Auf den Straßen des Landkreises Kulmbach fahren immer mehr rein elektrisch angetriebene Autos. Die Wechselprämie zeigt offenbar Wirkung. Anfang des Jahres gab es in Kulmbach 112 E-Autos, aktuell sind es bereits 225, und das Jahr ist noch nicht zu Ende. "Allein in den letzten drei Wochen wurden 15 elektrische Fahrzeuge zugelassen. Das ist wirklich viel", freut sich die Klimaschutzmanagerin des Landkreises, Ingrid Flieger.

Bei den Hybridautos, die mit Strom und Benzin fahren können, hat sich die Zahl ebenfalls fast verdoppelt. Anfang des Jahres waren es hier noch 497, inzwischen sind es 826. Doch kürzlich gab es eine Riesenaufregung. Grund ist ein Hinweisschild, das die Stadt Kulmbach an der Elektroladesäule auf dem Eku-Platz aufstellen ließ. Darauf steht, dass während des Ladens Parkgebühren anfallen können.

"Das war schon immer so"

"Das war schon immer so. Der Eku-Platz ist tagsüber gebührenpflichtig", erläutert der Pressesprecher der Stadt, Jonas Gleich. Man habe am Anfang darauf verzichtet, an der Ladesäule explizit den Hinweis auf ein gültiges Parkticket anzubringen. Nachdem dies E-Auto-Fahrer häufiger zum Anlass genommen hätten, ihren Wagen ohne gültigen Parkschein zu laden, habe man gehandelt.

Allerdings sei das Laden selbst an der gelben Säule des Bayernwerks völlig kostenlos. Und eine Änderung sei auch nicht vorgesehen, betont Gleich.

30 000 Kilowattstunden Stromverschenkt

Seit Inbetriebnahme der Ladesäule habe die Stadt bereits rund 38 000 Kilowattstunden Strom verschenkt. Bei einem Kilowattpreis von rund 30 Cent mache das mehr als 11 000 Euro aus, sagt der Pressesprecher. Auch an der Ladesäule am Pörbitscher Weg könne kostenlos Strom gezapft werden.

Zum Vergleich: In der Nachbarstadt Bayreuth entfallen die Parkgebühren am Rathausplatz, dafür bezahlen alle Elektroautobesitzer für den Strom, den sie laden.

In Kulmbach verschenkt auch die Sparkasse Strom an ihre Kunden. Und das schon seit fünf Jahren. Die Bank richtete für ihre Kunden bereits im Oktober 2015 eine öffentliche Ladesäule ein. "Wir legen seit Jahren Wert auf die Themen Nachhaltigkeit und regenerative Energien. Alle unsere Stromverträge sind auf erneuerbare Energien umgestellt", erklärt Pressesprecherin Daniela Krüger.

Im vergangenen Jahr habe die Sparkasse mit den eigenen Photovoltaikanlagen 1,9 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt - bei einem Verbrauch von 1,35 Millionen Kilowattstunden.

"Insgesamt haben wir derzeit 27 Ladesäulen iim Landkreis, die von allen genutzt werden können", sagt die Klimaschutzmanagerin Ingrid Flieger. Und weitere seien geplant, darunter in der Bauergasse in Kulmbach sowie in Neudrossenfeld und Neuenmarkt. Laut Kerstin Fellenzer von N-Ergie würden diese 2021 installiert.

Neue Förderkulisse

Auch in Kasendorf soll eine Ladesäule entstehen. Dies haben die Gemeinderäte laut Bürgermeister Norbert Groß bereits beschlossen. Doch man wartet noch auf eine neue Förderkulisse, um die Kosten für den Markt gering zu halten. In Kasendorf soll die Ladesäule übrigens direkt neben dem Rathaus platziert werden.

Viele Jahre konnten die kommunal errichteten Ladesäulen der Firma N-Ergie kostenfrei genutzt werden. Das bedeutet: Der Strom wurde an diesen Ladepunkten verschenkt - als Anreiz für die E-Pioniere. Seit einigen Monaten kostet die Kilowattstunden 32 Cent.

"Dies hat zu einem Rückgang der Ladevorgänge geführt", gibt Kerstin Fellenzer zu. Den Preis kann man übrigens ganz leicht mit einer kostenlosen App einsehen. "Dynamische Anzeigen, wie man sie von Tankstellen kennt, sind derzeit nicht vorgesehen. Dennoch ist Transparenz gegeben, die Preise werden den Kunden vorm Start des Ladevorgangs angezeigt", so Fellenzer.

"Ich bin überzeugt, dass sich die Elektromobilität auf dem Zweitwagenmarkt durchsetzen wird. Es gibt neun Millionen Haushalt mit mindestens zwei Fahrzeugen, von denen können sich 81 Prozent vorstellen, ein Elektroauto als Zweitwagen zu nutzen", so die Klimaschutzmanagerin. Die Kaufprämie von bis zu 9000 Euro sei natürlich ein Anreiz. Und auch die heimischen Ladestationen würden gefördert.

Strom zu Hause produzieren

"Wir erleben hier einen echten Boom, was die Förderung der heimischen Wallboxen angeht. Bis zu 900 Euro Zuschuss werden über die Kreditanstalt für Wiederaufbau ausgereicht, so dass auch zu Hause in der Garage nachgeladen werden kann. Die Nachfrage ist richtig gut", sagt Flieger. Allerdings seien nur Wallboxen förderfähig, die mit Ökostrom betrieben werden.

"Wir haben den Anfang gemacht, um Elektromobilität voranzubringen. Aber ich bin der Meinung, dass die Tankstellen verpflichtet werden müssen, Ladepunkte einzurichten, auch in unserem ländlichen Raum", sagt die Kulmbacher Klimaschutzmanagerin. Sie steht mit dieser Forderung nicht allein da. Die Bundesregierung will künftig Tankstellenbesitzer dazu verpflichten, auch für E-Autos Ladesäulen einzurichten und hat eine milliardenschweres Konjunkturpaket auf den Weg gebracht. Wichtig sind vor allem Schnellladestationen. Der Anteil liegt aktuell bundesweit nur bei 14 Prozent.

Wo Elektrotankstellen zu finden sind, ob sie kostenlos sind und wie sie freigeschaltet werden können, findet man im Internet unter der Adresse www.goingelectric.de/stromtankstellen.