Das Ausbruchsgeschehen im Landkreis Kulmbach ist und bleibt hoch, und leider auch diffus. Das teilten Landrat Klaus Peter Söllner und die Leiterin des Staatlichen Gesundheitsamts, Camelia Fiedler, am Ostermontag in einer Pressemitteilung mit. "Leider ist es so, dass wir nicht auf bestimmte Räume oder bestimmte Personengruppen losgehen können, wie das zum Beispiel auf der Baustelle in Mainleus gewesen ist", erklärt Landrat Söllner. Auch in den Gemeinden des Landkreises sei das Geschehen ungleich verteilt. "Kulmbach ist und bleibt der Schwerpunkt. Darüber hinaus haben wir im südlichen Landkreis leicht höhere Werte als im nördlichen."

Camelia Fiedler macht deutlich: "Wir haben keine Hotspots. Das Virus ist im ganzen Landkreis verbreitet, aber nicht in Form von größeren Ausbrüchen." Einige kleinere Ausbruchsgeschehen seien in den Tagen vor Ostern in Kitas und Horten im Landkreis Kulmbach entdeckt worden.

14 positive Fälle seien in neun Einrichtungen bestätigt worden. 164 Menschen mussten deshalb in Quarantäne geschickt werden. "Die Positiven bringen das Virus in ihre Familie. Das ist das Verteilungsmuster, das wir zurzeit sehr häufig erleben. Im Bereich der Einrichtungen und auch der Betriebe greifen die Hygienekonzepte sehr gut. Wir merken, dass diese Konzepte zunehmend in Betrieben gelebt werden. Genau deswegen kommt es nicht zur Entwicklung von Hotspots."

In den Familien komme es derzeit vermehrt zu Fällen, weil dort einfach die normale Nähe eines Haushalts dazu führe, dass sich mehr Personen anstecken. "Zurzeit erleben wir, dass sich, wenn ein Familienmitglied positiv ist, in der Regel alle Haushaltsmitglieder anstecken", sagt Camelia Fiedler.

Grund für diese deutlich höhere Ansteckungsquote ist laut Fiedler die britische Mutante des Coronavirus. Sie dominiere inzwischen im Landkreis Kulmbach mit rund 90 Prozent das Infektionsgeschehen. Die Gefahr, die von dem Virus B.1.1.7 ausgeht, sei deutlich höher. Deswegen werde in diesen Fällen auch das Vorgehen im Bereich der Kontaktnachverfolgung und des Kontaktpersonen-Managements gemäß den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) strikter gehandhabt.

RKI verschärft Maßgaben

Die RKI-Richtlinien wurden mittlerweile verschärft. Es genügt ein zehnminütiger Kontakt im Nahbereich oder ein Gespräch - unabhängig von dessen Dauer - mit einem Infizierten, um als enge Kontaktperson zu gelten. Dies kann nur dann vermieden werden, wenn sowohl der Positivfall als auch die Kontaktperson durchgehend und korrekt einen Mund-Nasen-Schutz oder eine FFP2-Maske getragen haben.

Bei einem gemeinsamen Aufenthalt in einem Raum von mindestens zehn Minuten verhindert allerdings auch die Maske nicht die Einstufung als Kontaktperson. Camelia Fiedler hofft daher auf einen schnellen Ausbau der Impfquote. "Bis zur Zulassung und Auslieferung der Impfstoffe gab es in der Pandemiebewältigung nur die Instrumente des Abstands, der Hygiene, der Masken und des Lüftens. Mit der Impfung kommt nun ein sehr wichtiges Instrument hinzu."

Landrat Klaus Peter Söllner sieht mit Sorge, wie die Ansteckungen sich weiterverbreiten. Inzwischen, sagt er, gebe schon längst nicht mehr ein Infizierter das Virus an einen anderen weiter. Die Reproduktionszahl liege jetzt bei mindestens drei, wenn es um die britische Variante geht. "Das war bei der Urvariante des Coronavirus noch ganz anders. Wir haben eine exponentielle Ausbreitung."

Immer wieder geht auch im Gesundheitsamt Kritik ein. Vor allem dann, wenn Menschen in Quarantäne müssen, wird mittlerweile oft mit Unverständnis reagiert. "Die Kontaktpersonen werden aber nicht durch das Gesundheitsamt produziert. Sie werden durch uns nur ermittelt", betont Camelia Fiedler.

Pandemie-Eindämmung sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sagt der Leiter des Krisenstabs am Kulmbacher Landratsamt, Oliver Hempfling. "Nur aufs Gesundheitsamt zu verweisen, genügt nicht. Erst wenn sich alle aktiv daran beteiligen, Corona zu besiegen, Hygienevorschriften beachten, aber auch die Quarantänevorgaben befolgen und die Kontakte minimieren, werden unsere Infektionszahlen wieder sinken", macht Hempfling deutlich.

Aktuelle Corona-Zahlen

Über Ostern wurden 16 weitere positive Coronavirus-Fälle im Landkreis Kulmbach bestätigt.

Von den aktuellen Corona-Fällen fallen 186 in die letzten sieben Tage. Der aktuelle 7-Tage-Inzidenz-Wert pro 100 000 Einwohner für den Landkreis Kulmbach sinkt somit auf 259,90.

Aktuelle Corona-Fälle gibt es 366, die Fälle der letzten sieben Tage belaufen sich auf 186.

Stationär betreut (außerhalb wohnhaft | intensiv) werden 28 Personen (0 | 9), in Quarantäne befinden sich 807. Corona-Fälle insgesamt: 3377; Genesene 2911; Verstorbene 100.