Apotheker dachte zuerst an einen schlechten Scherz
Autor: Redaktion, Werner Reißaus
Wirsberg, Mittwoch, 06. Juni 2018
Nach dem versuchten Raubüberfall auf die Kur-Apotheke in Wirsberg haben wir mit Apotheker Karl-Martin Fendt gesprochen.
Medikamente versuchte am Dienstagnachmittag ein bislang unbekannter Räuber bei einem Überfall auf eine Apotheke am Marktplatz in Wirsberg zu erbeuten. Gegen 16.20 Uhr betrat ein mit einer Sturmhaube maskierte Täter die Apotheke in Wirsberg und bedrohte einen Angestellten mit einem Messer. Gleichzeitig forderte er von dem Apotheker Karl-Martin Fendt rezeptpflichtige Medikamente. Als der Apotheker in den hinteren Bereich der Apotheke ging, floh der Räuber ohne Beute.
Die Angestellten verständigten umgehend die Polizei. Eine sofort von der Polizeieinsatzzentrale eingeleitete Fahndung verlief bislang ergebnislos.
Der Tatverdächtige wird wie folgt beschrieben:
- geschätzte 165 Zentimeter groß und schlank;
? sprach fränkischen Dialekt;
- bekleidet mit einer schwarzen Adidas-Trainingsjacke mit weiß/grauer Schulterpartie und weiß/grauen Adidas Streifen, Jogginghose mit weißen Streifen
- trug während des Überfalls eine schwarze Sturmhaube mit dunkler Sonnenbrille.
Apotheker Karl-Martin Fendt, der seit 1979 die Kur-Apotheke am Marktplatz betreibt, glaubte zuerst noch an einen schlechten Scherz: "Die Tür zur Apotheke war offen und da kam jemand rein. Ich war gerade im hinteren Bereich, bin dann nach vorne gegangen und dachte zuerst wirklich, es wäre ein Scherz. Dass junge Leute so was Ähnliches wie eine Schnitzeljagd machen. Er stand dann da und forderte, dass meine Damen nach vorne kommen sollen und ich ihm Benzodiazepine aushändigen soll."
Das ist ein Betäubungsmittel, das zur Medikamentengruppe der Tranquilizer gehört, also Stoffe, die angstlösend und entspannend wirken. Die Benzodiazepine gehören zur Valium-Klasse und in Deutschland zu den Medikamenten, die am meisten verschrieben und missbraucht werden. In der Rauschgiftszene wird das Mittel auch zum Stimulieren verwendet. Apotheker Karl-Martin Fendt: "Das war also schon vorbereitet gewesen. Die Ausdrucksweise war geschult. Das war kein Profi. Er hatte ein langes Messer in der Hand und so Fahrrad-Handschuhe an. Ich habe ihm dann noch gesagt, dass wir eine Kamera angebracht haben, die Daten aufgezeichnet werden und auch schon weggeschickt wurden."
Mit den Worten "Moment Mal" hat sich Karl-Martin Fendt dann nach hinten begeben und sogar noch kurz ein Foto mit den Handy angefertigt. Daraufhin sei der Räuber so perplex gewesen, dass er blitzartig die Flucht ergriff. Apotheker Karl-Martin Fendt: "Wir haben zwar sofort nachgeschaut, auch um die Ecke gesehen, ihn aber nicht mehr gefunden." Nach wenigen Minuten war der "Spuk" in der Kur-Apotheke vorbei.
Kriminalbeamte aus Bayreuth haben die Spurensicherung und weiteren Ermittlungen übernommen. Die Ermittler bitten um Mithilfe der Bevölkerung und fragen:
- Wer hat am Dienstagnachmittag gegen 16.20 Uhr oder womöglich auch schon vorher eine verdächtige Person im Bereich der Apotheke am Marktplatz gesehen?
- Wer kennt einen Mann, auf den die Beschreibung passen könnte und/oder kann Hinweise zu dessen Aufenthaltsort geben?
- Wer kann sonst sachdienliche Angaben machen, die im Zusammenhang mit dem Überfall stehen könnten? Zeugen werden gebeten, sich mit der Kriminalpolizei Bayreuth unter der Telefonnummer 0921/506-0 in Verbindung zu setzen.