"Wasser ist für mich das Lebenselixier", sagt Hannelore Then und steigt ins erfrischende Nass des Kulmbacher Schwimmerbeckens. Eine Liebeserklärung, die zweifellos auch alle anderen Frühschwimmer unterschreiben können. Bei unserem Besuch zur morgendlichen Stund' zählen wir um die 20 Wasserratten - alles im grünen Bereich, denn die Corona-Hygiene-Vorschriften erlauben bis zu 50 Menschen pro Becken.

Und wie haben doch gerade die Stammgäste die Öffnung des Kulmbacher Schwimmbades Ende Juni herbeigesehnt. "Wir haben das sehr vermisst", sagt Hannelore Then, ehe sie sich entschuldigt, dass sie doch jetzt schleunigst ins Wasser müsse. Nach dem Duschen würde sie sonst zu sehr auskühlen. Ihr Mann Reimund geht derweil am anderen Ende des Beckens vorsichtig über die Treppe ins Wasser. Nach einem Oberschenkelhalsbruch ist für den 84-Jährigen das Schwimmen eine wunderbare Möglichkeit, wieder auf die Beine zu kommen. "Wir sind seit 1970 fast täglich im Schwimmbad", hat uns Hannelore Then noch verraten. Klar, dass die fünfmonatige Corona-Zwangspause für die Thens ein großer Verlust an Lebensqualität war.

Das große 50-Meter-Schwimmerbecken ist an jenem Morgen in vier Bahnen aufgeteilt. Auf den Außenbahnen sieht man alle möglichen Schwimmstile, in der Mitte geht es flotter zu. Hier krault eine Frau mit Flossen an den Füßen stoisch, aber in ordentlichem Tempo rauf und runter. "Sie schwimmt immer um die vier Kilometer", weiß eine Brustschwimmerin auf der Nachbarbahn. Die Frühschwimmer kennen sich halt alle.

So wie Andi Schulze und Willi Kolb. "Das ist der Dolphin-Willi", stellt Andi Schulze seinen Sportkameraden aus Ködnitz scherzhaft vor. Beide treffen sich allmorgendlich im Freibad. "Ich war gleich am ersten Tag da, als das Bad wieder aufgemacht hat", sagt der 63-jährige Schulze. Beide sind aber schon wieder am Aufbruch, die morgendliche Sportstunde ist beendet. Willi ist zum Kaffee verabredet, Schulze will sich noch eine Debreziner zum Frühstück kaufen, ehe er sein Bekleidungsgeschäft in der Fußgängerzone aufsperrt. "Ich schwimme fünf Mal die Woche, fühle mich sehr wohl dabei", sagt Willi Kolb, bekannt auch als kritischer SPD-Gemeinderat von Ködnitz. Seit er nicht mehr arbeitet, geht er regelmäßig früh schwimmen. "Sonst werde ich dick", lächelt Kolb, der von seiner Familie zu Weihnachten eine Jahreskarte fürs Hallen- und Freibad geschenkt bekommen hat.

Keine Maskenpflicht

Wer derzeit das Kulmbacher Freibad besucht, muss zwar keine Maske tragen, aber sich am Eingang namentlich in eine Liste eintragen, Laufwege beachten und Abstand halten - auch im Becken. "Die Leute sind diszipliniert", sagt Andi Schulze. Die Corona-Regeln hätten sogar auch ihr Gutes, wie Willi Kolb meint: "Da verteilen sich die Leute besser im Becken, man hat mehr Platz zum Schwimmen." Beachtliche eineinhalb Stunden verbringt der 71-Jährige im Wasser, schwimmt allerdings ganz gemütlich Brust. Auf die Distanz schaut er nicht, nur auf die Uhr. "Das Schwimmen hält mich fit", sagt er, und verabschiedet sich in die Innenstadt - der alte Fußballkumpel wartet schon.