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Familie Jurkat aus Neuenmarkt bieten Feldlerchen Lebensraum


Autor: Sonja Adam

See, Dienstag, 21. Mai 2019

Heute ist Tag der biologischen Vielfalt. Zwei junge Bauern aus See setzen ein Zeichen für eine Landwirtschaft im Einklang mit der Natur.
Die kahle Stellen inmitten des Gerstenfelds sind Absicht: Die Jäger Clemens Ulbrich (links) und Harald Höhn (rechts) freuen sich über die Bereitschaft von Michael und Christoph Jurkat (mit Linus), 17 Lerchenfenster anzulegen. Foto: Sonny Adam


Christoph (31) und Michael Jurkat (29) laufen mit einem zufriedenen Lächeln über das Gerstenfeld, das sie gleich hinter ihrem Gutshof in Oberlangenroth angesät haben. Der Regen hat der Natur gut getan, das Saatgut ist aufgegangen. Doch immer wieder findet man in den Feldern kahle Stellen. Sie sind sieben Meter lang, etwa drei Meter breit und sehen perfekt rechteckig aus. Eine Panne der Sämaschine?

17 Lerchenfelder angelegt

"Nein, das sind Lerchenfenster", freut sich Harald Höhn vom Jagdschutz- und Jägerverein Kulmbach. 17 davon haben die Landwirte freiwillig angelegt. Sie möchten den selten gewordenen Feldlerchen eine Heimat geben, deren Brutplätze erhalten und neue schaffen.

Nach der Berichterstattung in der BR im vergangenen Jahr über die Gefährdung der Feldlerche hatten sich die beiden jungen Landwirte spontan beim Kreisjagdberater Clemens Ulbrich gemeldet und sich bereit erklärt, Lerchenfenster auf ihren Äckern anzulegen. "Dass wir pro Fenster mit zehn Euro entschädigt werden, war für uns nicht der Anreiz", sagt Christoph Jurkat. Vielmehr sei es der Natur- und Umweltgedanke gewesen.

Bestand dramatisch gesunken

Feldlerchen sind Bodenbrüter und lieben offene Wiesen. Doch laut Clemens Ulbrich sind genau solche Stellen rar geworden. Die modernen Sämaschinen produzierten keine Fehlstellen mehr. Aus diesem Grund fänden die Lerchen auch keinen Platz mehr zum Brüten. Und die Störungen nähmen immer weiter zu.

Der Bestand der Feldlerche ist dramatisch gesunken. In Deutschland sollen sich aktuell nur noch knapp 1,2 Millionen Paare befinden. Die Feldlerche wurde auf die Vorwarnstufe der Roten Liste gesetzt.

"Das ist doch keine große Sache"

"Das ist doch keine große Sache. Man kann solche Lerchenfenster anlegen, hat kaum Verlust", sagt Christoph Jurkart. Die Freiflächen entstünden einfach dadurch, dass die Sämaschine für etwa sieben Meter angehoben wird. "Wir haben jeweils zwei Lerchenfenster auf einem Hektar angelegt", erklären die Jurkats. Die Familie bewirtschaftet den riesigen Gutshof bei See schon seit 1592. "Für uns war immer klar, dass wir den Hof übernehmen und weiterführen. Das ist für uns eine Familienverpflichtung", erklärt Christoph Jurkat. Er ist eigentlich Fahrzeugingenieur bei Audi in Ingolstadt. Er pendelt nach Hause.

Gemeinsam mit seinem Bruder führt er den Hof weiter. Michael Jurkat, der jüngere der beiden, ist hauptberuflich Steuerfachangestellter beim BBV. Auch er ist zwar mit Leib und Seele Landwirt, aber ebenfalls nur nebenberuflich.

Auf die Fruchtfolge achten

"Psst, da hinten ist eine Lerche", macht Christoph Jurkat seinen Bruder aufmerksam. Und wie zum Beweis springt ein Vogel über die Wiese. Offensichtlich auf der Suche nach Regenwürmern.

"Das Geld für die Lerchenfenster hat die Manfred-Jarosch-Stiftung zur Verfügung gestellt: insgesamt 1000 Euro. Das Geld wird über den Jäger- und Jagdschutzverein ausgereicht", erklärt Harald Höhn die Details. Weitere Interessenten seien jederzeit willkommen.

Die Jurkats wissen, dass die Initiative nicht bei allen Landwirten auf positive Resonanz stößt und bei einigen sogar nur ein Kopfschütteln auslöst. Doch sie betreiben seit Jahren eine Bioland-Landwirtschaft und sind von diesem Weg nicht abzubringen. Die Familie Jurkat bewirtschaftet 96 Hektar Land und 14 Hektar Wald. "Wir striegeln den Boden, so können wir verhindern, dass zu viel Unkraut kommt. Der Trick ist, dass man auf die Fruchtfolge achten muss", erklärt Michael Jurkat fachmännisch.

Auch drei Hektar Blühflächen angelegt

Die beiden Landwirte säen zudem seit Jahren Blühflächen an. "Wir haben drei Hektar Blühflächen. Diese Wiesen darf man erst ab 15. September mähen - wir bekommen einen Ausgleich von 600 Euro pro Hektar", so Christoph Jurkat. Denn durch den späten Mähzeitpunkt lasse sich das Gras nicht mehr zur Tierfütterung verwenden. "Das ist hart wie Stroh."

"Ich finde die aktuelle Diskussion aber sehr positiv. Denn früher ist man als Biolandwirt doch eher belächelt und als Unkrautproduzent beschimpft worden, jetzt wandelt sich das langsam. Manche konventionell bewirtschaftete Fläche ist unkrautbelasteter als unsere", so Christoph Jurkat.

Jäger mit im Boot

"Man muss auch ehrlich sagen, dass es ein bisschen ungerecht ist, was aktuell gegen die Landwirte läuft. Die meisten möchten doch in Einklang mit der Natur leben, denn die Natur ist ja ihr Kapital", bricht Revierleiter Clemens Ulbrich eine Lanze für alle Bauern.

Harald Höhn vom Jagdschutz- und Jägerverein kann ebenfalls ein Umdenken in der Landwirtschaft beobachten. Immer mehr Bauern würden vor dem Mähen die Jäger verständigen.

Die Lerchenfenster helfen übrigens nicht nur den Lerchen, zu überleben, sondern sie bieten auch Feldhasen, Fasanen und Perlhühnern Lebensraum. Nur für die Wachteln kommt die Hilfe wohl schon zu spät. "Einen Wachtelschlag habe ich schon lange nicht mehr gehört", bedauert Clemens Ulbrich.