Zunächst die schlechten Nachrichten: Der Modemarkt "Adler" verlässt das Einkaufszentrum "Fritz". "Die Besucherfrequenz ist einfach nicht hoch genug." Mit diesen Worten begründet Adler-Unternehmenssprecherin Katrin Schreyer die Entscheidung, die Filiale zu schließen. Sie verweist auf "viele Leerstände" und die zeitgleiche Konkurrenz durch Fachmärkte vor den Toren der Stadt. "Es reicht einfach nicht für einen Markt mit einer so großen Fläche."


Die großen Mieter

Auf zwei Stockwerken ist der "Adler" auf 2435 Quadratmetern im "Fritz" vertreten. Neben Kaufland, H & M, Deichmann und AWG ist der Kulmbacher Markt der Textilhandelskette mit Hauptsitz in Haibach (Landkreis Aschaffenburg) einer der größten Mieter im "Fritz".

Mindestens 1400 Quadratmeter benötigt der Modemarkt, um seine Produkte angemessen präsentieren zu können. Doch die gibt es außerhalb des Einkaufszentrums nicht, sagt die Unternehmenssprecherin, weshalb sich "Adler" völlig aus Kulmbach zurückziehen werde. Alternativ gebe es noch drei Filialen im Umkreis von 25 bis 40 Kilometern.


Adler schließt am 31. August

Die Entscheidung für das Aus sei aus wirtschaftlichen Gründen gefallen: "Ein Unternehmen muss rentabel sein. Wenn das auf Dauer nicht der Fall ist, muss man Konsequenzen ziehen", so Katrin Schreyer. Deshalb werde man zum 31. August schließen. Sieben Jahre war dann "Adler" in Kulmbach vertreten (Eröffnung feierte man am 31. März 2011).

Nicht ganz so groß wie der "Adler" ist ein weiteres Geschäft, das Kulmbach den Rücken kehren wird: Der Kräuter-, Tee- und Gewürzladen Elsbeth Müller will ebenfalls das "Fritz" verlassen. Bereits am 14. April ist letzter Verkaufstag. Die Zahlen hätten sich Jahr für Jahr verschlechtert, ist aus dem Unternehmen zu hören. Zu wenig bleibt für Miete und Personalkosten. Dennoch sei die Entscheidung schwer gefallen, die Filiale zu schließen - vor allem mit Blick auf die drei Mitarbeiterinnen. "Es wird wochenlang über so einen Entschluss debattiert", heißt es.

Bei Elsbeth Müller handelt es sich um ein mittelständisches Unternehmen mit 70 Mitarbeiter und dem Firmensitz im mittelfränkischen Lonnerstadt. Verkaufsgeschäfte gibt es neben Kulmbach noch in Bad Windsheim, Wachenroth, Lonnerstadt, Hallstadt, Schweinfurt, Neumarkt, Roth, Ansbach und Schwabach.

Nun zu den positiven Entwicklungen: Zwei Leerstände im Erdgeschoss werden in den kommenden Monaten geschlossen, berichtet "Fritz"-Eigentümer Maarten Koorn. Die ehemaligen Räume von Sparkasse und Cecil werden zusammengefasst, ab Juli wird ein neuer Mieter auf den rund 600 Quadratmetern dann Haushaltswaren anbieten.

Auch für die Räume der Buchhandlung Hübscher, die erst vor wenigen Wochen Kulmbach den Rücken gekehrt hat, gibt es schon einen Nachmieter, der aus dem Gastronomiebereich kommt. "Im September soll geöffnet werden", verrät Koorn.


Platz für Büros?

Für die großen Flächen des "Adler"-Modemarkts werde es jedoch schwierig, einen Nachmieter zu finden, weiß auch Koorn mit Blick auf das geänderte Einkaufsverhalten der Menschen und die Konkurrenz durch das Internet. Deshalb gebe es Überlegungen, die Verkaufsfläche zu verringern und Platz für Büros zu schaffen. Denn der Bürotrakt im "Fritz" sei voll vermietet, und es gebe ständig Nachfragen.

Eine Möglichkeit seien ferner Ansiedlungen aus dem Dienstleistungsbereich (Fitnessstudio, Gesundheitszentrum), sagt Koorn weiter. "Wir untersuchen, was in Kulmbach fehlt und was zu uns passt." Dabei sei durchaus auch ein Angebot aus dem Möbel- und Wohnbereich vorstellbar, was nicht von einer Erdgeschosslage abhängig sei. "Es gibt viele Möglichkeiten, die wir in den kommenden zwei Jahren umsetzen möchten."

Die Zukunft des "Fritz" sieht er positiv - auch auf lange Sicht: Denn die geplante Universität mit den Studenten werde Stadt und Einkaufszentrum einen Schub geben.

Über 20 Geschäfte, Dienstleister und Gastronomiebetriebe sind derzeit im "Fritz" angesiedelt. Dazu kommen fliegende Händler, die immer wieder für kurze Zeit in Kulmbach Station machen. Beispielsweise fand in den vergangenen Jahren zur Bierwoche immer ein Dirndl-Verkauf im "Fritz" statt.

Natürlich ist die Nachricht von den beiden Filialschließungen im Fritz sehr bedauerlich und ein Verlust für die vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten in Kulmbach, heißt es seitens der Stadt. Dennoch müsse man die Gründe für die Entscheidungen akzeptieren, auch wenn es schwer falle. "Wir als Stadt versuchen den Unternehmen möglichst optimale Voraussetzungen zu bieten - angefangen bei günstigen Mieten bis hin zu einer guten Infrastruktur."

Gleiches gelte für das Einkaufszentrum mit seinem Centermanagement, das den Mietern attraktive Einzelhandelsflächen anbieten könne.

Dass mit dem Bau des neuen Campus ein Impuls für die Stadtentwicklung ausgeht, zeige sich heute schon vor allem am Anstieg der Wohnungs- und Grundstücksnachfrage und werde sich sicher auch auf viele weitere Bereiche ausdehnen. Das Ganze brauche natürlich etwas Zeit. "Kulmbach ist ein attraktiver Standort für den Einzelhandel und das wollen wir auch in Zukunft bleiben. Dafür setzen wir uns ein", schreibt die Pressestelle des Rathauses.