Aus der Riege der Spitzenreiter auf der Liste des Corona-Infektionsgeschehens hat sich Kulmbach verabschiedet. Zum Glück. Seit mittlerweile drei Tagen liegt der Wert für die Sieben-Tage-Inzidenz, also für die Neuinfektionen innerhalb einer Woche bezogen auf 100 000 Einwohner, unter dem Schwellenwert von 200.

Ein Wert, der vor kurzem noch unerreichbar schien, und der nun Anlass ist, die bislang rigorosen Beschränkungen im öffentlichen Leben wenigstens ein bisschen zu lockern.

Profitieren könnte davon der Einzelhandel, der seit Ausbruch der Corona-Pandemie mit vielen Einschränkungen leben muss. Die Einzelhändler dürfen ab dem dem heutigen Mittwoch ihre Geschäfte für die Kunden öffnen. Allerdings gibt es dabei etliche Regelungen zu beachten.

Kunden müssen sich vorab anmelden und Termin und Dauer ihres Aufenthaltes im Geschäft fest vereinbaren. "Click & Meet" nennt sich dieses Prinzip.

Je 40 Quadratmeter Verkaufsfläche darf sich nur ein Kunde im Laden aufhalten.

Die Händler müssen die Kontaktdaten ihrer Kunden erheben.

Kunden dürfen nur eingelassen werden, wenn sie ein negatives Ergebnis eines Corona-Testes vorweisen können.

Dieser Test könnte, so vermuten manche, die Angelegenheit kompliziert machen. Zugelassen sind die Ergebnisse von sogenannten POC-Antigen-Tests, die höchstens 24 Stunden alt sein dürfen /(Testmöglichkeiten siehe Seite 10), ferner die Ergebnisse eines PCR-Testes, der höchstens 48 Stunden alt sein darf. Außerdem soll es möglich sein, mit einem Selbsttest nachzuweisen, dass man nicht infiziert ist - "unter Aufsicht vor Ort" , wie es in der Bekanntmachung wörtlich heißt.

Was in der Bekanntmachung nicht steht, aber die logische Schlussfolgerung daraus ist: Wer auf die Selbsttests setzt, muss sich wohl in oder vor jedem weiteren Geschäft, das er an diesem Tag aufsucht, erneut testen. Einen belegbaren Nachweis, auf wen sich das Testergebnis bezieht und wie alt es ist, gibt es bei dieser Art von Tests nämlich nicht.

Selbsttest "nicht praktikabel"

Was dort auch nicht steht: Händler, die sich auf solche Selbsttests einlassen, müssen viel Zeit einkalkulieren. Zwar wird keiner seinen Kunden ganz prinzipiell böse Absichten unterstellen - aber man sollte die Probanden doch im Auge behalten, um sicherzugehen, dass einem am Ende nicht doch ein Testergebnis präsentiert wird, das gar nicht von dem jeweiligen Kunden stammt.

Werner Türk, Inhaber des gleichnamigen Herrenmode-Geschäftes am Holzmarkt, bezeichnet daher diese Selbsttests auch als "nicht praktikabel". Er sei alleine im Geschäft ohne Personal. "Da ist das nicht machbar." Er setzt auf die Schnelltests, für die es in Kulmbach zahlreiche Anlaufstellen gibt (siehe auch Seite 10 unserer heutigen Ausgabe), und auf die Tests aus der Abstrichstelle, macht aber eins unmissverständlich klar: "Ohne Test kommt niemand in den Laden. Ich trage schließlich die Verantwortung."

Im übrigen geht Türk davon aus, dass die Kunden auch weiterhin das Modell "Click & Collect" bevorzugen werden, bei dem bestellte Ware vor dem Geschäft übergeben wird. "Manche Kunden wollen gar nicht rein, weil sie sich nicht testen lassen wollen."

Nur in einem festen Zeitfenster

Gleich nebenan, in der Buchhandlung Friedrich, wird man zunächst einmal beobachten, wie sich der Betrieb unter den neuen Voraussetzungen anlässt. Bislang war es dort möglich, dass Kunden vorbestellte Bücher im Eingangsbereich des Geschäftes abholten - an einem Tisch mit einer Plexiglasscheibe als Schutz für Kunden und Personal. "Das behalten wir bei", sagt Inhaberin Christine Friedlein. Wer sich selbst im Laden umsehen möchte, kann dies ab heute tun - mit Anmeldung und in einem festgelegten Zeitfenster.

Wobei die Buchhändlerin da auf ein unkompliziertes Vorgehen setzt: "Wenn es zeitlich machbar ist, können Termine auch kurzfristig vereinbart werden." Der Zutritt ist dann natürlich, ganz regelkonform, nur mit einem negativen Test möglich. Wenn jemand sich erst kurz vor dem Einkauf selbst testen möchte? Kein Problem, sagt Christine Friedlein, wenn es personell machbar sei, spreche nichts dagegen. "Aber ich persönlich glaube nicht, dass das irgendjemand macht."

Schau'n wir mal... das ist derzeit auch die Haltung von Gudrun Stübinger, Inhaberin des Geschäftes "Wäschetraum" am Marktplatz. Auch sie darf nach etlichen Wochen des eingeschränkten Betriebs ihren Laden ab heute wieder öffnen. Die erste Kundin hat sich gestern Vormittag schon angemeldet.

Wie lange die relative Freiheit für Händler und Kunden dauert, kann derzeit niemand sagen. Dass der Sieben-Tage-Inzidenzwert an drei aufeinanderfolgenden Tagen den Wert von 200 unterschreitet, war die Voraussetzung für die Lockerungen. Sollte der Wert wieder steigen und an drei aufeinanderfolgenden Tagen wieder über die 200er-Marke klettern, könnte es schnell wieder vorbei sein mit "Click & Meet".

Nicht betroffen von der Neuregelung sind Geschäfte, in denen bereits in den letzten Wochen unabhängig von der jeweiligen Inzidenz eingekauft werden durfte. (Siehe dazu auch Seite 18 dieser Ausgabe).

Inzidenzwert wieder stark gestiegen

Die Anzahl der im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion stehenden Todesfälle im Landkreis Kulmbach ist indessen am Dienstag um einen weiteren auf 109 gestiegen. Zudem sind bis Dienstagnachmittag nicht weniger als 51 weitere positive Coronavirus-Fälle bestätigt worden.

Von den aktuell 278 Infizierten sind 143 in den letzten sieben Tagen positiv getestet worden. Der Inzidenzwert pro 100 000 Einwohner ist damit im Landkreis Kulmbach wieder deutlich - auf 199,82 - angestiegen.

In den Teststrecken der Kulmbacher Abstrichstelle wurden am Dienstag 143 weitere Testungen durchgeführt. In Quarantäne befinden sich derzeit 640 Landkreisbürger. 32 Infizierte werden im Klinikum Kulmbach stationär betreut, davon neun intensiv. Durch das Impfzentrum Kulmbach konnten mittlerweile insgesamt 17 943 Erst- und 7143 Zweitimpfungen durchgeführt werden. Die Impfquoten liegen damit bei 25,07 beziehungsweise 9,98 Prozent.

Statistiken zur Pandemie-Lage in der Region finden Sie heute auf Seite 18, weiterführende Informationen zu Covid-19 sowie eine Übersicht der Allgemeinverfügungen im Rahmen der Corona-Pandemie sind jederzeit im Internet unter der Adresse www.landkreis-kulmbach.de/coronavirus nachzulesen.