Wie Demokratie gemacht wird

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Die kolumbianische Gesandte Jenifer Castro spricht vor dem Bayerischen Landtag. Foto: Thomas Hauptmann
Die kolumbianische Gesandte Jenifer Castro spricht vor dem Bayerischen Landtag.  Foto: Thomas Hauptmann
Michael Strauß (Mike Fischer, 10D) bringt seine CSU auf Kurs. Foto: Thomas Hauptmann
Michael Strauß (Mike Fischer, 10D) bringt seine CSU auf Kurs. Foto: Thomas Hauptmann
 
Das Team von CAP sowie die beiden jüngsten Abgeordneten folgen der Vorstellung der Parlamentarier. Foto: Thomas Hauptmann
Das Team von CAP sowie die beiden jüngsten Abgeordneten folgen der Vorstellung der Parlamentarier. Foto: Thomas Hauptmann
 
Die Fraktion der Freien Wähler arbeitet intensiv am Gesetzentwurf. Foto: Thomas Hauptmann
Die Fraktion der Freien Wähler arbeitet intensiv am Gesetzentwurf. Foto: Thomas Hauptmann
 
Herbert Brunnenbauer (Lukas Birnstiel, 10A) leitet die erste Lesung im neu konstituierten Bayerischen Landtag. Foto: Thomas Hauptmann
Herbert Brunnenbauer (Lukas Birnstiel, 10A) leitet die erste Lesung im neu konstituierten Bayerischen Landtag. Foto: Thomas Hauptmann
 
Die Alterspräsidentin Erna Herrmann (Lea Zimmermann, 10E) eröffnet die Plenarsitzung. Foto: Thomas Hauptmann
Die Alterspräsidentin Erna Herrmann (Lea Zimmermann, 10E) eröffnet die Plenarsitzung. Foto: Thomas Hauptmann
 

Im Projekt "Der Landtag sind wir" lernten Schüler der Siegmund-Loewe-Schule wie im Parlament gearbeitet wird.

Die 75-jährige Erna Herrmann (SPD) steht im bayerischen Landtag neben dem Rednerpult und leitet die konstituierende Sitzung des neu gewählten Parlaments. Nachdem die beiden jüngsten Abgeordneten jedes Mitglied des hohen Hauses namentlich verlesen haben, wird der Landtagspräsident gewählt. Herbert Brunnenbauer (CSU), im Vorfeld von seiner Fraktion bestimmt, wird mit überwältigender Mehrheit ins Amt gebracht und übernimmt von der Alterspräsidentin die Leitung.

Erna Herrmann heißt eigentlich Lea Zimmermann und geht in die 10E, während Herbert Brunnenbauer im wahren Leben auf Lukas Birnstiel hört und die 10A besucht. Beide sind an diesem Freitag Teil einer 54-köpfigen Gruppe von Schülern der 10. Jahrgangsstufe, die am Planspiel "Der Landtag sind wir!" teilnehmen, wie die Schule in einer Pressemitteilung schreibt.

Das Projekt, das Einblick in demokratische Prozesse und die Arbeit im Parlament gewähren soll, wird vom Centrum für angewandte Politikwissenschaft (CAP) betreut.

Zunächst erhält jeder Zehntklässler zur allgemeinen Erheiterung eine neue Identität und die jeweilige Parteizugehörigkeit, denn im nächsten Schritt treten die Fraktionen von CSU, SPD, Bündnis 90/ Die Grünen sowie die Freien Wähler in ihren Fraktionsräumen zusammen. Bevor dort ein Gesetzesvorschlag zum Jugendschutz diskutiert werden kann, wählt man den Fraktionsvorsitzenden. Michael Strauß (Mike Fischer, 10D) setzt sich dabei beispielsweise unangefochten an die Spitze der CSU, während etwa Georg Schmitt (Marius Mühlherr, 10C) der SPD vorsteht. Ebenso werden die Vorsitzenden der drei Ausschüsse gewählt.


