Griesgrämige Minen suchte man am Dienstag in den Werkstatträumen der Wefa vergeblich. Dezent dudelte Musik aus einem Radio. Die Frauen und Männer an den Werkbänken lächelten. Sie hatten immer ein freundliches Wort für ihre Besucher auf den Lippen. Ablenken ließen sie sich von ihrer Arbeit aber nicht. Was die behinderten Menschen dort fertigten, hielt Johannes Hintersberger für absolut konkurrenzfähig.

Der bayerische Staatssekretär für Arbeit, Soziales, Familie und Integration war beeindruckt von dem, was er in den gemeinnützigen Werkstätten für angepasste Arbeit erlebte. Vor 20, 30 Jahren hätten solche Arbeitsmöglichkeiten noch ganz anders ausgesehen. "Geprägt von einfachen Dingen" seien die Tätigkeiten damals gewesen. Davon gibt es heute keine Spur mehr, wie Hintersberger feststellte. "Heute ist das ein Unternehmen", betonte er.
Die Menschen würden qualifizierte Arbeit leisten und Produkte herstellen - zum Beispiel für die Automobilindustrie -, die anschließend auf dem ersten Arbeitsmarkt benötigt würden.


Zielsetzung erreicht

Damit werde eine wesentliche politische Zielsetzung erreicht: "Menschen mit unterschiedlichen Talenten und Behinderungen in einen strukturierten Tagesablauf zu bringen." Das sei kein pathetisches Gerede, sondern unheimlich wichtig. "Ich bin mir 100-prozentig sicher, dass die Leute hier merken, dass sie gebraucht werden, dass sie etwas schaffen. Die Leute sollen spüren, dass sie nicht nur für den Papierkorb arbeiten", betonte Hintersberger.

Geschäftsführer Franz Schön unterstrich, dass die Wefa nach den ganz normalen Regeln der Industrie spiele und deshalb auch die geleistete Arbeit ernst genommen werden sollte. Dem pflichtete CSU-Landratskandidat Klaus Löffler bei, der die hochwertige Arbeit in den Werkstätten hervorhob. "Solche Arbeitsplätze sind auch ein Segen für einen Landkreis", meinte er.

Michael Steiner von der Arbeitsvorbereitung wies darauf hin, dass die Wefa regionale Betriebe beliefere, aber ihre Produkte auch nach Übersee verschicke. Die Qualitätsansprüche seien dabei ebenso hoch wie für andere Unternehmen.


Nach Problemen gefragt

Hintersberger wollte aber auch wissen, wo es im Alltag der Wefa und ihrer Werkstätten hakt. Zweigstellenleiterin Ivonne Scholl-Engelhardt und Andreas Eimecke (Leiter Sozialdienst der Werkstätten) gingen auf das Thema "Mobilität" ein. Oft sei es für die behinderten Arbeiter schwierig, von zu Hause mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeitsstätte zu kommen. Dies liege an nicht abgestimmten Fahrplänen, fehlenden Busverbindungen oder auch überfüllten Schulbussen. MdL Jürgen Baumgärtner (CSU) versprach, selbst eine der kritisierten Verbindungen zu testen und das Thema weiter im Blick zu haben.

Franz Schön warnte davor, die behinderten Arbeiter mit aller Macht in den ersten Arbeitsmarkt drücken zu wollen. Im "strukturierten Mitarbeiterstamm" der Wefa fänden diese leichter ihren Platz, wogegen sie im ersten Arbeitsmarkt an unterster Stelle eingegliedert würden. Er versicherte jedoch: "Wenn jemand raus will, dann helfen wir natürlich." Auch in Sachen Bundesteilhabegesetz bat er um Fingerspitzengefühl. Dazu versprach ihm der Staatssekretär, sich gegen "Luftballon-Lösungen" zu wehren. Außerdem versicherte er, dass Einrichtungen wie die Wefa-Werkstätten neben allen Inklusionsbestrebungen gebraucht würden und man ihnen Planungssicherheit geben müsse.