauflage in Höhe von 200 Euro, und für den Jugendlichen, der die Sache eingefädelt hatte, eine Geldauflage von 400 Euro. Nach kurzer Beratung wurden die Angeklagten zu den von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafen verurteilt. Deren Anwälte, Alexander Schmidtgall aus Kulmbach und Matrina Meisen-Gooley aus Erlangen, verzichteten auf Rechtsmittel.

Zur Suchtberatung

Der fünfte Angeklagte, der für 300 Euro Marihuana bestellt hatte und noch immer nicht von den Drogen weg ist, muss zur Suchtberatung. Außerdem wurden ihm 50 Arbeitsstunden zugunsten einer gemeinnützigen Einrichtung auferlegt. Es war vor Gericht ohne Anwalt erschienen und verzichtete ebenfalls auf Rechtsmittel.