Es gab sie einmal, die jungen Wilden vom Kulmbach Rehberg
Autor: Erich Olbrich
Kulmbach, Donnerstag, 10. Oktober 2019
Am Kulmbacher Rehberg machten sich in den 30er Jahren mutige Männer mit ihren fliegenden Kisten auf den Weg. Jugendliche halfen ihnen.
"Ich wollt', mir wüchsen Flügel", dichtete einst Joseph Victor von Scheffel, der Schöpfer des Frankenliedes. Er beschrieb damit den immerwährenden Traum der Menschen, wie ein Vogel fliegen zu können.
Ein Abenteuerspielplatz
Am höchsten Punkt des Rehbergs, der Platte, befand sich in den 1930er Jahren ein Startplatz für Segelflugzeuge. Heute ist dort alles bewaldet, nichts erinnert mehr an den einstigen Abenteuerspielplatz der Kulmbacher Jugend.
Zu jener Zeit gab dort eine größere Freifläche und eine breite Schneise im Wald in Richtung Kessel. Dort lehrte die Luftsport-Landesgruppe Kulmbach den Umgang mit Fluggeräten. Für die ohne Smartphone, Computer und Fernseher aufwachsende Jugend war das eine riesige Attraktion.
In Einzelteile zerlegt
An den Wochenenden herrschte rege Betriebsamkeit. Es war sehr beschwerlich, die Fluggeräte auf den unebenen und engen Wegen hoch zum Startplatz zu bringen. Wenn es die Örtlichkeit erlaubte, nutzten die Gruppen dazu Autos mit eigens dafür gebauten Anhängern.
Darauf verluden sie die zerlegten Geräte. Oben angekommen, dauerte es nicht lange, bis die geübten Hände der Helfer alles wieder zusammengebaut hatten.
Am Gummiseil den Hang hinunter
Samstags und sonntags waren immer vier bis fünf Segelflieger am Himmel. Dazu kam eine größere Menge an Buben und Jugendlichen, die gebraucht wurden, um diese in die Luft zu bringen.
Am Startplatz befand sich eine fest am Boden verankerte Eisenschiene, die einer schmalen Rutsche glich. Sie diente als Führungsschiene für das Fluggerät. Vorne am Rumpf des Fliegers waren zwei lange Gummiseile befestigt. Während hinten drei bis vier Jungen den Segler am Leitwerk festhielten, rannten fünf Mann je Gummiseil den Hang hinunter.