Was Sie zur Wahl wissen müssen
Autor: Redaktion
Kronach, Freitag, 12. Oktober 2018
Rund 55 000 Stimmberechtigte aus dem Kreis Kronach sind am Sonntag aufgerufen, ein neues Landesparlament zu wählen. Wie stehen die Chancen für die Kronacher Kandidaten und was gilt es bei der Wahl zu beachten? Ein Überblick.
Die Entscheidung naht: Pünktlich um 18.10 Uhr werden am Sonntag auf der Mattscheibe erstmals am Wahlabend die bunten Balken für eine Hochrechnung in die Höhe schnellen. Während für die Helfer in den Wahllokalen nun der anstrengendste Teil ihrer Arbeit beginnt (siehe Artikel unten auf dieser Seite), haben die Wähler längst Feierabend.
Die dürfen nun auf dem Sofa mitfiebern: Doch ist eigentlich schon am Wahlabend abzusehen, welcher Listenkandidat es ins Maximilianeum schaffen wird? Antworten auf diese und weitere Fragen rund um die bayerische Landtagswahl haben wir hier für Sie zusammengestellt. Stimmkreis, Wahlkreis - wo ist der Unterschied? Jeder der sieben bayerischen Bezirke bildet einen Wahlkreis. In Bayern gibt es insgesamt 91 Stimmkreise. Der Landkreis Kronach bildet etwa zusammen mit dem Landkreis Lichtenfels den Stimmkreis Kronach, Lichtenfels. Weil jeder Stimmkreis einen Direktkandidaten nach München entsendet, ist sichergestellt, dass alle bayerischen Regionen im Parlament vertreten sind. Welche Bedeutung hat meine Erststimme? Eine deutlich größere als etwa bei der Bundestagswahl! Zwar genügt dem Direktkandidaten auch bei der Landtagswahl die relative Mehrheit, um zu gewinnen (eine Stimme mehr als der erste Verfolger reicht), doch in Bayern kommt der Erststimme noch eine weitere Bedeutung zu. Denn für die Sitzverteilung im Maximilianeum werden die Erst- und Zweitstimmen zusammengezählt und nach dem Prinzip der Verhältniswahl in einzelne Mandate umgerechnet. Welche Bedeutung hat meine Zweitstimme? Sie entscheidet in erster Linie darüber, auf welchem Listenplatz ein Kandidat ins Ziel kommt. Jeder der sieben Wahlkreise hat eine eigene Liste. Die Kandidaten des Stimmkreises Kronach, Lichtenfels finden sich daher auf der Oberfranken-Liste wieder.
Die Partien legen im Vorfeld der Wahl zwar fest, von welchem Platz aus ein Kandidat ins Wahl-Rennen startet, während der Wahl sind allerdings einige Überholmanöver möglich. Weil die Wahl personalisiert ist und nicht wie bei der Bundestagswahl eine komplette Liste gewählt wird, kann ein vermeintlicher Spitzenkandidat auf der Liste auch nach unten durchgereicht werden. Wie viele Kandidaten einer Liste es letztlich ins bayerische Parlament schaffen, häng dann größtenteils vom Gesamtergebnis der Partei ab (siehe Frage 5). Und was, wenn ich nicht weiß, für welchen Listenkandidaten ich stimmen soll und einfach nur eine Partei wählen möchte? Dann machen Sie das einfach! Dazu stehen Ihnen sogar zwei Wege offen: Entweder sie kreuzen auf der Zweitstimmenliste gleich mehrere Kandidaten einer Partei an oder gleich die Wahlkreisliste der gewünschten Partei. Ungültig wird der Stimmzettel dadurch nicht, die Stimme wird lediglich der betreffenden Partei bei der Sitzverteilung zugerechnet, hat dann aber keinen Einfluss auf die Reihenfolge der Kandidaten innerhalb der Liste.
Doch Vorsicht: Werden mehrere Kandidaten angekreuzt, die nicht in derselben Partei sind, wird der Wahlzettel ungültig. Die Wahlabsicht muss eindeutig erkennbar sein! Lässt sich am Wahlabend eigentlich vorhersagen, welcher Listenkandidat es ins Parlament schafft? Offiziell? Nein! "Das einzige, was wir vorhersagen können, ist, dass es die CSU wohl wieder in den Landtag schaffen wird", heißt es aus der für die Wahl zuständigen Abteilung bei der Regierung von Oberfranken. Inoffiziell sieht es dagegen schon anders aus. "Man sagt, dass eine Partei für jeden Listenplatz so zwischen fünf und sechs Prozent holen muss", erzählt Edith Memmel, die für die Grünen auf Platz 3 der Oberfrankenliste steht.
Holt sie auch außerhalb von Kronach und Lichtenfels ausreichend Stimmen und rutscht bei der Wahl in der Liste nicht ab, würde sie nach dieser Rechnung ein Mandat erhalten, wenn ihre Partei um die 15 Prozent holt - was angesichts von 18,5 Prozent in der jüngsten Umfrage durchaus machbar erscheint. Haben auch andere Kandidaten aus dem Kreis Kronach eine Chance, in den Landtag einzuziehen? Über die Landesliste, auf der er ganz unten auf Platz 16 zu finden ist, hat der bisherige MdL Jürgen Baumgärtner keine Chance. Selbst dann, wenn seine CSU nicht knöchelhoch im Umfragetief stecken würde. Jedoch dürfte er bei den Erststimmen die Nase vorn haben. Dass er das Direktmandat nicht holt, wäre sicherlich eine ebenso große Überraschung, als würde der CSU doch noch eine absolute Mehrheit gelingen.
Ziemlich sicher ein Ticket nach München buchen dürfte auch Detlef Rau (AfD). Mit 12,8 Prozent im Rücken und Platz 2 auf der Liste, sind seine Chancen mehr als gut. Deutlich schlechter sieht es hingegen für Ralf Pohl (SPD/Platz 4) und Michael Zwingmann (FW/Platz 4) aus, die wohl auf Überhangmandate hoffen müssen. Was sind denn Überhangmandate? Dabei handelt es sich um Plätze im Parlament, die eigentlich nicht vorgesehen sind, jedoch nötig werden, um die Stimmenverteilung zu wahren. Vorgesehen sind im bayerische Landtag nämlich eigentlich nur 180 Sitzen, von denen 91 für die siegreichen Direktkandidaten vorgesehen sind. Holt eine Partei mehr Direktmandate, als ihr nach dem Gesamtergebnis prozentual zustehen würden, erhalten die anderen Parteien Überhangmandate und die Gesamtanzahl an Sitzen erhöht sich. So haben dann auch Listenkandidaten eine Chance, die es ansonsten knapp nicht geschafft hätten.
Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Sepp Herberger prägte diese Fußballer-Weisheit, auf die sich dieser Tage auch Harald Suffa-Blinzler berufen darf. Für ihn und sein Team ist am Sonntag schließlich wieder "Spieltag". Dann wird der Wahlleiter der Stadt Kronach sich um die Landtagswahl kümmern - und danach schon 2019 und 2020 im Hinterkopf haben.