Ein Mitbegründer der Diakonie
Autor: Redaktion
Kulmbach, Donnerstag, 09. November 2017
Pfarrer Eduard Bachmann leistete nach seinem Weggang aus Kulmbach in Windsheim und Münchberg Beachtliches.
Vor einer Woche habe ich Ihnen einen Platz vorgestellt, den der Pfarrer Johann Friedrich Georg Eduard Bachmann als den schönsten in Kulmbach ansah: die nach ihm benannte Bachmannsruh im Buchwald. Heute erfahren sie mehr über den Geistlichen, der als Mitbegründer der Diakonie gilt. Am 28. Mai 1848 hielt er seine an der Bachmannsruh geschriebene sehr ergreifende Abschiedspredigt in Kulmbach, zwei Tage später folgte die Abreise nach Windsheim. Mit einem feierlichen Empfang mit vielen Reden und einer festlicher Bewirtung wurde die Familie in Windsheim begrüßt.
Seine Berufung zu Sitzungen der Generalsynode 1853 nutze Bachmann, um mit werbenden Worten auf die Gesangbuchnot aufmerksam zu machen. Bezüglich der Gründung einer Diakonissenanstalt in Neuendettelsau und der weiteren Förderung des Armenwesens gewährten ihm die vielfachen Beratungen mit seinem engen Freund Wilhelm Löhe Einblick.
Es war ein schwerer Weg, ehe am 9. Mai 1854 die feierliche Eröffnung der Anstalt erfolgen konnte. Bachmann hielt mit Begeisterung für die Sache die Eröffnungsrede.
Kurze Bauzeit
Noch im gleichen Jahr, am 23. Juni, wurde die Grundsteinlegung eines eigenen Diakonissenhauses vollzogen, im Oktober folgte bereits der Einzug. Auch hier hielt er als Mitbegründer und Vorstand des Diakonissenvereins Bayern die Rede.In seiner Windsbacher Zeit war er Redakteur des "Nördlinger Sonntagsblattes" und Verfasser von Passionsandachten. In der Pfarrbeschreibung der Pfarrei Windsbach wurde er als treuer Streiter Christi gewürdigt, der mit frischer Kraft und Rührigkeit in den politisch und konfessionell bewegten Zeiten "furchtlos und entschieden für Recht und Pflicht in die Schranken trat". Trotz seiner vielfachen Aufgaben wurde er 1849 als Vertreter des Nationalvereins für Industrie, Handel und Gewerbe in den Bayerischen Landtag gewählt.
Letzte Stelle in Münchberg
Am 1. Juli 1856 folgte der Einzug in seine letzte Stelle in Münchberg. Auch hier wurde ihm ein überaus feierlicher Empfang bereitet. Sämtliche Spitzen der Politik und Verbände begrüßten Pfarrer Bachmann und seine Familie am Bahnhof. Gleich machte er sich an die Arbeit. Er richtete Bibel- und Missionsstunden ein und schrieb darüber: "Gott der Herr wolle dazu seinen Segen geben und auch daraus etwas erwachen lassen zum Heile für die Gemeinde und zum Lobe seines herrlichen Namens."
Mit regem Eifer betrieb er den Wiederaufbau des bei dem letzten großen Brand in Münchberg eingestürzten Turmes der Stadtpfarrkirche. So sehr beschäftigte den unermüdlichen das Wohl seiner Gemeinde, dass er Warnsignale seines Körpers nicht beachtete.
Zeugnis seines körperlichen Zustandes legt er in seinem Tagebuch ab: "Ich weiß nicht anders zu sagen, als komme ich mir wie ein Reitpferd vor, dem fortwährend der Sporn in der Seite sitzt, mein ganzes Leben ist bisher ein Galoppieren gewesen und scheint's auch zu bleiben, bis der Klepper ganz umsinkt, und - will's Gott - einmal dort, wo es kein Sorgen und Schwitzen und Rennen mehr gibt, um so süßer auszuruhen."
Plötzlicher Herztod
Ganz frisch war er am Morgen des 16. Mai 1860, dem Tag vor Christi Himmelfahrt, aufgestanden, hatte wie alltäglich mit den seinen die Morgenandacht gehalten und gemütlich das Frühstück eingenommen. Seine Frau hörte aus seinem Arbeitszimmer einen lauten Schrei, eilte zu ihm und fand ihn zusammengesunken vor. Der herbeigerufene Arzt konnte nur noch seinen Herztod feststellen.Unter äußerst zahlreicher Beteiligung seitens der ganzen Gemeinde und der gesamten Geistlichkeit des Kapitels fand am 18. Mai die feierliche Beerdigung statt. Seine Gemeinde hielt so große Stücke auf ihren entschlafenen Hirten, dass man kurz nach seinem Tod eine Sammlung veranstaltete, um sein Porträt in Lebensgröße in der Kirche aufhängen zu können.
Das von dem Maler Maar aus Nürnberg angefertigte Ölgemälde hängt heute im Büro der Friedhofsabteilung in Münchberg. Drei Jahre lebte seine geliebte Emilie im Witwenstand in Nürnberg, wo sie fast auf den Tag genau am 11. Mai 1863 mit 51 Jahren verstarb.
Ein sehr schön erhaltener Grabstein auf dem Münchberger Friedhof erinnert an den aufrechten Streiter Gottes. Ein schlichtes Kreuz thront auf einem Steinsockel, an dem eine Tafel angelehnt steht mit folgender Inschrift: "Hier ruht in Frieden der treue Knecht Gottes, Pfarrer und Dekan all hier Eduard Bachmann, geboren den 19.Nov.1804, abgerufen den 16. Mai 1860 neben seiner Lebensgefährtin, der stillen Magd des Herrn, Emilie Bachmann, geboren den 20.Juni 1811, erlöst den 11. Mai 1863, zwischen den beiden Johannes Hacker, der geliebte erste Enkel".
Wie beliebt der Verstorbene war, beweist, dass seine ehemalige Kulmbacher Gemeinde ihm an seinem "Lieblingsplätzchen" im Jahre 1866 einen Gedenkstein und eine Ruhebank errichteten.
Etwas oberhalb ist im Herbst auch heute noch ein schöner Blick auf die Plassenburg und die Petrikirche möglich und die neue Ruhebank lädt zum Verweilen ein.