Ausschussdebatten

Mit großem Engagement und im fairen Miteinander verlaufen sowohl die parteiinternen Auseinandersetzungen als auch die Ausschussdebatten. Die Empfehlungen aus dem Ausschuss für Bildung und Kultur sowie dem Ausschuss für Umwelt- und Verbraucherschutz werden vom federführenden Ausschuss für kommunale Fragen, innere Sicherheit und Sport diskutiert und gegebenenfalls eingearbeitet, bevor erneut die Fraktionen zusammenkommen und den Redner bestimmen, der die Position der Partei im Plenum vertreten soll.
Besondere Aufwertung erhält das Projekt durch den Besuch der Landtagsvizepräsidentin Ulrike Gote, die aus Bayreuth angereist ist, während MdL Klaus Adelt aus dem Wahlkreis Hof nach Kronach gekommen ist, um den Schülerinnen und Schülern bei ihrer Parlamentsarbeit zuzusehen.

Landtagspräsident Herbert Brunnenbauer (CSU) führt unter den wohlwollenden Blicken seiner "realen Stellvertreterin" durch die zweite Lesung im Plenum und erteilt den jeweiligen Rednern das Wort. Malina Stein (Jana Göpfrich, 10A) für die CSU, Günther Stammbaum (Fritz Kropf, 10A) für Bündnis 90/Die Grünen, Kathrin Lieb (Stella Beez, 10C) für die Freien Wähler und Georg Schmitt (Marius Mühlherr, 10C) für die SPD beleuchten noch einmal den Standpunkt ihrer Parteien. In der anschließenden Abstimmung geht der überarbeitete Gesetzesentwurf durch den Landtag.


"Kolumbianische Gesandte"

Bevor das Planspiel offiziell endet, wird an diesem Tag noch ein ungewöhnliches Zwischenspiel eingebaut: Jenifer Castro, Austauschschülerin aus Kolumbien, die drei Monate lang an der Siegmund-Loewe-Schule den Unterricht besucht hat, hält auf Wunsch ihres Deutschlehrers eine kleine Rede als kolumbianische Gesandte zum Thema "Was nehme ich aus Bayern in meine Heimat Kolumbien mit?" Ihr Vortrag über Bratwürste, Sauerkraut und die eher ungeliebten fränkischen Klöße lässt die Zuhörerschaft schmunzeln. Dennoch schlägt sie auch nachdenkliche Töne an, wenn sie davon spricht, dass sie es großartig findet, dass in Deutschland jedes Kind kostenlos zur Schule gehen könne, und dass man sich auf den Straßen stets sicher fühlen würde. Vieles von dem, das wir als selbstverständlich erachten und über das wir häufig nur nörgeln, wäre in anderen Ländern ein echter Gewinn. Damit erntet Jenifer Castro auch aufgrund ihrer bemerkenswerten sprachlichen Leistung tosenden Applaus.

An dieser Stelle würde das Planspiel eigentlich enden, doch die beiden Gäste ermöglichen es den Jugendlichen, Fragen zu stellen und einen Einblick in das breite Aufgabenspektrum eines Parlamentariers zu erhalten. Die Themenbandbreite, die abgedeckt wird, reicht von Fragen zum Abgasskandal, über Atomenergie, die Flüchtlingspolitik und das Schulsystem bis hin zum unvermeidlichen Gespräch über Donald Trump. Besonders mit seiner Äußerung "America first" erzeugt MdL Klaus Adelt Heiterkeit. "Ich kann ja auch nicht sagen: Selbitz zuerst, weg mit Wallenfels!", äußert der Abgeordnete schmunzelnd, ohne dabei zu verhehlen, wie sehr ihn die Entwicklung in den USA beunruhigt. Ulrike Gote, die in vielen Punkten mit ihrem sozialdemokratischen Kollegen übereinstimmt, hofft, dass die Amerikaner angesichts von Trumps Wahl zum Nachdenken über ihr Wahlsystem kommen. red