Eine von imposanten Bäumen gesäumte Allee ist ein schöner Anblick. Muss ein alter Baumbestand einer neuen Straße weichen, so dauert es Jahrzehnte, bis die Wunden verheilt sind und Ersatz herangewachsen ist. Ein Beispiel dafür ist die Theodor-Heuss-Allee, die die Kulmbacher Ortsteile Melkendorf und Burghaig verbindet.

Schulkinder pflanzten die erste Allee

81 Birken wurden im März 1983 zu Brennholz, weil die "Hornschuchallee" der neuen Gemeindeverbindungsstraße Burghaig-Melkendorf weichen musste. Ein Großprojekt, für das unter anderem ein großes Brückenbauwerk erforderlich wurde und das insgesamt 11,7 Millionen D-Mark kostete. Der ehemalige Kirchenweg zwischen den Ortsteilen war dem modernen Verkehrsaufkommen nicht gewachsen, vor allem im Begegnungsverkehr wurde es heikel.

Gepflanzt hatten die Birken 30 Jahre zuvor Schüler der Burghaiger Schule, berichtete damals die Bayerische Rundschau. Schulleiter Heinrich Schneider hatte den Kindern 1953 auf diese Weise im Heimatkundeunterricht ein praktisches Beispiel liefern wollen, wie man der drohenden Versteppung der Blumenau begegnen könnte. Blumenau nannte man in den 1950er Jahren die Mainwiesen - wegen der Vielzahl an Gräsern und Blumen, die dort zu finden waren.

Mit einem Leiterwagen hatten die Schüler die jungen Birken aus einem Waldstück unterhalb von Lindig herbeigekarrt und pflanzten sie entlang der Straße ein. Auch nach der offiziellen Einweihung kümmerten sie sich noch den ganzen Sommer hindurch um die Bäume: Sie schleppten Wasser in Eimern zur Allee, um die Birken regelmäßig zu gießen, damit sie gut anwuchsen.

30 Jahre später waren die kleinen Bäumchen zu einer prächtigen Allee herangewachsen - und fielen zum großen Bedauern vieler Bürger der Kettensäge zum Opfer. Bürgerproteste gegen den Straßenbau und die Abholzung hatten das nicht verhindern können.

7000 Mark aus der Vereinskasse

Nach dem Abschluss der Bauarbeiten hat die Stadt Kulmbach linksseitig Richtung Melkendorf einige Ahorn-Bäume nachgepflanzt, erinnert sich Friedhelm Haun, Kreisfachberater für Gartenbau und Landespflege am Landratsamt Kulmbach. Dass die Straße heute wieder eine echte Allee ist, verdankt die Stadt dem Gartenbau-Kreisverband Kulmbach, dessen Geschäftsführer Haun ist. "Zum Milleniumswechsel wollten wir etwas Bleibendes schaffen", erzählt der 65-Jährige. 7000 Mark aus der Vereinskasse ließ man sich die Anschaffung von 26 weiteren Ahornbäumen kosten. Man wählte keine Jungpflanzen, sondern stattliche junge Bäume, die damals schon vier bis viereinhalb Meter hoch waren. "Wir wollten ja die Allee vervollständigen. Da sollte der Unterschied zu den bestehenden Bäumen nicht zu groß sein."

Die Bäume kaufte der Kreisverband, die Arbeit übernahm die Stadtgärtnerei beziehungsweise später der Baubetriebshof. Stadtgärtner Jürgen Ganzleben und sein Team pflanzten die Bäume und kümmern sich bis heute um die Pflege.

Warum hat man sich damals für den Spitzahorn als Alleebaum entschieden? "Der Ahorn kann recht alt werden, ohne weiteres hundert Jahre, und er kommt vor allem gut mit Trockenstress zurecht", erläutert Baumexperte Friedhelm Haun. Das ist wichtig, denn der kleine Böschungsbereich, in dem die Bäume wurzeln, ist sehr trocken.

Stark, gesund, acht Meter hoch

Offensichtlich haben Haun und die Mitglieder des Kreisverbands vor 30 Jahren eine gute Wahl getroffen. Die Bäume sind inzwischen durchschnittlich acht Meter hoch und haben bis zu 20 Zentimeter Stammdurchmesser. In ein paar Wochen schon werden die Kronen wieder üppig grün belaubt sein. Auf diesen Anblick freut sich der Kreisfachberater schon jetzt.

"Alleen sind in vielfacher Hinsicht wertvoll, sagt er. "Sie sind optisch eine Bereicherung, und bei Dunkelheit haben die Bäume auch eine leitende Funktion und zeigen den Kurvenverlauf an. Ökologisch betrachtet sind die bald wieder blühenden Bäume Nahrungsquelle vor allem für Wildbienen, werden aber ebenso von Vögeln als Ansitz und Nistplatz genutzt. "Die Vögel stören sich selten an Autos. Sie haben mehr Angst vor den Menschen als vor ihren Fahrzeugen."