Seit dem 21. Mai sind in Bayern wieder touristische Reisen möglich, und zwar überall dort, wo der Inzidenzwert unter 100 liegt. Auf dem Stadtsteinacher Campingplatz sorgte diese Lockerung an Pfingsten für einen Ansturm, wie es ihn in den vergangenen Jahrzehnten nicht gegeben hatte. "Um 8.30 Uhr kamen die ersten Gäste an, und der Zustrom riss bis 22.30 Uhr nicht ab", freute sich das neue Pächterehepaar Manuela und Jörg Schmidt.

Fast wie beim Fall der Mauer

Es war fast wie beim Fall der Mauer: Viele wollten weg, Urlaub machen, Unbeschwertheit genießen, eine neue alte Freiheit erleben - einfach nur raus. Tatsächlich stauten sich am Freitagnachmittag die Campingmobile in Stadtsteinach. Es kamen so viele gleichzeitig an, dass sich Schlangen bis auf die Straße bildeten.

Vor dem Einlass mussten sich alle Campingwilligen testen lassen. "Aber das gab kein Problem. Jeder, der jetzt Urlaub macht, weiß, worauf er sich einlässt", sagte Manuela Schmidt. Viele haben Selbsttests mitgebracht. Diese Selbsttests werden dann vor den Augen der Campingplatzbetreiber alle 48 Stunden abgenommen.

Über Pfingsten war der gesamte Stadtsteinacher Platz voll belegt - und das sind aktuell immerhin 180 Stellplätze. In normalen Zeiten gäbe es sogar bis zu 220 Parzellen, doch um die Abstände zwischen den Gruppen und Familien einzuhalten, reduzierten die Pächter über Pfingsten.

Viel investiert

Horst und Ursula Allmann sind versierte Camper. Mehr als ein halbes Jahrhundert Campingerfahrung bringen die beiden Senioren mit. Sie wollten über Pfingsten Verwandte besuchen. "Die Schwiegertochter kommt aus Kulmbach", verrieten sie. In Stadtsteinach waren sie nicht zum ersten Mal. "Der Platz ist schön, viel schöner, als wir ihn in Erinnerung hatten", sagte Horst Allmann.

Tatsächlich haben die neuen Betreiber viel investiert. Sie haben das Areal gepflegt, das Restaurant neu gestaltet und ein Kioskeingerichtet. "Wir müssen uns nicht mal testen lassen, wir sind ja beide schon zweimal geimpft", sagte Allmann und genoss es, endlich wieder reisen zu dürfen.

Dass der Trubel heuer größer als in den vergangenen Jahren, nahmen die Allmanns gerne in Kauf. Auf dem Campingplatz in Stadtsteinach trafen sich Gruppen, die immer gemeinsam Urlaub machen. Bernhard Ixmeier reiste aus Burg Dithmarschen an. Er wollte sich hier mit seinen Freunden aus Roth treffen. Silvia und Wilfried Rotter haben direkt neben ihm einen Stellplatz bekommen - und weitere aus dem Nürnberger Land ebenfalls. "Wir sind zehn Einheiten. Seit 50 Jahren treffen wir uns schon an Pfingsten", erklärten Silvia und Wilfried Rotter. Gemeinsam grillen, wandern, radeln und die Natur genießen - 2020 musste dies coronabedingt ausfallen. In diesem Jahr wollte die Gruppe nicht mehr darauf verzichten. Eigentlich hätte das Treffen - wie immer - in Ebensfeld stattfinden sollen. Doch dort war der Inzidenzwert noch zu hoch. So wichen alle nach Stadtsteinach aus und waren begeistert.

Mit Kind und Kegel wurde gegrillt. Auch andere Gruppen trafen sich in Stadtsteinach und genossen die neue Freiheit. Sie kamen aus den benachbarten Bundesländern, wollten endlich wieder gemeinsam feiern. Dass das Wetter nicht sonderlich gut war, konnte die Reiselustigen nicht schrecken. Sie hatten Pavillons mitgebracht, so dass sie auch bei Regen grillen und draußen essen konnten.

Betrieb im Biergarten

Und Familien mit Kindern freuten sich über den neuen Spielplatz, der in den vergangenen Monaten auf dem Stadtsteinacher Campingplatz entstanden ist. Madlen Bauer rutschte mit ihrer Tochter Theresa und genoss den ersten Urlaub nach der Pandemie.

Auch der Biergarten des Campingplatzrestaurants war voll. "Wir können die Gäste nur draußen bewirten, aber das macht nichts", zog Manuela Stöcker Bilanz. Dass auch Stadtsteinacher die Gelegenheit nutzten, freute die neuen Campingplatzbetreiber um so mehr. "Natürlich erleben wir durch Corona jetzt einen Boom, aber wir hoffen, dass auch viele wiederkommen", sagt Schmidt.

Die Camper zeigten sich wetterfest und bei bester Laune. Hauptsache raus, so lautete die Devise. Der neue Wohnmobilstellplatz am Schwedensteg unterhalb der Kulmbacher Plassenburg zog am Pfingstwochenende ebenfalls unzählige Campingfans an. Michael Dolch und Antje Everding kamen am Samstag an, als die von der Skaterbahn abgewandten Stellflächen bereits komplett belegt waren.

Berline sind Trubel gewohnt

"Aber die Skater stören uns nicht. Tagsüber sind wir doch unterwegs und genießen die Berge, Schlösser, Burgen und die Landschaft mit dem Fahrrad. Und abends ist hier Ruhe", sagte das Berliner Ehepaar, das Trubel gewohnt ist. Denn es wohnt direkt am Treptower Park.

Während in Berlin die Hotels für Touristen noch geschlossen sind, freute sich Michael Dolch, der selbst in der Hotelbranche tätig ist, über die Freiheiten in Franken. Die Tour der Berliner soll weiter nach Coburg, Bamberg bis zur Mainschleife führen. "Wir haben Tests dabei. Und wenn es möglich ist, gehen wir essen. Gestern haben wir Haxe mit Klößen gegessen und Cordon bleu. Die bayerische Küche ist fantastisch", sagt Dolch.

Auch die anderen Wohnmobilisten sind voll des Lobes über den neuen Stellplatz. Ludwig Hiemer ist mit seiner Frau aus Marktheidenfeld angereist und wollte über Pfingsten in Kulmbach bleiben. Besonders freute ihn die Möglichkeit, Strom zu laden und Frischwasser aufzufüllen. "Das ist schon sehr angenehm hier", sagt Hiemer. Dass das Wetter nicht so perfekt war, störte die Familie nicht. "Wir sind heute trotzdem 20 Kilometer geradelt."

Erich Krebs (60) kommt aus Bad Kissingen. Er kennt Kulmbach, weil er früher für eine Azendorfer Firma gearbeitet hat. "Schön ist, dass die Stellplätze hier so groß sind, dass man seine Markise ausfahren und dann etwas essen kann", sagte er, um etwas kritischer anzufügen: "Naja, die Nähe zur Skateboardbahn kann schon nerven. In Eichstätt haben sie auch einen Stellplatz bei den Tennisplätzen, und das ist auf die Dauer sehr laut."

Doch er hat sich einfach an die Straße gestellt, möglichst weit weg von den Skatern - mit Blick auf die Plassenburg. "Wir schauen immer gerne Museen an. Im Bier- und Bäckereimuseum waren wir letztes Jahr, in diesem Jahr im Gewürzmuseum", sagte er.

Bratwürste gehören dazu

Krebs kennt auch die Geheimtipps der Kulmbacher Gastronomie. Und echte Bratwürste gehören für ihn natürlich auch dazu.