Das Damoklesschwert Nationalpark schwebt nicht mehr über dem Frankenwald. Darüber sind besonders die Mitglieder des Vereins "Unser Frankenwald" froh. Dieser hat sich vor fast genau einem Monat gegründet, um dafür zu kämpfen, dass der Frankenwald so bleibt, wie er ist. "Ich bin froh und dankbar, dass die Geschichte nun vom Tisch ist", sagt Ludwig Freiherr von Lerchenfeld, CSU-Landtagsabgeordneter des Stimmkreises Kulmbach-Wunsiedel und Vorsitzender des Vereins. Am Montagabend trafen sich die Mitglieder, um über die weitere Zukunft des Frankenwaldes zu diskutieren.

Dabei habe der Landtagsabgeordnete angeblich geäußert, dass die CSU-Landtagsfraktion beschlossen habe, dass ein Biosphärenreservat für den Frankenwald ungeeignet sei. Eine Aussage, die für mächtig Trubel sorgte. Denn in der Münchner Geschäftsstelle weiß man von keinem Beschluss.


Bürger werden verunsichert

"Dies zeigt eindeutig, dass dem Vorsitzenden nicht die Entwicklung des Frankenwaldes am Herzen liegt. Mit bewussten Falschmeldungen sollen die Bürger des Landkreises weiter verunsichert werden", so reagiert Gerhard Wunder (CSU), Bürgermeister von Steinwiesen und stellvertretender Landrat, auf die Aussage. Als Waldbesitzer habe Ludwig Freiherr von Lerchenfeld auch ein privates Interesse bei diesen Diskussionen. Das sei auch in Ordnung. "Aber Hetze, Falschmeldungen und Verunsicherung sind hier fehl am Platz", meint der stellvertretende Landrat.

Doch was sagt Ludwig Freiherr von Lerchenfeld eigentlich selbst zu seiner angeblichen Aussage? "Ich habe das so nie gesagt", erklärt er. Nach der Entscheidung des Ministerrats habe es eine Fraktionssitzung gegeben. "Da haben wir nur ganz kurz über ein mögliches Biosphärenreservat gesprochen." Es sei nie die Rede von einem Beschluss gewesen, dafür müsse ja eine Abstimmung durchgeführt werden. Aber: "In der CSU-Fraktion haben wir uns geeinigt, dass keine weiteren Optionen zu einem Nationalpark geprüft werden." Die Pressestelle der CSU-Fraktion in München bestätigte, dass es keinen Beschluss gab und momentan keine Alternativen geprüft werden.

Für Wunder ist es wichtig, auf sachlicher Ebene zu diskutieren: "Eine Behauptung in den Raum zu stellen und dann wieder zurückzunehmen, das geht nicht." Es sei wichtig, die Region weiterzuentwickeln und das gehe nur mit den Bürgern. "Leute von außerhalb, die versuchen Stimmung zu machen, brauchen wir nicht. Wir sind stark genug, dass wir das selbst schaffen."


Eckdaten eines Biosphärenreservats

Veranstaltung Der Verein "Unser Frankenwald" hat am Montagabend zu einer Veranstaltung in die Zecherhalle in Neukenroth eingeladen (wir berichteten). Dabei beschäftigte man sich mit der Frage, wie es möglich sein wird, die Entvölkerung zu stoppen. Zudem sprach der Geschäftsführer des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, Carl von Butler, über die Grundprinzipien und rechtlichen Rahmenbedingungen eines Biosphärenreservats. Denn das könne seiner Meinung nach, nun nach der Nationalpark-Diskussion auf den Frankenwald zukommen.

Rahmenbedingungen Ein Biosphärenreservat umfasst laut Carl von Butler mindestens 30 000 Hektar und ist nicht größer als 150 000 Hektar. Die Fläche sei aufgeteilt in eine Kern-, Pflege- und Entwicklungszone. Mindestens drei Prozent müsse allein die Kernzone einnehmen, die dann stillgelegt wird. Zehn Prozent würden auf die Pflegezone fallen. Kern- und Pflegezone zusammen machen mindestens 20 Prozent des gesamten Gebietes aus. Laut Butler sind die Auswirkungen eines Biosphärenreservats deutlicher als die eines Nationalparks. lk