Bis zur Zerstörung am Konraditag im Jahr 1553 waren die Häuser in Kulmbach aus leicht entflammbarem Holz gebaut. Zum Wiederaufbau schenkte Markgraf Georg Friedrich jenen Bürgern Bauholz, die zumindest die unteren Stockwerke aus Stein errichteten.

In der Markgrafenstadt bestand grundsätzlich immer ein großer Bedarf an Bau- und Brennholz. Dieses wurde aus den schier unerschöpflichen Wäldern des Frankenwalds und des Fichtelgebirges herangeschafft und nahe der Stadt gelagert. Wegen der schlechten Wege war der Transport mit Fuhrwerken nur bedingt möglich. So war man darauf angewiesen, das Holz aus dem Fichtelgebirge auf dem Weißen Main, der Steinach und der Schorgast in die Stadt zu flößen.

Lageplan von 1772

Ein Lagerplatz für Bauholz lag etwa dort, wo heute die Stadthalle steht. Zwischenzeitlich befanden sich in der Sutte der Forst- und Viehhof der Stadt Kulmbach, später das Geschäft von Kuni Meisel, der Schmied Weiß, die Firmen Petschke und Schüler - und daneben die EKU und die Eichmühle.

Auf einem Lageplan von 1772, der den Bereich zwischen Sutte und Weißem Main zeigt, sind die Lagerstellen des Bauholzes am Wasser eingezeichnet.

Der Lagerplatz für Brennholz befand sich bei der Inneren Draht, ungefähr im Bereich der Bücherei am Stadtpark. Um es bis dorthin flößen zu können, zweigte vom Mühlkanal - ungefähr im Bereich Hans-Hacker-Straße/Hardenbergstraße - ein Kanal ab.

Scheite, Gerte, Lachter

Die Scheite auf den Brennholzflößen hatten eine Länge von 75 Zentimetern. Eine Gerte Brennholz umfasste 100 Scheite, zwei Gerten nannte man einen Lachter - in etwa das Maß, welches ein Mann mit ausgestreckten Armen umfassen konnte, circa drei Ster.

Viele Jahrhunderte brachte man so das Holz in die Stadt Kulmbach. Die Flößerei ist ein alter, schwerer Beruf, dessen erste urkundliche Erwähnung im Frankenwald aus dem 14. Jahrhundert stammt.

Das zu schlagende Holz wurde genau zwischen dem Rat der Stadt Kulmbach und den Floßherrn festgelegt. Das Umsägen der Bäume und das Ablängen geschah in den Wintermonaten und oblag den Floßherren. Diese beschäftigten die benötigten Holzhauer und Fuhrleute, die das Holz zu den Floßbächen brachten.

Zwei Zeugen immer dabei

Die benötigten Gelder vom Fällen bis zum Aufstapeln des Holzes in Kulmbach waren Sache der Floßherrn. Damit es aber keine Engpässe bei der Lohnzahlung gab, hat ihnen die Stadt zu festen Terminen Vorschüsse durch den Kammerherrn gezahlt - immer im Beisein von zwei Zeugen. In der Stadt Kulmbach erhielten die Bürger das Holz mit einem Aufschlag von 50 Prozent.

Allzu langes Stammholz konnte durch die Windungen der Flüsse nicht geflößt werden, sondern musste auf dem Landweg herangeschafft werden. Neben kürzeren Stämmen wurden auch gesägte Bretter geflößt.

Falls in der Stadt Kulmbach oder in den umliegenden Dörfern Bedarf gedeckt war, wurden die Stämme und Scheite weiter flussabwärts geflößt.

Fass Bier als Proviant

Kurz vor Mainleus vereinigen sich der Rote und Weiße Main zum breiteren Main. Hier konnten die Stämme "zusammengekoppelt" werden. Dazu benutzte man Wieden, das sind kleine Stämme von Weiden, Fichten oder Tannen, die im Herbst geschnitten und im heißen Wasser erhitzt wurden, um dann durch Einspannen zusammengedreht zu werden.

Die nun größeren Flöße wurden mit Proviant - ein Fass Bier war mit eingerechnet - und wichtigen Gerätschaften ausgerüstet. Je nach Größe gehörte auch ein Ofen dazu und Material, um Hütten auf den Flößen zu errichten.

Immer Kautabak im Mund

Mainleus war ein bedeutsamer Platz für die Flößerei und hat nicht umsonst einen Floßanker im Gemeindewappen. Ein im Jahr 1959 im Main gefundener Anker eines Floßes wurde als Erinnerung an diese Zeit aufgestellt. Die Flößer waren wagemutige, verwegene, grobschlächtige und kräftige Gesellen. Im Fluchen wie in ihren Späßen gaben sie sich rau und derb. Ein Ballen Kautabak gehörte in den Mund, um dann den braunen Saft drei Meter weit zu spucken.

So brachten sie über Jahrhunderte das Holz auf dem Wasser bis Mainz und sogar bis nach Rotterdam.

Geflößt wurde hauptsächlich im Frühjahr, um den höheren Wasserstand durch die Schneeschmelze auszunutzen. Oberhalb der Holzeinwurfstellen wurden zusätzlich Stauweiher angelegt, die dann nacheinander geöffnet werden konnten, um das Holz über weitere Strecken fortzureißen.

Bürger halfen beim Entladen

Vorher mussten noch die an den Flüssen liegenden Mühlen informiert werden, damit sie abgeschaltet wurden, um Schaden zu vermeiden. Für diesen Ausfall erhielten sie eine Entschädigung von den Floßherren.

An den Ufern standen begleitende Knechte mit Floßhacken bereit, um zu verhindern, dass sich das Holz dort festsetzte. Nach einigen Tagen kam das Holz in Kulmbach an und wurde unter Mithilfe der Bürger ans Ufer gebracht.

Mit dem Bau der Eisenbahn Neuenmarkt - Bad Berneck - Bischofsgrün wurde es still um die Flößerei. Die Bahn transportierte das Holz schneller und preiswerter zu den Absatzgebieten. Auch die Schiffbarmachung des Mains machte den Beruf des Flößers unrentabel, denn durch den Einbau von Schleusen verringerte sich die Fließgeschwindigkeit des Wassers, so dass teure Schleppboote eingesetzt werden mussten.

In Deutschland - auch im Raum Kronach - wird die Flößerei nur noch zum Vergnügen ausgeübt.