Elina Wyckoffs Hahn krähte sich zum Sieg
Autor: Sonja Adam
Thurnau, Sonntag, 30. Juni 2019
Das Hähnewettkrähen in der Kröglitzen ist der Höhepunkt für die Thurnauer Geflügelzüchter.
Der stolze Riesenhahn in der oberen Käfigreihe kann ein Kunststück: Er schlüpfte mit seinem Kopf durch die Gitterstäbe, ging dann noch oben - und entschlüpfte dem Käfig. Schon vor dem Startschuss fürs traditionelle Hähnewettkrähen des Kleintierzuchtvereins Thurnau war die Aufregung wegen dieses Kunststückes groß. Denn der Hahn war entkommen. Er rannte über die Wiese, in den Wald. Nur durch eine List gelang es den Geflügelzüchtern, ihn auf dem weitläufigen Gelände der Familie Popp wieder einzufangen. Und kaum zurück im Käfig, folgte auch schon der zweite Fluchtversuch. Erst als die Gittertür mit einer Schnur zugebunden war, konnte er sich auf die eigentliche Fähigkeit, nämlich das Krähen, konzentrieren. Doch dazu hatte er wohl keine Lust.
Schon zum 45. Mal fand das Hähnewettkrähen statt. Auf Kommando des Vorsitzenden Helmut Ulbrich wurde die Anzahl der Krährufe gezählt - zwei Mal zehn Minuten galt es. Lorenz Seyferth und seine Frau Gerlinde schickten zwei Riesen-Hähne ins Rennen: einen Vorwerkhahn, fast vier Kilo schwer, und einen schwarz-glänzenden stolzen Australorps. Beides Prachttiere, die schon vor dem Wettbewerb mit ihren tiefen Stimmen begeisterten. Vor allem der Australorps-Hahn zelebrierte jeden einzelnen Kräher mit einem dumpfen Nachgrollen und verausgabte sich. Doch als der Countdown lief, drückte der Vorwerkhahn die Augen zu und schlief ein bisschen. "Er kräht nur, wenn es laut ist", erklärte Lorenz. Und der Australorps wiederum stimmt seinen Ruf nur an, wenn der Nachbar auch kräht - aber der schlief.
Die großen Hähne sind insgesamt ruhiger, krähen weniger. Carla Hösch schickte den krähfreudigsten Riesenhahns ins Rennen. Er schaffte in zwei Mal zehn Minuten 29 Krährufe.
Den zweiten und dritten Platz teilte die Familie Weigel aus Menchau unter sich auf. Isabel und Sebastian Weigel kamen mit Nummer 18 auf Platz zwei, Lea Weigel mit Nummer 17 auf Platz drei. Allerdings waren beiden Hähne gleich krähstark. Platz zwei und drei wurden durch ein Stechen aufgeteilt.
Lauter und aufgeregter
Die kleinen Hühnerrassen zeigten sich beim Wettkkrähen aufgeregter, auch lauter. Elina Wyckoff schickte einen Mix - ein Mischlingshahn aus Zwergseidenhuhn und Zwergsussex - ins Rennen. Er brachte es auf sagenhafte 45 Krährufe. Damit schlug Elina Wyckoff ihre Widersacherin Hella Bienlein mit ihrem kleinen Hahn, der immerhin 40 Kräher schaffte und Heike Ulbrich mit ihrem siamesischen Zwergseidenhahn. Er brachte es auf 29 Kräher.
Als Spaß bei der Ausstellung kürten die Gäste außerdem das schönste und hässlichste Tier. "Beim hässlichsten Hahn gab es eine klare Meinung: 21 Gäste hatten sich für einen kleinen schwarzen Hahn entschieden. Jana Weigel schickte ihn ins Rennen. Der Hahn hat einen schiefen Kamm. Seine Beine sind mit abstehenden schwarzen Federn bestückt, die ein bisschen aussehen wie dunkel behaarte Beine.
"Während es offenbar eine klare Meinung darüber gibt, was hässlich ist, war es bei der Kür des schönsten Hahnes schwieriger", erklärte der Vorsitzender der Thurnauer Geflügelzüchter Helmut Ulbrich. Denn bei dieser Kür lagen viele Hähne mit vier und fünf Stimmen gleichauf. "Hähne sind wie Menschen. Eigentlich sind doch alle schön. Wahre Schönheit liegt im Auge des Betrachters", kommentierte Brigitte Soziaghi.