Fritz Ruppert verwendet die Formulierung gerne: "Die Hoffnung stirbt zuletzt." Für die Neuensorger Bürger, die von der geplanten Trasse des Ostbayernrings betroffen sind, ist diese Redewendung aktueller denn je. Der Grund: Sie kamen in den seltenen Genuss, dass sich zwei Mitglieder des Petitionsausschusses vor Ort um ein Anliegen kümmern, auch wenn dieses bereits negativ beschieden worden ist, in diesem Fall vom Wirtschaftsministerium.

Es geht um den Ersatzneubau der 380 kV-Stromleitung von Redwitz nach Schwandorf, von der die Bürger im Streckenabschnitt Traindorf-Neuensorg eine Monstertrasse befürchten. Die Leitung, so ihre Forderung, solle deshalb unterirdisch verlegt werden - als Pilotprojekt (die BR berichtete).


Viele Gründe gegen Freileitung

Eine entsprechende Petition an den Bayerischen Landtag mit ausführlicher Begründung gegen die Freileitung hat Fritz Ruppert eingereicht. Er verweist darin neben den gesundheitlichen Schädigungen unter anderem auf die Zerstörung der Natur und des Fremdenverkehrs als "letztes Standbein des Frankenwalds", den zu geringen Abstand von 200 Metern zu Einzeln, die Vermögensentwertung durch sinkende Immobilienpreise und die gravierende Beeinträchtigung der Waldbauern.

Den Termin, den die Abgeordneten Jürgen Baumgärtner (CSU) und Thorsten Glauber (FW) als Mitglieder des Petitionsausschusses am Montag wahrnahmen, flankierten auch Landtagsvizepräsidentin Inge Aures, Landrat Klaus Peter Söllner, Bürgermeister Franz Uome, Corinna Börner von der Wirtschaftsabteilung der Regierung von Oberfranken und zahlreiche Bürger. Als Ruppert vor dem hochkarätigen Auditorium in seiner bekannt nassforschen Art zur Kritik anheben wollte ("Die Politik sitzt das Problem aus") wurde er von MdL Baumgärtner eingebremst: "Dass wir sehr interessiert sind, erkennen Sie daran, dass wir hier sind. Es ist eigentlich nicht üblich, dass der Wirtschaftsausschuss einen Ortstermin macht."

Dann wurde es sachlich, Ruppert trug die Bedenken seiner betroffenen Nachbarn vor und erläuterte den Politikern anschließend draußen beim VfR-Sportplatz und beim Hof der Familie Pittroff die örtlichen Gegebenheiten. Die von Eugen Pittroff geäußerte Befürchtung, die bestehende Freileitung werde gar nicht abgebaut, zerstreute der CSU-Abgeordnete: "Sie sehen hier die vier Masten, die bei der Neutrassierung definitiv wegkommen."


"Noch vor der Sommerpause"

Wieder zurück im Sportheim, zogen die beiden Abgeordneten ein Fazit. Thorsten Glauber ("Ich werde den Vorsitzenden bitten, das Anliegen auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu nehmen") versicherte eine abschließende Behandlung noch vor der Sommerpause. "Die Stellungnahme des Wirtschaftsministeriums lautet, der Petition nicht stattzugeben. Es liegt jetzt an uns, dagegen aktiv zu werden und darauf zu drängen, dass die Bedenken neu gewürdigt werden. Der Blick vor Ort war richtig und wichtig", sagte Glauber, der sich klar als Unterstützer der Neuensorger Bürger zu erkennen gab: "Sie können davon ausgehen, dass ich meine Entscheidung schon heute treffen kann."

Auch Jürgen Baumgärtner äußerte sich positiv. Während es auf Bundesebene nicht gelungen sei, habe die bayerische Staatsregierung versucht, den Ostbayernring in die Erdverkabelung zu bringen. Allerdings gebe es im Freistaat noch kein einziges Pilotprojekt. Er, so Baumgärtner, teile die Einschätzung des Bürgermeisters, bei Neuensorg die Erdverkabelung durchzuführen. "Das muss dort geschehen, wo es Sinn macht, nicht dort, wo jemand sitzt, der mit vielen Ämtern eine Machtposition einnimmt."


Von Nähe zur Trasse beeindruckt

Ihn habe auch die Nähe der Ortschaften und Höfe zur Trasse beeindruckt, zumal dort auch junge Familien in Richtung Fremdenverkehr etwas tun wollen. Baumgärtner: "Ich sichere mein Bemühen zu, das Pilotprojekt hinzukriegen. Ob wir die nötige Unterstützung in Berlin generieren, kann ich aber nicht versprechen."

Auch der Unterstützung von Landtagsvizepräsidentin Inge Aures können sich die Neuensorger sicher sein. "Ich war schon hier und habe demonstriert. Ich kämpfe an der Seite der Bürger", sagte sie.

Sowohl Bürgermeister Franz Uome als auch Landrat Klaus Peter Söllner waren angetan von den Statements der Abgeordneten: "Wenn es gelingt, das Thema nochmals aufzubohren, dann wäre das eine ganz große Geschichte", betonte Söllner.