Einen Tag später klingt Ralf Pohl noch sichtlich erleichtert. "Ich bin sehr froh über das klare Ergebnis und dankbar für die hohe Wertschätzung, die mir damit entgegengebracht worden ist", sagte der SPD-Kreisvorsitzende. Von den 54 Stimmberechtigen, die sich aus dem Kronacher SPD-Ortsvereinsvorsitzenden und dem Kreisvorstand zusammensetzten, waren bei einem Treffen am Montagabend 48 der Überzeugung, dass Pohl als Kandidat ins Rennen um den Einzug in den bayerischen Landtag gehen soll. In Prozenten ausgedrückt: 88,8.

Seine Kontrahentin, die stellvertretende Kreisvorsitzende Gabriele Schülein, kam lediglich auf sechs Stimmen. "Das ist ein überwältigendes Ergebnis und ein deutlicher Vertrauensbeweis für Ralf Pohl", fand der SPD-Kreisgeschäftsführer Thilo Moosmann. Er habe Pohl zwar als Favoriten gesehen, dass das Ergebnis derart deutlich ausfiel, habe ihn jedoch überrascht.


Keine Konsequenzen

Auch Pohl selbst hat nicht mit einem so hohen Zuspruch gerechnet - die Unterlegene hingegen schon. "Ich bin mit der Erwartung in die Abstimmung gegangen, dass es so ausgeht, wie es ausgegangen ist", sagte Schülein auf FT-Nachfrage. Enttäuscht sei sie zwar nicht, müsse das Ergebnis jetzt aber erst einmal sacken lassen. Persönliche Konsequenzen schließt sie aber bereits aus: "Ich mache auf jeden Fall als Stellvertretende Kreisvorsitzende weiter!"

Ob Ralf Pohl aber auch tatsächlich das innerparteiliche Rennen macht, dürfte kommenden Dienstag entschieden werden. Denn dann soll es ein gemeinsames Treffen mit den Genossen aus dem Kreis Lichtenfels geben. Beide Kreisverbände bilden bekanntlich bei Landtags- und Bezirkstagswahlen einen gemeinsamen Stimmkreis. "Jetzt hängt es von den Lichtenfelsern ab", erklärt Pohl. "Wir hatten 2013 ja eine Absprache mit ihnen."

Damals wurde abgemacht, dass der SPD-Landtagskandidat für die kommende Wahl aus Kronach stammen soll. Nun habe der Kronacher Kreisverband eine klare Empfehlung ausgesprochen. "Jetzt muss der Lichtenfelser Kreisvorsitzende erklären, was er vorhat", so Pohl.


Dem großen Ziel unterordnen

Was der Lichtenfelser Kreisvorsitzende Sebastian Müller von der Kronacher Empfehlung hält, war gestern nicht zu erfahren, da sich Müller derzeit noch im Urlaub befindet. Zuletzt hatte Müller, der in Lichtenfels als möglicher Landtags-Kandidat gehandelt wird, angedeutet, sich an die vier Jahre alte Absprache nicht mehr gebunden zu fühlen. "Wir streben eine Verständigung an", macht Pohl deutlich. Das Ziel sei es schließlich, bei der anstehenden Wahl im kommenden Jahr erfolgreich zu sein. Diesem Ziel gelte es, sich unterzuordnen.

Gleichzeitig soll am Dienstag ein Termin für die gemeinsame Aufstellungsversammlung gefunden werden. Moosmann schätzt, dass im November endgültig feststehen wird, wer für den SPD-Stimmkreis Kronach/Lichtenfels ins Münchener Maximilianeum einziehen soll.


Nachfolge für Oswald Marr

Die Frage nach dem SPD-Landtagskandidaten könnte auch die nach dem Bezirkstagskandidaten beantworten. Mit Altlandrat Oswald Marr sitzt derzeit noch ein Kronacher Abgeordneter im Bezirkstag in Bayreuth. Die Kandidatur für diesen Posten sind die Kronacher offenbar bereit, an die Nachbarn aus Lichtenfels abzutreten.

