Auch die Landwirte durchleben unsichere Zeiten
Autor: Adriane Lochner
Schirradorf, Mittwoch, 01. April 2020
Die Produktion in der Landwirtschaft läuft weiter. Bei Feldbau und Viehversorgung gibt es keine Engpässe. Sorge gibt es um Lieferketten und Personal.
Während es durch die Ausgangsbeschränkung in bayerischen Städten vielerorts relativ ruhig ist, gibt es auf dem Land eine vielseitige Geräuschkulisse. Neben dem Vogelgezwitscher knattern Traktormotoren, Landmaschinen rumpeln über die Straßen, hier und da heulen Kreissägen.
Für Landwirte geht der Arbeitsalltag weiter. Wie jedes Frühjahr muss Gülle ausgebracht und Getreide gesät werden, im April dann auch der Mais. Thomas Schmeußer, Landwirt aus Schirradorf, sagt: "Eigentlich ist alles so wie immer, nur der Plausch am Feldrand ist nicht mehr so eng." Wenn es etwas zu besprechen gebe, würde man Abstand halten oder sich sogar lautstark von Traktor zu Traktor unterhalten.
Servicetechniker kommt
"Wenn eine Maschine auf dem Feld kaputt geht, fährt der Servicetechniker ganz normal raus", bestätigt Markus Nicklas, Junior-Chef des Unternehmens Nicklas Landtechnik. Als Vorsichtsmaßnahme wurden die Mitarbeiter der Schirradorfer Firma in zwei Gruppen aufgeteilt, von denen immer eine arbeitet und eine zu Hause bleibt. "Falls sich eine Gruppe infiziert, bleibt das System am Laufen", so Nicklas.
Die Öffnungs- und Servicezeiten seien unverändert, doch der Kontakt mit Kunden wurde so weit wie möglich eingeschränkt. Ersatzteile werden häufiger via Telefon bestellt und ausgeliefert. "Wir fühlen uns gut gerüstet", so Nicklas.
Auch landwirtschaftliche Betriebsmittel wie Saatgut, Pflanzenschutz und Dünger sind derzeit ausreichend vorhanden. Eine Pressesprecherin der BayWa AG teilt dazu mit: "Wir verfügen in unserem Vertriebsgebiet über ein dichtes Standortnetz mit ausreichender Lagerkapazität sowie über eigene Logistikketten, so dass wir hier entsprechend leistungsfähig sind." Kunden seien angehalten, telefonisch oder per E-Mail Kontakt aufzunehmen, beziehungsweise online über das BayWa-Portal zu bestellen.
Saisonkräfte fehlen
"Die Arbeit ist da. Sie muss gemacht werden", sagt Harald Köppel, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands in Kulmbach. Felder würden bestellt und das Vieh versorgt, doch habe die Corona-Krise auch für die Landwirtschaft weitreichende Konsequenzen.
"Wegen der Grenzschließungen haben solche Betriebe große Probleme, die Mitarbeiter aus dem Ausland beschäftigen." Das betreffe vor allem Saisonarbeitskräfte, aber auch Personal mit grenzübergreifenden Pendelstrecken. Um Betriebe und Betriebshelfer zusammen zu bringen setzt der Bauernverband nun verstärkt auf das Vermittlungsportal des Maschinenrings www.daslandhillft.de und versucht über Bezirks- und Landkreisgrenzen hinaus zusammenzuarbeiten.