Dunkles Bier und starke Worte
Autor: Horst Wunner
Neudrossenfeld, Sonntag, 25. März 2018
Das erste Starkbierfest des Kreisverbandes der Freien Wähler war ein Erfolg. Im Mittelpunkt stand die bevorstehende Landtagswahl
Es war ein Versuch und er ist gelungen: Das 1. Starkbierfest des Kreisverbandes Kulmbach der Freien Wähler (FW). Im Saal des Bräuwercks mundete den zahlreichen Besuchern nicht nur das leichte Rauchbier, von Braumeister Bernd Weibbrecht vorgestellt, sondern auch das Rahmenprogramm: Ein gelungener Mix aus Politik, Musik, fränkischen Spezialitäten und einem herzhaften "Derblecken". Im Mittelpunkt des Wahlkampfauftakts der wortstarke Rainer Ludwig, FW-Landtagskandidat, der sich als der kompetente Mann vorstellte mit dem klaren Ziel, ins Maximilianeum einzuziehen. Der Chef des Kreisverbandes sagte im Beisein von Bürgermeistern und Ortsverbandsvorsitzenden, dass Stärke und Bier zusammen gehören, "deshalb lassen Sie uns Kraft tanken für das Wahljahr 2018, wo wir Stärke zeigen und ihm einen Kick geben wollen".
Zusammen mit Klaus Förster, der für den Bezirkstag kandidiert.
Ludwig möchte aktuelle Themen einbringen und die fest positionieren. "Wir Freien Wähler sind nicht Trittbrettfahrer, sondern haben ein eigenes, unverwechselbares Profil, wir sind Bayerns starke Mitte", betonte er unter starkem Beifall der Zuhörer. "Wir machen uns 'stark' für unsere Heimat - für Bayern und für unsere oberfränkische Region - dort wo unser Herz schlägt!". Und er verteilte einen gezielten Seitenhieb auf die FDP und Thomas Nagel. "Wenn der davon spricht, man habe ein gemeinsamen Ziel, den Wiedereinzug in den Bayerischen Landtag, dann haben die Gelb-Blauen wohl noch nicht registriert, dass die Freien Wähler sich dort schon seit zehn Jahren etabliert haben. Wir wollen vielmehr eine FDP im Landtag verhindern".
Ludwig reagierte auf FDP-Angriffe und nannte die Kulmbacher FDP eine Partei, die ihre Nominierungsversammlungen auch in einer Telefonzelle hätte abhalten können. "Wer wie die FDP die Regierung als Augsburger Puppenkiste tituliere, müsse aufpassen, nicht selbst zum Kasperl zu werden". Die sogenannten großen Parteien erodieren und würden an Glaubwürdigkeit verlieren, "für uns ist das vielleicht die historisch einmalige Chance, die Bürger für unsere Politik der Mitte zu gewinnen".
Stichpunktartig listete der Kreisvorsitzende relevante Themen auf: Mit bildungs-, sozial- und familienpolitischen Schwerpunkten und gleichwertigen Lebensbedingungen als Kernproblem will man die Abwanderung junger Leute verhindern. Zentrale Aufgaben sind die Stärkung des Handwerks, des Mittelstandes und der Landwirtschaft. Er brach auch eine Lanze für die "Mitmachgesellschaft", für das Ehrenamt. "Klaus Förster und ich sind in der Region verwurzelt und mit Leidenschaft und Herzblut Freie Wähler, dafür wollen wir uns engagieren", und er bat nochmals um Geschlossenheit und das Vertrauen der Wähler auf dem Weg nach München und in den Bezirkstag.
Auf die Politik der Mitte ging auch Landtagsvizepräsident Peter Meyer ein, stellte heraus, wie viel die Freien Wähler schon im Landtag und in den Kommunen bewegt hätten. "Auf dem Weg, Politik für die Menschen zu machen, sind wir gut unterwegs". Landtagsabgeordneter Thomas Glauber aus Forchheim bezeichnete die Freien Wähler als eine Lokomotive, die das kommunalpolitische Erbe verteidigt. Es sei unerträglich, wenn Gelder in München für eine Verkehrsröhre in Höhe von fast 3,4 Milliarden Euro verbraten werden und in Oberfranken die Elektrizifierung der Bahn auf Eis liegt, oder für eine Konzerthalle, "für eine Bayerische Elbphilharmonie", eine Summe von 600 bis 700 Euro bereitgestellt wird, während der Freistaat die Musikschulen im Lande mit lediglich zehn Prozent unterstützt und die Mehrlast die Kommunen tragen müssten.
Meyer wie Glauber sehen in Ludwig den geeigneten Kandidaten, für die Menschen etwas zu erreichen. Das Selbstbewusstsein der Freien Wähler hob Landrat Klaus Peter Söllner hervor. "Wir sind aus der Gemeinde- und Landespolitik nicht mehr hinwegzudenken, die Stärke auf kommunaler Ebene muss sich im Landtag abbilden". Eine Lanze brach er für Rainer Ludwig: "Du bist ein hervorragender Kandidat, ein weithin bekannter Sympathieträger, der fleißig und mit Nachdruck arbeitet. Die Freien Wähler im Wahlkreis stehen geschlossen hinter Dir". Das wünsche er ihm auch von einem Großteil der Wähler.
Zu einem Starkbierfest gehört auch ein bisschen Kabarett und da hatte man mit dem "Franken" Werner Reißaus einen guten Griff getan, der alle Spielarten des fränkischen Humors glossierte, lustige Begebenheiten aus dem wirklichen Leben zum Besten gab und mit seinen Übersetzungen von Fränkischen ins Hochdeutsche für Lachsalven sorgte. Mit dabei war auch Pendant Nicolas Peter, der mit Stentorstimme die Umgehung von Untersteinach, die Elektrizifierung der Bahn, die Brückenhöhen und den Standort des Bierfestes zum Thema machte.
Straßenausbaubeitragssatzung
Beim Starkbierfest der Freien Wähler im Kreisverband Kulmbach im Bräuwerck nahm die Straßenausbaubeitragssatzung (Strabs) einen wichtigen Part ein. Mit Schlagwörtern wie "Rote Karte für Strabs" soll über ein Bürgerbegehren erreicht werden, dass diese Satzung abgeschafft wird.
Landtagskandidat Rainer Ludwig nannte sie eine Ungerechtigkeit gegenüber den Bürgern. "Das Thema haben wir ins Rollen gebracht und wir werden alles daran setzen und solange Unterschriften sammeln, bis die Regierung das Gesetz auf den Weg gebracht hat". Und sie waren fleißig, die Freien Wähler im Landkreis Kulmbach, brachten etwa 3000 Stimmen zusammen, die nun den Angeordneten Peter Meyer und Thomas Glauber überreicht wurden.
Insgesamt 300 000 Unterschriften seien nun bayernweit zusammen gekommen, eine stolze Zahl. Wenn Ludwig Medienüberschriften lese mit dem Tenor "CSU will Gesetz abschaffen", werde da ein falscher Eindruck vermittelt. Man versuche damit, das Thema für sich zu beanspruchen und auf die eigene Fahne zu heften. Das sei alleinig die Initiative der FW, ähnlich wie frühere Volksbegehren, zum Beispiel die Rückkehr zum G 9 oder die Abschaffung der Studiengebühren.