Es gab einmal eine Zeit, da haben die Menschen für eine Jeans 98 Mark bezahlt. Für Karotten-Jeans, Bundfalten-Jeans oder für Jeans mit "Schlag". Im Laden von Swenia Koch gibt es solche Hosen noch, versehen mit dem Original-Hersteller-Etikett und Original-Preisschildern aus den siebziger oder achtziger Jahren.

Heute bezahlen die Kunden natürlich mit Euro. Nicht nur die Jeans, sondern auch Blousons aus Ballonseide, grellbunte Jacken aus Kunstleder, oder Häkelpullis aus garantiert 100 Prozent Polyacryl - auch das alles unverkennbar der letzte Schrei aus einer Zeit, die rund fünf Jahrzehnte zurückliegt. "Junge Leute stehen auf sowas", sagt Swenia Koch. Sie muss es wissen. Sie selbst ist gerade mal 25 Jahre alt. Nur ein Jahr älter ist ihr Freund Daniel Schalew, mit dem sie vor einem knappen Jahr ihr Unternehmen gegründet hat. "Echt juter Laden" heißt das Geschäft in der Mangersreuther Straße 9. Der Name ist ein Wortspiel und hat zu tun mit den bedruckten Stoff-Beuteln, die auch dort verkauft werden.

In erster Linie aber geht es um Mode: Swenia und Daniel betreiben den ersten und bislang einzige Vintage-Store in Kulmbach.

Was ihre Eltern oder Großeltern einst als Altkleider entsorgten, ist bei jungen Leuten von heute wieder angesagt. Nicht etwa, dass sie einfach den Stil einer vergangenen Epoche kopieren würden. Sie schaffen sich vielmehr einen neuen Stil - und dazu gehört auch das Prinzip der Nachhaltigkeit.

Swenia Koch und Daniel Schalew bieten in ihrem "Juten Laden" so gut wie keine Neuware an. Stattdessen: Kleidung, die zu schade ist für den Reißwolf, in dem vieles aus Altkleidersäcken oder Containern letztlich landet. "Es gibt so vieles, das man noch gebrauchen kann und nicht gleich wegschmeißen muss."

Gerne handgemacht

Woher die Ware stammt? "Betriebsgeheimnis", sagt Swenia Koch lachend. Um zu ergänzen, dass das vor allem für die Vintage-Stücke gilt. Manches andere findet den Weg direkt vom Kleiderschrank des Erstbesitzers in den Laden.

Nachhaltigkeit ist das generelle Fundament des Unternehmens, "handmade", also handgemacht ein weiteres Attribut, das bei den Kunden derzeit hoch im Kurs steht und auch auf das eine oder andere Stück im Sortiment passt. Auf die Scrunchies zum Beispiel, die mit Stoff bezogenen Haargummis. "Das hier", sagt Swenia und zeigt einen hellbraunen Scrunchie, "war mal eine Cordhose. Da war der Reißverschluss kaputt, aber eine Reparatur wäre zu teuer geworden." Also wird aus der Hose ein Haargummi. Eine alte Bluse wird zum Bezug für Haarspangen, ein ausgedientes Hemd führt ein neues Leben als Sonnenhut.

Nachhaltigkeit war auch das Grundprinzip bei der Ladeneinrichtung, die selbst gebaut ist: Viel Holz, ein altes Sofa, durchgesessen, aber mit viel Charme. Ein Fernseher aus den Sechzigern ("Der geht aber nicht mehr"), darauf eine Tischlampe mit Goldborte, die ein warmes Licht auf ein goldgerahmtes Frauenporträt ("Vom Sperrmüll") wirft.

Zwischendrin ein Kleiderständer mit dem, was das zweite Standbein der Jungunternehmer ausmacht: Baumwolltaschen und -beutel, T-Shirts und Hoodies, bedruckt von Daniel mit Motiven nach eigenen Entwürfen. Das alles gibt es auch im Online-Shop von "Echt juter Laden". Dem Online-Geschäft haben es Swenia und Daniel wohl zu verdanken, dass sie die letzten Monate meistern konnten. "Wir haben Corona überlebt", sagt Swenia. Und das ist bei einem so jungen Unternehmen keine Selbstverständlichkeit.

