Sie sind schneller als der Notarzt
Autor: Cindy Dötschel
Küps, Donnerstag, 26. Sept. 2019
Im Notfall kommt es vor allem darauf an, dass schnell geholfen wird. Die Helfer vor Ort treffen im Durchschnitt sieben Minuten eher ein als Rettungswagen und Notarzt. In dieser Zeit können Leben gerettet werden.
Sie sind in ihrem Einsatzgebiet zu Hause. Deshalb können Benjamin Schneider und Julian Klinke innerhalb weniger Minuten, nachdem ein Notruf einging, Erste Hilfe leisten. "Im Schnitt brauchen wir ein bis zwei Minuten bis wir losfahren, mit dem Auto sind es maximal fünf Minuten bis zum Einsatzort", berichtet Klinke, der sich seit sieben Jahren ehrenamtlich als Helfer vor Ort engagiert. "Laut der Statistik sind wir sieben Minuten eher da als der Notarzt", ergänzt sein Kollege Schneider.
Zehn Helfer vor Ort in Küps
Die Helfer vor Ort in Küps gibt es mittlerweile seit zehn Jahren. Schneider ist seit der Gründung der Gruppe dabei. Über ihre ehrenamtliche Tätigkeit sind der 31-Jährige und Klinke auch zu ihrer hauptberuflichen Arbeit als Notfallsanitäter gekommen. "Wir sind insgesamt zehn Helfer vor Ort im Markt Küps, vom Lehrer bis zum Büroangestellten sind alle Berufsgruppen vertreten", zählt Schneider auf.
Ohne eine Stammbesetzung von acht bis zehn Leuten ist es schwer, den Dienstplan auszufüllen. "Das Einsatzfahrzeug muss jeden Tag von 8 Uhr abends bis 6 Uhr morgens und am Wochenende durchgängig besetzt sein", erklärt Ralf Schmidt, der beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) in Kronach als Ehrenamtskoordinator tätig ist. Der eingeteilte Helfer habe in der Zeit das Einsatzfahrzeug und müsse sich im Einsatzgebiet aufhalten, das den gesamten Markt Küps umfasst. In gesamten Landkreis Kronach seien die Helfer vor Ort in der Regel rund um die Uhr einsatzbereit.
Wertvolle Zeit geht verloren
Der Landkreis Kronach zählt insgesamt fünf Gruppen an Helfern vor Ort. Diese sind an die BRK-Bereitschaften Küps, Mitwitz, Nordhalben, Tettau und Lauenstein angegliedert. "Es kommt darauf an, die Zeit bis der Rettungsdienst eintrifft, zu überbrücken. Der entscheidende Vorteil ist, dass wir die Umgebung und die Leute kennen", weiß Schneider.
Dennoch sei es bei Nacht oft eine Herausforderung, den Einsatzort zu finden. "Oft sind die Hausnummern nicht lesbar angebracht und die Rollos unten, so dass man nicht sieht, wo Licht brennt", schildert Klinke die Situation. Wertvolle Zeit gehe verloren.
Für den Weißenbrunner sind die Einsätze mit mehreren verletzten Personen die schwierigsten: "In 90 Prozent der Fälle sind wir alleine unterwegs. Es ist schwer, sich um mehrere Personen gleichzeitig zu kümmern."
In etwa zwei Drittel der Fälle haben es die Helfer vor Ort mit chirurgischen Fällen zu tun. Darunter fallen beispielsweise Stürze. "Wir werden auch zu Verkehrsunfällen, Schlaganfällen oder Herzinfarkten gerufen", berichtet Klinke. Aus Erfahrung weiß er, dass es für die Patienten oft schon eine große Erleichterung ist, dass im Notfall schnell jemand da ist und sich kümmert. "Im Prinzip leisten wir erweiterte Erste Hilfe am Ort des Geschehens, im Extremfall stillen wir Blutungen oder fangen mit der Reanimation an", berichtet Schneider, der mittlerweile 520 Einsätze als Helfer vor Ort hatte.