Über Monate war es ruhig im Interimsgebäude des Klinikums. Doch mit dem Signal Rot der Corona-Ampel in Bayern ist auch im Landkreis eine Verschärfung der Pandemie-Situation zu erwarten. Die Covid-Station wechselt vom Standby- in den Aktiv-Modus. So machen Michael Ernst, Leitende Hygienefachkraft am Klinikum, und ein großes Team von Krankenschwestern und Pflegern Krankenzimmer bereit.

Am Mittwoch und Donnerstag sind viele fleißige Hände damit beschäftigt, die Isolierstation herzurichten, Vorräte zu kontrollieren und aufzufüllen, alle Oberflächen zu desinfizieren. Kistenweise werden Handschuhe, Masken, Schutzkleidung und Desinfektionsmittel verteilt, dazu Medikamente, Sauerstoffbrillen, Absaug-Einrichtungen und vieles mehr vorbereitet.

Jeder Handgriff sitzt

Schnell und effizient arbeitet das Team. Man sieht: Jeder weiß genau, was zu tun ist. Das Klinikum ist vorbereitet auf das, was da bald kommen wird, wenn die Infektionsrate so fortschreitet wie in den vergangenen zwei Wochen. 26 Betten stehen ab heute auf der Covid-Station zur Verfügung - und Geschäftsführerin Brigitte Angermann geht davon aus, dass die auch bald benötigt werden.

Ende Juli war Thomas Banse, Leitender Arzt und Pandemiebeauftragter am Klinikum, noch entspannt im Hinblick auf die vierte Welle. Wie die meisten Fachleute rechnete er nach der großen Impfbereitschaft in der ersten Jahreshälfte mit kontinuierlich steigenden Impfquoten. "Diese Hoffnung hat sich leider nicht erfüllt", bedauert Banse: "Wir sind im Herbst stehen geblieben, haben keine 85 Prozent, sondern nur um die 70. Damit müssen wir jetzt leben."

Thomas Banse sieht die aktuelle Entwicklung nicht als vierte Welle, sondern als die Welle der Ungeimpften. "80 bis 90 Prozent der Fälle, die wir in der Klinik sehen, sind Ungeimpfte mit den gleichen Verläufen, wie wir sie in den Wellen eins bis drei hatten. Die meisten Geimpft-Positiven haben dagegen harmlose Verläufe, die Hälfte sind reine Zufallsbefunde ohne Symptome, die bei vorsorglichen Tests entdeckt werden."

Die Zahl der echten Impfdurchbrüche sei immer noch niedrig, was in den Augen des Mediziners Beleg dafür ist, dass die Impfung tatsächlich schützt. Doch Thomas Banse weiß auch, dass es keine hundertprozentige Sicherheit gibt: "Es gibt auch Durchbrüche mit schweren Verläufen, glücklicherweise nur sehr wenige." In diesen Fällen seien allerdings oft chronische und schwere Krankheiten mit im Spiel, Immunsuppression oder eine sehr schwache Immunantwort auf die Impfung mit niedrigen Antikörpertitern.

"Wir hatten einen guten Sommer mit niedrigen Inzidenzen und kaum Covid- Patienten in der Klinik. In den letzten zwei Wochen hat sich die Situation deutlich dramatisiert, wobei wir im Vergleich zu den Nachbarhäusern bisher noch gut davongekommen sind."

Bisher war ein kleiner Isolationsbereich in der Pneumologie für die Versorgung von Corona-Patienten ausreichend. "Wir hatten nie mehr als eine Handvoll Covid-Patienten." Von einem Tag auf den anderen könne sich die Lage ändern: "Die Dynamik ist erschreckend. Es geht jetzt ganz steil nach oben." Deshalb greift jetzt trotz bislang noch geringer Fallzahlen in Kulmbach der Notfallplan. "Es war immer klar: Wenn nötig, muss die große Covid-Station innerhalb von 48 Stunden einsatzbereit sein. Und das ist sie auch."

Für das Klinikum ist die bevorstehende Aufgabe eine große Herausforderung, in erster Linie personell. "Für die Corona-Station werden wir aus dem gesamten Haus Personal zusammenziehen und dafür in anderen Bereichen die Belegung reduzieren müssen", sagt Geschäftsführerin Angermann. Zwar habe das Klinikum nicht durch Corona großflächig Personal verloren, wie dies aus manchen Krankenhäusern berichtet wird, " aber der grundlegende Mangel an Pflegekräften wird uns noch lange beschäftigen", sagt sie. "Wir würden gerne noch Mitarbeiter einstellen, wenn wir sie bekämen."

Ein Team von Freiwilligen

Insgesamt wird man also Prioritäten setzen müssen. Bei verschiebbaren Krankenhausaufenthalten werde man auf die Bremse treten müssen, wenn die Corona-Lage hohen Personaleinsatz fordert, so Pandemiebeauftragter Banse. Dass es möglich ist, das Team für die Covid-Station aus Mitarbeitern zusammenzustellen, die sich freiwillig für diese Aufgabe gemeldet haben, freut ihn. "Das ist nicht selbstverständlich, denn die Arbeit ist schon sehr belastend. Nach den harten Monaten im Frühjahr ist es psychisch schwer, noch einmal in die Covid-Versorgung zu gehen. Aber das ist unser Job, und den machen wir."

Materialnachschub ist momentan kein Problem, sagt Thomas Banse. Nach dem Fiasko Anfang 2020, als es große Lieferschwierigkeiten gab, haben wir unsere Lagerbestände sukzessive aufgerüstet. Man lernt da ja auch dazu: Wir kämen jetzt wochenlang durch, auch wenn kein Nachschub geliefert würde."