Umgestürzte Stromkästen, verdrehte Straßenschilder und Bäume in privaten Gärten, die gefällt werden, während die Hausbewohner in der Kirche sind: Dreiste Vandalen sind am vergangenen Wochenende durch Pressig gezogen. Die Spuren ihres Streifzuges sind am Sonntagmorgen überall sichtbar.

Am härtesten traf es einen Hausbesitzer im Rosenweg. Als er am frühen Samstagabend nach einem Kirchenbesuch wieder nach Hause kommt, liegt ein Baum aus seinem Garten frisch gefällt in der Einfahrt. Den Gartenzaun hat er eingerissen. Als wäre das noch nicht ärgerlich genug, ist der Baum ausgerechnet auf das Auto des Hausbesitzers gestürzt.

Es soll nicht der einzige Baum in Pressig bleiben, der illegalerweise gefällt wird. In der Kaiser-Heinrich-Straße packen die Vandalen die Säge erneut aus - ein Baum fällt auf den Radweg 61 und versperrt ihn komplett. "Ich habe den Baum gesehen, weil ich am Sonntagmorgen beim Joggen drüber springen musste", erzählt Stefan Heinlein.

Pressigs Bürgermeister wohnt in der Nähe und glaubt, in der Nacht sogar Schüsse gehört zu haben. "Ich weiß nicht, ob das ein paar Halbstarke waren. Tatsache ist, dass wir nach diesem Wochenende an etlichen Stellen Schäden festgestellt haben." So haben die Täter ihre überschüssige Energie an Stromkästen in der Welitscher Straße ausgelassen.

Zwei Verteiler wurden umgekippt, die Kabel hängen nun ungeschützt in Löchern, die Meter tief in die Erde führen. Eine Schranke zu einem privaten Grundstück in der Welitscher Straße wurde ebenfalls abgebrochen. An einen Verkehrsunfall glaubt die Polizei nicht.

Auf ihrem Weg in Richtung Welitsch kamen die Vandalen auch am Bahnhof in Pressig vorbei. Die Unterführung wird gerade teilsaniert, weshalb dort Baumaterialien standen. "Die Täter haben Putz und Spachtelmasse wild verteilt", schildert Jürgen Fischer vom Ordnungsamt die Lage vor Ort. Die Verwüstungen dort hätten relativ schnell beseitigt werden können.

Anders sieht es bei den Schildern am Bahnhof aus, die verbogen oder gleich komplett herausgerissen worden sind. Mitarbeiter des Bauhofs haben ein windschiefes "Zu-den-Zügen"-Schild in der vergangenen Woche abmontiert, damit es nicht plötzlich umfällt und Passanten verletzt.

Auch Schilder mit Straßennamen sind laut dem Bürgermeister verdreht worden - ein Verhalten, für das Stefan Heinlein kein Verständnis hat. "Das kann im Notfall auch mal ernste Folgen haben, wenn beispielsweise der Notarzt die richtige Straße nicht findet." Seit Clubs und Diskotheken geschlossen haben, sei es an den Wochenenden in Pressig eigentlich ruhig gewesen.

Doch seit wenigen Wochen haben er und seine Mitarbeiter immer wieder Schäden festgestellt. Das Marktoberhaupt appelliert an die Vernunft der mutmaßlich jugendlichen Täter. "Die Spuren zu beseitigen sind Kosten, die nicht sein müssen. Vor allem tut es mir für die privaten Eigentümer leid, die auf den Schäden sitzenbleiben, wenn niemand ermittelt wird."

Hinweise zu den Tätern nimmt die Polizeiinspektion Ludwigsstadt unter der Telefonnummer 09263/975020 entgegen. Denkbar ist laut der Polizei auch, dass Überwachungskameras von Firmen- oder Privatgrundstücken die Täter aufgezeichnet haben.