Aiwanger beklagt in Schirradorf "Entfremdung von der Landwirtschaft"
Autor: Stephan Herbert Fuchs
Schirradorf, Freitag, 28. Juni 2019
Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger plädierte in Schirradorf für mehr gesunden Menschenverstand bei der Beurteilung dieses Berufsstandes.
Ein klares Bekenntnis zur bäuerlichen Landwirtschaft haben sämtliche Redner beim Schirradorfer Bauerntag abgelegt - allen voran Hubert Aiwanger, bayerischer Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident. "Wir brauchen uns nicht zu verstecken und wir brauchen uns auch nicht belehren lassen", sagte Aiwanger in der großen Halle des Landtechnikunternehmens Nicklas. Die Bauern seien die Garanten dafür, dass dieses Land ernährt wird und dass es so schön erhalten wird, wie es ist. Diese Leistung wollten die Bauern aber auch ehrlich anerkannt wissen.
Landwirtschaft am Pranger
Freilich wusste auch der Wirtschaftsminister, dass sich die Landwirtschaft derzeit so sehr an den Pranger gestellt sieht, wie nie zuvor. Aiwanger verteidigte es, dass die Staatsregierung das Volksbegehren angenommen hat und nun mit einem Begleitgesetz für Entschärfungen sorgen möchte. "Hätten wir das nicht getan, wäre das Begehren bei einem Volksentscheid im Herbst eins zu eins umgesetzt worden." Dies habe man verhindert.
Aiwanger zeigte sich überzeugt davon und versprach auch, sich dafür einzusetzen, dass die Staatsregierung nun das Beste aus der Situation machen werde. "Wir haben gerettet, was zu retten war", sagte er.
Aiwanger sagte aber auch: "Ich finde es nicht in Ordnung, dass der Bauernverband uns dafür jetzt kritisiert".
Vor dem Hintergrund einer "gefährlichen Entfremdung der Bevölkerung von der Landwirtschaft" plädierte der Minister wieder für mehr gesunden Menschenverstand. Freilich müsse alles seine Ordnung haben, doch gewisse Spielräume seien immer möglich. Und deswegen werde er alles daran setzen, um zu verhindern, dass die Landwirtschaft jetzt wieder in die Bredouille gebracht wird.
Zuvor hatte Kreisobmann Wilfried Löwinger ein düsteres Bild des Berufsstandes gezeichnet. Düngeverordnung, Blauzungenkrankheit, Wolf und jetzt auch noch das Volksbegehren. Viele Landwirte hätten Angst vor der Zukunft. Fachliches Wissen zähle nicht mehr, stattdessen gehe es nur noch um Ideologie. Mit der Trockenheit und den heißen Temperaturen im Juni drohe den Bauern neues Ungemach. Noch seien die Folgen der Dürre des vergangenen Jahres nicht überwunden, da gebe es schon wieder keine nennenswerten Niederschläge. "Wir befürchten Schlimmstes", sagte Löwinger. Wenn es so weitergeht, werde es noch eine größere Katastrophe geben als im zurückliegenden Jahr, weil unter anderem die Futtervorräte aufgebraucht sind.
Mangel an Fachkräften
Über Personal- und Fachkräftemangel klagte Edwin Nicklas, Chef des Schirradorfer Landtechnikunternehmens. "Ich weiß nicht, wo die künftigen Handwerker herkommen sollen", sagte er und kritisierte die hohen Abitur- und Studienquoten. Kritisch stufte er auch die europäische Datenschutzgrundverordnung ein, die in Deutschland gleich "zu 200 Prozent" umgesetzt worden sei. Ihm als typischen mittelständischen Betrieb habe dies bereits eine fünfstellige Summe und viel, viel Zeit gekostet.