Es hat sicher alles schon früher eingesetzt. "Ich bin dann mal weg" auf dem Jakobsweg. Alpenüberquerung. Die Rückbesinnung auf die Natur. Aber das Corona-Jahr hat den Trend forciert. Touristen zieht es wieder verstärkt aufs Land. Wandern, radeln, spazieren. Auch der Frankenwald hat in einem definitiv schlechten Jahr für den Tourismus immerhin etwas von dieser Entwicklung profitieren können.

Markus Franz hat es selbst erlebt. Der Geschäftsführer des Frankenwald-Tourismus beantwortet die Frage nach seinem schönsten Frankenwalderlebnis dieses Jahr mit der Überraschung, wen man auf dem Wanderweg trifft: "Besonders positiv war die Erkenntnis, dass unsere Angebote draußen in der Natur von sehr vielen jungen Menschen auch wieder wahrgenommen wurden, dass man eigentlich immer Menschen beim Wandern begegnet ist", sagt er und ergänzt, dass die Nachfrage nach Prospekt- und Kartenmaterial so hoch war, wie schon lange nicht mehr.

Für Hoteliers und Gastronomen, Museen und Kunstschaffende ist 2020 ein Jahr zum Vergessen. Das lässt auch der Tourismus-Experte nicht aus. Im April, wenn die Anzahl der Übernachtungen normalerweise ansteigt, brechen die Übernachtungszahlen im Frankenwald rapide ein. 2019 haben mehr als 70 000 Menschen in den Landkreisen Kulmbach, Hof und Kronach übernachtet - 2020 waren es wegen des ersten Lockdowns nur noch knapp 8000.

Bereits in den vergangenen Jahren setzte ein Erfolgstrend im Landkreis Kronach ein. Mit 192 785 Übernachtungen übertraf das Jahr 2019 die Vorjahre. Allgemein verzeichnet die gesamte Frankenwaldregion einen Zuwachs bei den Übernachtungszahlen, erklärt Geschäftsführer Franz anhand der Statistiken: "Insbesondere in den letzten drei Jahren zeigt der Trend klar nach oben." Im September 2020 haben sich die Gästezahlen überraschend an den Vorjahresrekord angenähert. 71 243 Übernachtungen sind in der Statistik aller Frankenwald-Einrichtungen mit mehr als zehn Gästebetten verzeichnet. Nur knapp 9500 weniger als im Vorjahr. Dann kamen der Lockdown Light und die Verschärfungen. Zu den vergangenen drei Monaten liegen noch keine Zahlen vor.

Mehr Land, weniger Stadt

Welche Orte und Wanderwege 2020 besonders stark frequentiert waren, lässt sich aus dieser Statistik allerdings nicht herauslesen. Insbesondere fehlten die Angaben zu den Tagesbesuchern, erklärt Markus Franz, die sich nicht so einfach in Statistiken abbilden lassen. "Gefühlt wurden Städte eher weniger besucht, sondern der ländliche Raum, die Natur, die Wander- und Radwege", schätzt der Tourismus-Experte die Entwicklung in einem außergewöhnlichen Jahr ein. Wenn überhaupt jemand von dem Jahr profitiert haben könne, dann die Trekkingplätze im Frankenwald und wahrscheinlich die Camping- und Wohnmobilindustrie, antwortet Markus Franz.

Sonst sind es eher die Daheimgebliebenen: "Wenn man dem Jahr aus touristischer Sicht etwas Positives abgewinnen möchte, dann am ehesten die Tatsache, dass sich die Menschen in der Region - zum Teil auch gezwungenermaßen durch die Ausgangsbeschränkungen - wieder einmal viel in der eigenen Region und draußen in der Natur aufgehalten haben und dabei vielleicht (wieder-)entdeckt haben, wie schön es eigentlich vor der eignen Haustür, in der näheren und weiteren Region, im eigenen Land ist."

Doch sonst sieht Markus Franz keine Profiteure der Krise im regionalen Tourismus - weder in der Gastronomie und Hotellerie, noch in Museen, Freizeiteinrichtungen, Einzelhandel und Dienstleistungsbetrieben: "Jeder (...) musste deutliche Einbußen hinnehmen." Und selbst an den schönsten Zwischenstopps mit Blick übers Land hat sich etwas verändert. Statt dem gemütlichen Plausch unter Wanderern überwog im Corona-Krisen-Jahr das Social Distancing.