Die Franken, ihre Sprache und der Duden
Autor: Redaktion
Kulmbach, Donnerstag, 03. April 2014
Neulich unterhielt ich mich im Restaurant mit einer weltgewandten jungen Dame, die vor kurzem berufsbedingt aus Hessen in unser schönes Oberfranken gezogen war. Und da ging es irgendwann auch aum fränkische Lieblingswörter.
Mein leiser Neid auf ihr perfekt artikuliertes Hochdeutsch (eine Fähigkeit, die mir als gebürtiger Oberfränkin wohl auf ewig verwehrt bleiben wird) war längst verflogen, da konnte ich mir die spitze Frage, was denn nun ihr liebstes fränkisches Wort sei, nicht verkneifen.
Die Antwort kam prompt: heuer. "Heuer"? Bislang nahm ich an, dass dies ein im Duden aufgeführtes Wort sei. War ich schon so tief im oberfränkischen Dialekt gefangen, dass ich mundartliche Ausdrücke als hochdeutsch ansah? Habe ich mich damit etwa schon einmal blamiert? Gibt es für mich noch Hoffnung? Zu Hause wurde sofort der - wie sollte es im digitalen Zeitalter anders sein - Online-Duden zu Rate gezogen.
"Heuer" ist aufgeführt und bedeutet "in diesem Jahr; heutzutage" und wird im süddeutschen, österreichischen und schweizerischen Raum gesprochen.
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Kein Wunder, dass meine Bekannte aus Nordhessen damit zunächst nichts anfangen konnte, die Selbstzweifel waren somit auch beseitigt.
Da stellt sich doch die Frage, ob es Wörter wie "Nölla" (kindischer Erwachsener), "Robern" (Schubkarre) und "graatschn" (sich Zeit lassen) auch in den Duden schaffen können. Schön wäre es ja - wir müssen nur noch das restliche Süddeutschland, die Österreicher und die Schweizer zum "Fränkeln" überreden...