Eine Community

Die Gründer sehen sich freilich nicht nur als Unternehmer, sondern als Teil einer Community, also einer Gemeinschaft mit Zusammengehörigkeitsgefühl. Dazu passt die als "Marketplace" bezeichnete Kistenwand im Laden, wo jeder, der selbst nachhaltige Produkte herstellt, gegen eine Gebühr die Möglichkeit hat, sich zu präsentieren. Dazu gehören Aktivitäten in den sozialen Netzwerken. Und dazu gehören nicht zuletzt Gesprächsrunden im Laden. So trifft sich die Community heute ab 18 Uhr, um mit den Betreibern des Naturerlebnishofes in Hummendorf zu diskutieren. Das Thema: Nachhaltigkeit.

Kleidung, Bücher und Geschirr: Hier findet Gebrauchtes neue Besitzer

Nicht alles, was nicht mehr benötigt wird, ist gleich ein Fall für den Müll. Für vieles finden sich Abnehmer, die auf diese Weise Ressourcen schonen - und Geld sparen. Wo man sich im Raum Kulmbach mit gut erhaltenen Gebrauchtwaren versorgen kann, listen wir hier - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - auf.

Kleidung: In der KU-Katz im Familientreff in der Negeleinstraße (https://gummi-stiftung.de/familientreff/kukatz-second-hand/) gibt es vor allem Kinderbekleidung und Kinderausstattung gebraucht und zu günstigen Preisen. Second-Hand-Bekleidung erhält man auch im Kleiderladen des Roten Kreuzes in der Fischergasse (www.brk-kulmbach.de, Stichwort Leistungsbereiche/Kleiderladen).

In Neuenmarkt, Schulstraße 9, steht das Sozialkaufhaus Ruth allen Menschen offen, die mit einem knappen Budget haushalten müssen. VerkaufszeitenMittwoch von 17 bis 18 Uhr.

Die Kleiderkammer Thurnau "Komm. Greif zu!" in der Berndorfer Straße 16 ist freitags von 16 bis 18 Uhr geöffnet.

Die Kleiderkammer des Caritas-Kreisverbandes Kulmbach ist in der Bauergasse 3 und 5 untergebracht. Sie ist Montag und Donnerstag jeweils von 9 bis 11 Uhr geöffnet.

Bücher: Der Bücherflohmarkt, veranstaltet vom Freundeskreis der Werkstatt für Menschen mit Behinderung Melkendorf ("Lebenswerk") findet coronabedingt heuer nicht statt. Im Mönchshof-Bräuhaus gibt es die Möglichkeit, gebrauchte Bücher abzugeben und sich in einem Bücherhäusla im Biergarten mit Literatur aus zweiter Hand einzudecken. Der Bücherschrank des Lions-Clubs am Holzmarkt, der vor einigen Monaten bei einem Brand beschädigt worden war, soll in absehbarer Zeit wieder nutzbar sein.

Hausrat: Geschirr, Besteck, Deko-Artikel und mehr aus zweiter Hand bietet der Ladentreff der Diakonie in der Goethestraße in Kulmbach an (diakonie-kulmbach.de/ladentreff-goethestrasse/).

Lebensmittel: Unter dem Motto "Essen wo es hingehört" sammelt die "Tafel" Lebensmittel, die im Wirtschaftsprozess nicht mehr verwendet werden können, und gibt sie für einen symbolischen Betrag an Bedürftige ab. (www.kulmbacher-tafel.de/). Mitte 2019 hat sich in Kulmbach ein Ableger der Initiative "Foodsharing" gegründet. Deren Ziel ist es, überschüssige Lebensmittel, die vielleicht weggeworfen würden, zu verteilen. Mitmachen kann hier jeder.Interessenten können per Mail unter der Adresse kulmbach@foodsharing.network Kontakt aufnehmen.

Möbel: Derzeit gibt es in Kulmbach keine Möglichkeit, gebrauchte Möbel abzugeben oder zu kaufen. Zwar laufen seit Jahren Bemühungen, ein Nachfolge-Projekt für die Integra auf die Beine zu stellen. Die aber waren bisher erfolglos, weil es keine geeigneten Räumlichkeiten gibt. Die nächsten Anlaufstellen gibt es in Kronach (www.diakonie-klm.de/) und in Bayreuth (Kaufhaus "Regenbogen"). gey

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