Eine Empfehlung für einen eigenen Kandidaten gab es am Montag jedenfalls nicht. "Da würden dann Norbert Gräbner und Timo Ehrhardt unter sich ausmachen, wer von ihnen antritt", erklärte Thilo Moosmann.

Die Idee, die wohl hinter dem zögerlichen Vorgehen steckt: Verzichtet Lichtenfels auf einen Gegenkandidaten für Pohl, müssen die Bürgermeister von Marktrodach und Ludwigsstadt gar nicht erst überlegen, wer von ihnen versuchen soll, Marrs Nachfolge anzutreten. Offen ist, ob Lichtenfels bereit ist, einer solchen Rechnung zuzustimmen. So mühsam der Weg hin zu einem SPD-Kandidaten bisher auch war, die härteste Wegstrecke steht ihm mit der Landtagswahl erst noch bevor - wie auch immer sein Name lauten wird.

Kommentar: Ein deutliches Signal in Richtung Lichtenfels

Es war schon eine ordentliche Überraschung, als Gabriele Schülein ankündigte, für den Landtag kandidieren zu wollen. Wobei weniger ihre Absicht überraschte, den Stimmkreis in München vertreten zu wollen, als vielmehr die damit verbundene Kandidatur gegen Ralf Pohl - ihren Kreisvorsitzenden. Das nun feststehende Ergebnis verwundert hingegen kaum. Warum?

Nehmen wir doch nur einmal folgendes Szenario an: Schülein hätte sich mit zwei, drei, vielleicht sogar vier Stimmen Vorsprung durchgesetzt. Was hätte das für die Kronacher Kreis-SPD bedeutet? Die Zeiten von Pohl als Kreisvorsitzender wären mit ziemlich großer Sicherheit gezählt gewesen. Nun könnte als Argument angebracht werden, dass ein solches Ergebnis als Auftrag an Schülein hätte verstanden werden können, auch diese Rolle einzunehmen.

Doch von entscheidender Bedeutung ist in diesem Fall das Ergebnis. Nur eine Wahl mit klarer Mehrheit hilft den Kronacher Sozialdemokraten wirklich weiter. Nun stärkt die Wahl Pohl den Rücken. Viel wichtiger aber: Sie ist ein deutliches Signal in Richtung Lichtenfels. Die in Zahlen geäußerte Ansage: "Wir stehen hinter unserem Kandidaten." Denn die Parteikollegen aus dem Nachbarlandkreis ließen zuletzt nicht nur zwischen den Zeilen durchblicken, sich an die inzwischen vier Jahre alte Absprache nicht mehr wirklich gebunden zu fühlen. Ein enges Ergebnis in der Sitzung der Kronacher Kreis-SPD hätte den Lichtenfelsern wohl ordentlich dabei geholfen, die noch immer im Raum stehende Frage zu beantworten, ob sie für 2018 einen Hut aus ihren Reihen in den Ring werfen. Welches Zeichen hätte da ein Kandidat abgegeben, der nicht einmal die eigenen Leute überzeugt? Eines der Schwäche.

Für Pohl sprach jedoch noch ein weiterer Aspekt. Schließlich ist er erster Nachrücker auf der Landesliste. Scheidet ein anderer oberfränkischer SPD-Abgeordneter aus, hätte der Kreisvorsitzende von jetzt auf gleich einen neuen Job in München. Nicht auszudenken, er träte einen solchen Posten demontiert an. Nein, überraschend ist Pohls deutliche Wahl nicht - sie ist logisch.

Vielmehr überrascht es hingegen, dass Schülein angekündigt hat, an ihrem Posten im Kreisvorstand festzuhalten. Mit ihrer Kandidatur gegen Pohl - der schon als Kronacher Kandidat gesetzt schien - sägte sie indirekt an dessen Stuhl und sorgte innerparteilich für Irritationen. Da stellt sich die Frage, inwieweit die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit noch gegeben ist?