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Wenn die Pest ausbricht: Kronach rüstet sich für Ernstfall


Autor: Sandra Hackenberg

Kronach, Donnerstag, 19. Dezember 2019

Die Afrikanische Schweinepest ist an der deutschen Grenze angekommen. Der Kreis Kronach wappnet sich indessen vor einem drohenden Ausbruch, warnt jedoch vor voreiliger Panikmache.
Landwirt Christian Diller aus Glosberg macht in seiner Schweinemast alles Erdenkliche, um das ASP-Risiko so gering wie möglich zu halten. Der 31-Jährige weiß aber auch, dass die Seuche im Falle eines Ausbruchs auch seinen Betrieb treffen würde.  Foto: Sandra Hackenberg


Wenn es darum geht, das Risiko zu minimieren, ist Christian Diller eigentlich ein Musterschüler. "Ich kaufe meine Ferkel seit Jahr und Tag ausschließlich vom gleichen Erzeuger in Eichberg bei Kulmbach", erklärt der Sohn des Familienbetriebs Diller in Glosberg. "So kann ich sicher sein, dass alle Tiere unter den gleichen Hygienestandards aufgewachsen sind und sich keine Keime untereinander vermischen."

Während der Mast verwendet Diller nur Getreidefutter aus eigener Herstellung. Werden die Schweine nach drei Monaten zum Schlachter gebracht, wird ihr Stall komplett desinfiziert.

Doch all diese Vorsichtsmaßnahmen und die Tatsache, dass die Sauen bis zu ihrer Schlachtung ausschließlich im Stall gehalten werden, kann trotzdem nicht verhindern, dass die Afrikanische Schweinepest (ASP) im Falle ihres Ausbruchs auch den Schweinemastbetrieb der Dillers trifft: "Wenn ein Fall bei uns in der Gegend auftritt, wird eine Sperrzone mit bis zu 15 Kilometern Radius errichtet", erklärt der 31-Jährige. "In dieser Zeit würde unser Betrieb komplett stillstehen. Ich könnte meine Schweine nicht mehr verkaufen und die Wintergerste, den Weizen und die Triticale, die ich den Tieren füttere, nicht mehr ernten."

Nur eine Frage der Zeit

Ein aktueller Fall, bei dem ein infizierter Wildschweinkadaver in Polen 42 Kilometer vor der Grenze zu Deutschland gefunden wurde, verdeutlicht: Die ASP ist vor den Toren der Bundesrepublik angekommen. Die Frage ist nicht, ob die Seuche in Deutschland ausbricht, sondern wann. Da sind sich die Experten einig.

Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis das für Wild- und Hausschweine hochgefährliche Virus auch hierzulande auftritt. Der Kreisjagdberater Winfried Wachter warnt jedoch vor voreiliger Panik. "Ich bin zuversichtlich, dass es noch einige Zeit dauert, bis wir den ersten Fall der Afrikanischen Schweinepest haben."

Ist die Seuche einmal ausgebrochen, ist es laut dem Jäger allerdings schier unmöglich, die Ausbreitung zu verhindern: "Das Virus kann über das Blut, den Kot oder das Fleisch verbreitet werden", erklärt der Kreisjagdberater. "Es ist auch denkbar, dass es durch Vögel verbreitet wird oder einen Wolf, der Fleisch eines infizierten Wildschweins zwischen den Zähnen hat."

Der größte Risikofaktor jedoch bleibe der Mensch: "Wenn ein Lkw von Osteuropa über Deutschland fährt, ist die Gefahr groß, dass das Virus eingeschleppt wird." Ein achtlos weggeworfenes Brötchen mit einem Stück rohen Schinken, das von einem Wildschwein gefressen wird, reiche bereits aus.

"Es stehen an den Raststätten in Grenznähe zwar verschließbare Container, in denen Lebensmittel entsorgt werden können. Aber es ist fraglich, ob das ausreicht", meint Wachter.

Jäger nehmen Blutproben

Um ein Stück weit die Kontrolle zu behalten, geben er und seine Jägerkameraden regelmäßig Blutproben von Wildschweinen ab, die sie erlegt oder tot aufgefunden haben. "Gerade bei verendeten Tieren ist es wichtig, zu überprüfen, woran sie gestorben sind, falls es nicht ersichtlich ist", erklärt Wachter, dessen Revier im Kronacher Stadtgebiet liegt.

Denn sollte ein Wildschwein mit der ASP infiziert sein, sei das nicht sofort zu erkennen. "In der Regel dauert es nach der Ansteckung noch sieben bis zwölf Tage, in denen die Tiere ganz normal mit der Rotte mitlaufen, bis sie plötzlich umfallen", erklärt Wachter. Äußerlich sei den Schweinen bis zu ihrem plötzlichen Ableben praktisch nichts anzumerken.

"Wenn wir die Tiere aufmachen, gibt es dann schon Anzeichen, die auf eine Infizierung hindeuten können", schildert der erfahrene Jäger. Dazu zählen angeschwollene Lymphknoten, eine vergrößerte Milz und eine schaumige Lunge.

Der Kreis Kronach rüstet sich unterdessen für den Ernstfall: "Bereits im Jahr 2018 wurde ein ,ASP-Krisenteam‘ gebildet", berichtet der Pressesprecher des Landratsamtes Kronach, Bernd Graf, auf FT-Anfrage. Das bestehe aus Mitarbeitern verschiedener Fachbereiche.

Zu den Aufgaben des Krisenteams gehöre es unter anderem, Material zu beschaffen, das beim Auftreten der ASP benötigt wird. "Hierzu gehören ein geschlossener Pkw-Anhänger, Berge- und Verpackungsmittel für aufgefundene Tierkadaver und Desinfektionsmittel", erläutert Graf.

Insgesamt 7000 Euro habe der Landkreis bisher in die Vorbeugemaßnahmen investiert. "Den Großteil dieser Summe macht der Transportanhänger mit 5000 Euro aus", erklärt der Pressesprecher. "Da dieser Anhänger erst im Seuchenfall benötigt wird, kann er aktuell vom Kreisbauhof für den alltäglichen Gebrauch genutzt werden."

Zudem seien aus dem Kreise der Jägerschaft drei "Multiplikatoren" benannt worden, die im Krisenfall als Mittlerstelle zwischen dem Staat und den Jägern fungieren. Denn dort, wo die ASP ausbricht, müssten alle Wildschweine innerhalb der festgelegten Sperrzone erlegt werden.

Auswirkungen wären verheerend

Diller glaubt jedoch nicht daran, dass sich im Seuchenfall die Auswirkungen auf eine Sperrzone beschränken: "Die ganze Schweinefleischbranche würde darunter leiden", vermutet er.

Das habe sich bereits während des "BSE-Skandals" im Jahr 1996 gezeigt. "Damals wollte niemand mehr Rindfleisch essen. So könnte es beim Ausbruch der ASP auch sein - obwohl infiziertes Fleisch für Menschen gesundheitlich unbedenklich ist. Doch das verseuchte Fleisch würde gar nicht auf den Markt gelangen, sondern vernichtet werden."

Es ist fraglich, ob sich manch kleiner Schweinebetrieb von dieser Krise erholt.