Barbie auf der Kulmbacher Plassenburg: eine Puppe, so echt wie die Welt
Autor: Sonja Adam
Kulmbach, Sonntag, 15. Juli 2018
Im Zinnfigurenmuseum der Plassenburg zeigt eine Ausstellung die Geschichte der Barbie - aber auch der Rollenklischees.
Barbie hat bis heute keinen guten Ruf. "Sie ist Sinnbild für Schund und Schrott. Es ist ein Wunder, dass sie - bei so viel Kritik - nicht schon selbst zu einer Zicke geworden ist", sagt die Kuratorin der Sonderausstellung Karin Schrey. Sie hat - gemeinsam mit der Barbie-Sammlerin Bettina Dorfmann - und mit finanzieller Unterstützung des Kulturministeriums eine Ausstellung über den Wandel des beruflichen Wertesystems der Frauen konzipiert. "Es geht eigentlich gar nicht um Barbie", sagt Schrey. Eigentlich steht das Frauenbild im Fokus. Trotzdem steht Barbie nun einmal im Mittelpunkt der Ausstellung.
Bettina Dorfmann hat die weltgrößte Barbie-Sammlung. Sie nennt 18 000 Barbiepuppen ihr eigen und ist im Guinness-Buch der Rekorde verzeichnet. Auch die Ursprungs-Barbie hat Dorfmann - es ist eine Rarität, auf die sie besonders stolz ist. "Das ist die Nummer 1 - die gab es nur in den USA." In der Ausstellung in Kulmbach zeigt sie eine Nachbildung. Denn die ersten Exemplare sind nicht lichtecht, würden Schaden nehmen.
Wie aus Lilli Barbie wurde
Barbie ist eigentlich eine Erfindung der Bild-Zeitung. In der Bild hieß die Karikatur, die Barbie einst war, Lilli. Irgendwann modellierte Max Hauser die Puppe nach - als Präsent für Erwachsene. Mit mäßigem Erfolg. Denn Lilli war teuer - zu teuer für die Sechziger Jahre. Bei einer Europareise entdeckte Ruth Haendler, Gründerin von Mattel, die Figur. Lilli wurde in Barbie, weil die eigene Tochter so hieß, umbenannt - und wurde in eine dreidimensionale Ankleidefigur verwandelt. Damit begann der unglaubliche Millionenerfolg der Puppe."Barbie war anfangs ein Synonym für die Frau, der man nichts zutraut", erklärte Karin Schrey bei der Ausstellung. Doch inzwischen hat sie sich emanzipiert. Sie ist längst nicht mehr das Hausmuttchen, das nur auf Kindererziehung beschränkt wird. Barbie ist Tierärztin und Rennfahrerin, sie reitet und spielt Tennis oder Tischtennis. Sie ist Bedienung in einem Fast Food-Restaurant oder auch bei der Armee. Sogar Weltraumbarbies und Barbies, die den Beruf des Flugkapitäns ergriffen haben, gibt es. "Allerdings haben sich die Traumberufe der Frauen bis heute nicht verändert. Frauen werden noch immer Krankenschwester, Verkäuferin, Sekretärin - ergreifen Berufe mit wenig Aufstiegschancen", beklagt Schrey.
Die absolute Lieblingsszene der Aussteller ist die, in der Barbie eine Präsidentenrede hält. "Barbie for President" - alles ist möglich.
Die Ausstellung über die Berufs- und Lebenswelten der Frauen wird durch Workshops bereichert. Besucher können Potenzialanalysen machen. Karin Schrey und Bettina Dorfmann führen einen Workshop durch - und Interessierte können ihre Barbies auch schätzen lassen. Die Barbie des 21. Jahrhunderts hat natürlich ein Tablet und einen ipod. Denn die Barbiewelt ist keine Fiktion, sondern echt. Natürlich hat das Elektronikzeitalter auch die rosarote Barbie-Welt erobert.
Ken darf nicht fehlen
Doch nicht nur Barbie und ihre Berufe sind in der Sonderausstellung zu sehen, sondern auch Ken uns seine Kumpane. Bettina Dorfmann zeigt einen Ken, dessen Bart verschwinden kann. "Ken wurde im Laufe der Zeit immer muskulöser. Und inzwischen gibt es auch Barbies, die eine etwas fülligere Figur haben", so Dorfmann.Zur Barbie-Ausstellung kamen übrigens auch Männer. Tatsächlich sammeln auch Männer Barbies. Die blonden Varianten verkaufen sich übrigens von Anfang an besser. Die Ausstellung hat insgesamt bereits mehr als 400 000 Besuchger angezogen. Sie ist deutschlandweit unterwegs. Die Plassenburg ist die erste Station in Bayern.
Die Ausstellung "Busy Girl - Barbie macht Karriere" ist bis zum 31. März 2019 im Zinnfigurenmuseum auf der Plassenburg zu sehen. so