Statt Festung Rosenberg nun Theater auf dem Schlossberg? Für Daniel Leistner steht möglicherweise ein künstlerischer Umzug ins Haus. Der langjährige Intendant der Kronacher Faust-Festspiele könnte bald an einer neuen Wirkungsstätte seine Erfahrungen in ein Theaterprojekt einbringen - in Pegnitz. In trockenen Tüchern ist die Entscheidung der Pegnitzer pro Leistner allerdings noch nicht. Das letzte Wort hat der dortige Stadtrat.

Bürgermeister Uwe Raab bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Stadt Pegnitz in Gesprächen mit Leistner steht. "Ich kann dem Ergebnis allerdings nicht vorgreifen", verweist er darauf, dass das Ratsgremium seine Entscheidung noch nicht getroffen hat. Erst wenn ein Beschluss gefällt ist, will sich das Stadtoberhaupt näher zu den Plänen mit dem ehemaligen Kronacher Intendanten äußern.
Bis dahin wird er nicht kommentieren, wie ein Theaterkonzept mit Leistner an Bord aussehen könnte. Nur so viel gibt er bekannt: "Wenn es zu Stande kommt, dann wäre das für Pegnitz ein neues Projekt." Leistner würde also in niemandes Fußstapfen treten, sondern dort etwas völlig Neues auf die Beine stellen.


Entscheidung im Juni angestrebt

Wann die Stadträte sich mit diesem Vorhaben auseinandersetzen steht noch nicht genau fest. Allerdings möchte Raab das Thema bereits in einer der beiden Sitzungen dieses Monats auf den Tisch bringen. Die erste steht am 15. Juni bevor. Aus dem Zeitpunkt lässt sich erschließen, dass bei aller Eile wohl keine Aufführung mehr im laufenden Jahr zu erwarten wäre. Zu viele Vorarbeiten wären dafür noch zu bewältigen.

Welches Konzept dem Pegnitzer Bürgermeister und ihm selbst vorschwebt, darauf mag auch Leistner zum jetzigen Zeitpunkt nicht näher eingehen. Dass der Mitbegründer der Faust-Festspiele offen für neue Projekte ist, ist aber bekannt. "Im vergangenen halben Jahr sind verschiedene Leute auf mich zugekommen - von Gemeinden und kleinen Theatern", bestätigt er eine rege Nachfrage. Darin sieht er eine Wertschätzung seiner Tätigkeit in Kronach. Durch solche Kontakte sei ihm erst jetzt bewusst geworden, welch großes Ansehen die Faust-Festspiele, aber auch sein Wirken außerhalb der Cranach-Stadt genießen.

Warum Pegnitz unter all diesen Anfragen den Zuschlag bekommen könnte, lässt sich leicht erschließen; Leistner hat dort schon mehrfach eine Theatergruppe beraten, und ein Darsteller aus dieser Gruppe war voriges Jahr sogar im "Florentinerhut" auf der Festung Rosenberg zu sehen. Zurzeit will Leistner jedoch keine Aussagen zu seinem weiteren Weg auf und hinter der Bühne treffen. Er spricht nur davon, dass es mehrere Anfragen gibt - und darunter eben auch "die Idee mit Pegnitz" ist.

In anderer Hinsicht lässt er jedoch keine Fragezeichen hinter seinen Perspektiven stehen. So zum Beispiel, wenn es um seine Heimatverbundenheit geht: "Ich persönlich würde mich freuen - egal ob es Pegnitz wird oder etwas anderes -, wenn ich in der Region bleiben könnte. Es hat mir stets einen Riesenspaß gemacht, hier zu arbeiten." Und diese Arbeit läuft ja noch immer, und zwar in Leistners Heimatstadt Ludwigsstadt.


Shakespeare soll bleiben

Dort betreut er die Shakespeare-Spiele. Heuer sind für Oktober mehrere Aufführungen von "Das Wintermärchen" vorgesehen. Und der Intendant von "Shakespeare in Ludscht" ist überzeugt, dass sich daran nichts ändern wird: "Ludwigsstadt wird weiter bestehen - immer, immer, immer!", betont er. Dieses Projekt sei ihm extrem wichtig.

Der Kronacher Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein wünscht Leistner unterdessen viel Erfolg bei seinen neuen Herausforderungen. "Er hat über Jahre gut in Kronach gewirkt und viel Aufbauarbeit geleistet", unterstreicht das Stadtoberhaupt. Beiergrößlein würde sich daher sehr freuen, wenn es dem langjährigen Weggefährten gelingen würde, sein Theaterkonzept an einer neuen Wirkungsstätte wieder umzusetzen.