Es war im Grunde nur eine Frage der Zeit. Nachdem in der vergangenen Woche in den Nachbarlandkreisen Bayreuth und Lichtenfels die Zahl der Corona-Infizierten drastisch angestiegen ist und auch im Landkreis Kulmbach am Donnerstag die Ampel auf Gelb sprang, war zu erwarten, dass auch bei uns beim Sieben-Tage-Inzidenzwert die Grenze von 50 übers Wochenende fallen würde.

So ist es auch gekommen. Von einem "schwarzen Sonntag" sprach Landrat Klaus Peter Söllner (FW) gestern Abend: "Am Morgen lagen wir noch knapp unter 50, dann kamen an einem Tag 29 neue Fälle hinzu." Der Inzidenzwert schnellte in die Höhe: auf 88,03!

Das bedeutete am gestrigen Sonntag nicht nur für den Krisenstab und dessen Leiter Oliver Hempfling einen langen Arbeitstag. Ein Team von 16 Mitarbeitern des Landratsamts saß den ganzen Tag am Telefon, um die Kontaktpersonen der Neuinfizierten anzurufen, damit diese sich testen lassen können.

Die Gesamtzahl der nachgewiesenen COVID-19-Infektionen beträgt derzeit 412 . Von diesen Fällen gelten 336 wieder als genesen. Unter Berücksichtigung der elf Verstorbenen liegt die Anzahl der aktuell im Landkreis infizierten Personen bei 65. Es befinden sich derzeit drei landkreisfremde Personen in stationärer Behandlung am Klinikum Kulmbach. Keine dieser Personen wird derzeit intensivmedizinisch behandelt.

Von den aktiv Infizierten fallen 63 Fälle in die letzten sieben Tage. Mehr als 700 Landkreisbürger befinden sich momentan in Quarantäne.

Nach Angaben von Camelia Fiedler, Amtsärztin am Gesundheitsamt, existiert allerdings kein nachweisbarer "Infektionsherd", wie eine private Feier oder ähnliches. Viele Fälle seien nach Abstrichen in Hausarztpraxen hinzugekommen, weil sich Patienten mit Symptomen haben testen lassen. Bei der Überprüfung von Kontaktpersonen seien dann weitere Fälle festgestellt worden.

"Die derzeitige Lage ist als kritisch zu betrachten", sagt Landrat Klaus Peter Söllner. Er appelliert an jeden Bürger, alles dafür zu tun, um den Schutz jedes Einzelnen zu gewährleisten. "Abstand halten, Hygienemaßnahmen beachten, Alltagsmaske tragen und vor allem lüften sind grundlegende Maßnahmen im Kampf gegen das Virus."

Die rote Ampel bedeutet, dass strengere Regeln gelten, um das Infektionsgeschehen wieder in den Griff zu bekommen (siehe nebenstehende Übersicht). Kontakte sollten auf das unbedingt notwendige Maß reduziert werden.

Das Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium bleibt nach mehreren Infektionsfällen in der kommenden Woche geschlossen.