Schon vormittags um halb zehn schwitzt Vinzenz Schirmer im Fitnessstudio. Zwei bis zweieinhalb Stunden verbringt er an den Geräten, und das sechsmal in der Woche. "Das ist eine Sucht", gibt der Marktrodacher zu. "Ich plane selbst meinen Urlaub danach, ob es in der Nähe ein Fitnessstudio gibt." Der 24-Jährige ist Bodybuilder, 1,78 Meter groß, 92 Kilogramm schwer und damit eigentlich übergewichtig, sagt er. Doch er will künftig noch zehn Kilo drauf legen - reine Muskelmasse, versteht sich.

Schirmer befindet sich mitten in der Wettkampfphase. Vor zwei Wochen nahm er an der Deutschen Bodybuildermeisterschaft in Kulmbach teil, am vergangenen Wochenende bei den German Open der National Amateur Bodybuilders Association (NABBA). Mit seinen beiden sechsten Plätzen unter den zehn Teilnehmern war er zufrieden, denn er stand erstmals in der Männerklasse auf der Bühne. Am Sonntag startet er bei der Internationalen Süddeutschen Meisterschaft des National Athletic Committee Germany (NAC) in Freiberg bei Stuttgart.

Für seinen Körper bedeutet das, an die Grenzen zu gehen. Er muss nicht nur das Training aushalten, sondern auch die spezielle Ernährung. Bis zu 7000 Kalorien muss Schirmer in den Wochen vor einem Wettkampf täglich zu sich nehmen. "Das schafft man nicht immer." Viele Kohlenhydrate und Ballaststoffe müssen dafür her in sechs Mahlzeiten am Tag. Fleisch ist für ihn ein fester Bestandteil, genauso wie 20 Eier, die er in allen möglichen Varianten täglich isst. Auf fetthaltiges Essen muss er verzichten, er brät das Fleisch in der Pfanne meist nur mit Wasser an. "Mit Genuss hat das null zu tun", sagt Schirmer.

Unterstützung erhält er dabei von seinem Trainer Roger Müller. Er erstellt für ihn Trainings- und Essenspläne. "Wenn ich abends mal ein Stück Schokolade genascht habe, merkt er das sofort. Keine Ahnung, wie er das macht." Auch beim Trinken gibt es Regeln. Drei Tage vor dem Wettkampf darf er nur noch 400 Milliliter Wasser zu sich nehmen, am Tag davor zuvor nur noch 200, damit der Körper möglichst frei von Wasser ist und die Muskeln noch sichtbarer werden. Da kann es schon mal passieren, dass beim Wettkampf einer umkippt. Zur Sicherheit hat der Marktrodacher immer Traubenzucker dabei.

Bei dieser extremen Belastung muss Schirmer genau auf seinen Körper achten. Er geht regelmäßig zum Arzt und lässt sich durchchecken. "Wenn ich merke, dass ich durchs Bodybuilding gesundheitliche Probleme bekomme, lass ich es. Man darf nie vergessen, sein Köpfchen zu benutzen."

Doping ist weit verbreitet

Mit der richtigen Ernährung und viel Training ist es bei den meisten aber nicht getan. Irgendwann erreicht der Körper seine Grenzen. "Doping ist ein Riesenthema", spricht Schirmer offen über eines der vielen Vorurteile über Bodybuilder. "Ich gehe davon aus, dass beim Wettkampf viele der Teilnehmer was nehmen. Da wird auch nichts kontrolliert." Meist werden Mittel verwendet, die die Wirkung von Testosteron verstärken, erklärt er.

Andere Vorurteile lässt Schirmer aber nicht gelten: "Wir haben keine Minderwertigkeitskomplexe, nur weil wir pumpen." Böse Sprüche muss er sich dennoch öfters anhören, auch wenn er seinen Körper in der Öffentlichkeit gar nicht besonders präsentiert, etwa durch die Wahl der Klamotten. "Mich interessiert das aber wenig", sagt er.

Strenger Tagesablauf

Wichtiger ist ihm sein Training. "Du fühlst dich einfach mega danach." Besonders stolz ist er auf seinen Rekord an der Beinpresse: 550 Kilo drückt er viermal hintereinander mit seinen Beinen weg. Auf der Bank stemmt er 130 Kilo achtmal. Angefangen hat er bereits als Kind auf der Hantelbank seines Vaters, bevor er mit 16 ins Fitnessstudio durfte. Damals sei er eher sportlich schlank gewesen, einen Sixpack habe er schon immer gehabt, genauso wie die Faszination fürs Bodybuilding.

Viel Training und vor allem Durchhaltevermögen habe es gebraucht, bis er seinen Körper wettkampffähig gemacht hat. "Wir machen diesen Sport, weil wir einen eisernen Willen haben. Da steckt viel Arbeit und Disziplin dahinter." Davon zeugt auch der streng getaktete Tagesablauf des Notfallsanitäters in Ausbildung. Um 5 Uhr aufstehen, um 6 Uhr geht es zur Arbeit, und nach der Zwölf-Stunden-Schicht bleiben nur noch rund vier Stunden für Privates. Davon verbringt er mindestens zwei im Fitnessstudio. "Das gehört für mich einfach dazu. Das ist so selbstverständlich wie das Zähneputzen am Morgen."

Nach der Süddeutschen Meisterschaft am Sonntag in Freiberg bei Stuttgart ist für Schirmer erst mal Schluss mit solchen Wettbewerben. Zwei bis drei Jahre will er darauf verzichten. "Der Körper muss sich erst mal wieder regenerieren", sagt er. Trainieren wird Vinzenz Schirmer aber weiterhin, denn ohne das regelmäßige pumpen würden seine Muskeln schon nach drei Wochen merklich abbauen.